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    Der iranische Kampfjet Kowsar in der Serienproduktion

    Kauf von Su-30 und J-10 gescheitert, Eigenentwicklung schwach – US-Portal analysiert Irans Luftwaffe

    © AP Photo / Iranian Defense Ministry
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    Zwischen dem Iran und den USA schwelt seit Jahren ein Konflikt. Zuletzt war er gar beinahe wegen Tanker-Festnahmen und Drohnenabschüssen eskaliert, was Befürchtungen um mögliche militärische Zusammenstöße auslöste. US-Medien haben sich nun in der Analyse der iranischen Luftwaffe versucht – und wichtiges vergessen.

    Vermutlich hat das Wachsen der Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen das US-Fachportal „National Interest“ dazu veranlasst, die Entwicklungsgeschichte der iranischen Luftwaffe zu analysieren. Das Portal kommt dabei zu einer äußerst pessimistischen Einschätzung – was allerdings deutlich zu kurz kommen könnte.

    So hebt das Portal zunächst hervor, dass die iranische Luftwaffe eine der größten Luftwaffen der Welt sei – zumindest auf dem Papier. Das Land verfüge offiziell über rund 350 Kampfjets, mehr als doppelt so viele wie die Royal Air Force.

    „Aber die meisten iranischen Kampfjets sind alt und überholt. Diejenigen, die nicht alt sind, sind nur neue Kopien alter Designs“, so das harte Urteil des US-Portals dazu.

    Die Iraner würden vor allem alte amerikanische F-14, F-5 und F-4 aus den 1970er Jahren, einige MiG-29- und Suchoi-Jagdbomber aus den 1980er Jahren und einige J-7 der Chinesen aus den 1990er Jahren fliegen.

    Versuche des Landes, seine Flugzeugflotte durch den Kauf neuer Modelle zu modernisieren, hätten dabei bislang immer zum Scheitern geführt.

    MiG-31

    So habe der Iran bereits 1990 einen Antrag für den Kauf von 24 MiG-31-Abfangjäger an Moskau gestellt. MiG-31 hätten die Fähigkeit des Irans, seinen Luftraum zu überwachen, erheblich verbessern können.

    „Aber die Sowjetunion brach zusammen, bevor sie den Auftrag des Irans erfüllen konnte“, schreibt das „NI“ weiter.

    Als dann Teheran seinen Antrag in den darauffolgenden Jahren erneut stellte, verhinderte Washington den Deal immer wieder durch immensen politischen Druck auf die neue schwache russische Führung der 1990er Jahren.

    Su-27 oder Su-30

    Später versuchte der Iran, wieder russische Kampfjets zu erwerben, und zwar entweder die Su-27 oder die modernere Su-30-Version. Als der Kauf im Jahr 2016 kurz vor seinem Abschluss stand, führten die USA jedoch Sanktionen gegen Teheran ein – damals im Rahmen des Versuchs, Iran von seinem Atomprogramm abzubringen.

    Der Kauf scheiterte erneut.

    J-10

    Parallel dazu versuchte die iranische Führung ab einem bestimmten Moment, die Richtung zu wechseln und wandte sich an China.

    2015 kursierten Gerüchte, dass Teheran 150 Kampfjets vom Typ J-10 erwerben wollte – doch es wurde nichts in die Realität umgesetzt.

    Laut „NI“ könnte das an sehr guten Beziehung Chinas zu arabischen Staaten des Nahen Ostens wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten liegen – beides erbitterte Rivalen des persischen Irans.

    „Für China ist der Verkauf von Kampfflugzeugen im Wert von ein paar Milliarden Dollar an den Iran wahrscheinlich nicht die diplomatische Kluft mit den arabischen Regierungen wert, die daraus resultieren könnte“, schreibt hierzu das Portal.

    Eigenentwicklungen

    Da der Iran keine neuen Kampfjets erwerben konnte, habe er vor allem seine älteren Flugzeuge aufgerüstet und kopiert. Die iranische Neuentwicklung – die ESA Saeqeh – sei im Prinzip eine Kombination verschiedener technischer Lösungen der F-4, F-14 und Su-22.

    „2018 enthüllte der Iran zudem einen weiteren F-5-Klon, den zweisitzigen Kowsar“, schreibt das Portal.

    Das „NI“ stuft dabei beide Modelle allerdings als „schlechte Kopien“ ein. Sie seien modernsten Rivalen immer noch stark unterlegen, so die amerikanische Logik.

    Was das US-Portal verkennt

    Die Logik des US-Portals in seiner Ausführung ist klar und simpel – nach rein technischen Charakteristika sind die iranischen neuen Modelle sicherlich den neusten Kampfjets der fünften Generation führender Mächte – den russischen Su-57, amerikanischen F-35 und F-22 oder den chinesischen J-20 – unterlegen.

    Zugleich verkennt das Portal den Sinn und Zweck der iranischen Luftwaffe.

    Die iranische Luftwaffe fliegt keine Luftangriffe im Ausland und versucht nicht, die Lufthoheit über Nachbarstaaten zu erringen. Die beachtliche Kampfjetflotte ist vor allem dazu da, den eigenen Luftraum gegen Eindringlinge zu sichern.

    Anders als die US-F-35, die dafür ausgerichtet werden, eine gegnerische Luftverteidigungen zu überwinden, soll die iranische Luftwaffe durch Abschreckung einen Angriff auf das eigene Territorium verhindern – auch wenn der Gegner über technisch bessere Flugzeuge verfügt.

    Zudem besitzt der Iran mittlerweile moderne Raketenabwehrsysteme – die russischen S-300 sowie die eigene Neuentwicklung „Bavar-373“.

    Die beachtliche Kampfjetflotte dürfte im Zusammenspiel mit der modernen Luftverteidigung eine Gefahr für jeden Angreifer mit Kampfjets der fünften Generation darstellen.

    Das sollte sich „National Interest“ klar machen.

    ng/mt

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    Kowsar, ESA Saeqeh, Russland, USA, Iran, MiG-31, MiG-41, MiG-17, Kampfflugzeug Lockheed Martin F-35 Lightning II, Jagdbomber F-35C (Lockheed Martin), F-35-Kampfjet, Kampfjet F-35, F-35A, F-35B, F-35, F-22, F-16, F-14, F-5, F-4, Kampfjet J-20 Chengdu, Chehgdu J-20, J-20, J-10 Chengdu, J-10, Jagdflugzeug Su-57, Su-57, Su-57, Mehrzweckkampfjet Su-30SM, Su-34, Su-30, Su-25, Su-33, Su-22