Widgets Magazine
16:53 21 Oktober 2019
SNA Radio
    Stahl-Monster: Die ungewöhnlichsten sowjetischen Panzer-Projekte

    Stahl-Monster: Die ungewöhnlichsten sowjetischen Panzer-Projekte

    © Sputnik / Jewgenij Biatow
    Technik
    Zum Kurzlink
    Von
    1123411
    Abonnieren

    Die sowjetischen und die russischen Landstreitkräfte verfügten über Hunderte, wenn nicht Tausende Modelle von Panzerfahrzeugen verschiedener Bestimmung – Panzer, Schützenpanzerwagen, Selbstfahrlafetten u.a.

    Doch bei Weitem nicht alle Projekte wurden realisiert. Viele interessante Entwicklungen blieben auf dem Papier oder entstanden nur als einzelne Prototypen. Über die ungewöhnlichsten davon lesen Sie in diesem Artikel.

    Fliegender Teller

    Während des Kalten Krieges versuchten sowohl die Sowjetunion als auch die USA, einen schweren Panzer zu entwickeln, der selbst mitten in einer Nuklearexplosion kämpfen kann. Doch das Vorhaben kam nicht über das Stadium von Prototypen hinaus. Das sowjetische „Objekt 279“, das in Leningrad unter Führung des legendären Konstrukteurs von Panzertechnik Joseph Kotin zum Jahr 1959 entwickelt wurde, beeindruckt auch heute noch mit seiner ungewöhnlichen Gestalt.

    Erstens erinnert die ellipsenförmige Panzer-Karosserie an ein Motorboot oder an einen fliegenden Teller. Diese Konstruktion verhinderte das Umkippen des Panzers durch die Druckwelle einer Atomexplosion. Zweitens wurde das Vehikel durch ein Fahrwerk mit vier Gleisketten in Bewegung gebracht, was im Panzerbau nicht üblich war. Damit konnte der Panzer „Objekt 279“ schwer passierbares Gelände überwinden. Es bewegte sich leicht durch Schnee und Sumpf. Das Fahrwerk sollte verhindern, dass der Panzer bei der Überwindung von Hindernissen steckenbleibt.

    Die Nachteile: seine Schwerfälligkeit, die komplizierte Bedienung und Wartung sowie die arbeitsaufwendige Produktion. Das einzige Modell dieses Panzers ist in einer Ausstellung im Zentralen Museum für Panzerwaffen und -technik in Kubinka bei Moskau zu sehen.

    Mit Turm und Flügeln

    Ein nicht weniger ambitioniertes Projekt war der fliegende Zwitterpanzer MAS-1, den der Ingenieur Michail Smaljkow 1937 entwickelt hatte. Das Fahrzeug auf der Basis des leichten Panzers BT-7 fiel durch seine einzigartige Konstruktion auf – die windschlüpfige Form der Karosserie, aufklappbare Elemente zur Überwindung von Hindernissen durch die Luft.

    • Der sowjetische fliegende Zwitterpanzer MAS-1
      Der sowjetische fliegende Zwitterpanzer MAS-1
      © Foto : Gemeinfrei
    • Der sowjetische fliegende Zwitterpanzer MAS-1
      Der sowjetische fliegende Zwitterpanzer MAS-1
    1 / 2
    © Foto : Gemeinfrei
    Der sowjetische fliegende Zwitterpanzer MAS-1

    Dazu gehörten ein Teleskopflügel und Heckleitwerk aus Stabilisator, Kielflosse, Tiefenruder und Seitensteuer. Bei der Bewegung in der Luft musste der MAS-1 die Zweiblattschraube in der Rumpfspitze in Bewegung bringen, auf dem Boden war dafür das Zwitter-Fahrwerk zuständig. Zur Besatzung gehörten ein Fahrer und der Kommandeur. Die Bewaffnung bestand aus einem 12,7-mm-Großkaliber-Maschinengewehr DK im Panzerturm und einem 7,62-mm-Flugzeug-Maschinengewehr SchKAS, das für das Schießen über einen Kanal der Schraubenachse angepasst wurde. Der ungewöhnliche Panzer sollte zu Boden- und Luftaufklärung, Landungsoperationen sowie zur Unterstützung von Handlungen der Kavallerie eingesetzt werden. Die Konstruktion dieses 4,5 Tonnen schweren Panzers war zu kompliziert für die Massenproduktion. Zudem konnte keine ausreichende Aerodynamik für einen stabilen Flug gewährleistet werden.

    Sumpf-Panzer

    1937 stellten Spezialisten des Moskauer Flugzeugswerks Nr.84 einen Entwurf eines Luftkissen-Panzers vor, auch als „Fliegender Amphibien-Panzer“ bekannt. Das Panzerfahrzeug sollte bei Kampfhandlungen in sumpfigem oder sandigem Gelände eingesetzt werden. Die Arbeiten leitete der Ingenieur und Konstrukteur Wladimir Lewkow.

    Der sowjetische Amphibien-Panzer
    Der sowjetische Amphibien-Panzer

    Die Grundlage der Konstruktion bildete das weltweit erste Luftkissenboot L-1, das 1934 entwickelt wurde. Laut dem Projekt befanden sich in der Rumpfnase und im Heck zwei Luftschrauben, die durch zwei Flugzeugtriebwerke M-25 mit einer Gesamtleistung von 1450 PS angetrieben wurden.

    Sie sollten dem 8,5 Tonnen schweren Fahrzeug eine Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h in einer Höhe von 20 bis 25 cm über dem Boden ermöglichen. Die Besatzung bestand aus einem Fahrer und einem Kommandeur-Schützen. Bewaffnet war der Panzer mit einem 7,62-mm-Maschinengewehr DT. Es wurde nur ein Modell hergestellt. Die Sowjetunion bereitete sich auf einen großen Krieg vor, die Rüstungsindustrie befasste sich mit der Produktion von Panzern, die weniger ungewöhnlich waren.

    Meeres-Kaliber

    1940 führten Spezialisten der Werke Ischora und Kirow ein erfolgreiches Experiment zur Ausstattung eines bodenfesten Fahrwerks mit einem 130-mm-Schiffsgeschütz B-13-IIs durch. Mit Beginn des Winterkrieges gegen Finnland brauchte die Rote Armee dringend eine Selbstfahrlafette zum Kampf gegen gepanzerte Bunker und andere Befestigungsanlagen der finnischen Truppen.

    Die sowjetische Selbstfahrlafette vom Typ Su-100 Y
    © Sputnik / Grigorij Syssojew
    Die sowjetische Selbstfahrlafette vom Typ Su-100 Y

    Die Kanone, die für Kreuzer und starke Küstenbatterien bestimmt war, wurde auf ein Fahrwerk eines schweren Versuchspanzers T-100 montiert, wo statt zwei Türmen ein gepanzertes kielförmiges Deckhaus angebracht war. Die Selbstfahrlafette bekam die Bezeichnung SU-100-Y. Die Ausrüstung ermöglichte eine Geschwindigkeit der Geschosse von bis zu 800 m/s und eine Feuerreichweite bis 20 km. Ein Kampfsatz bestand aus 30 Schuss geteilter Munition.

    Die Selbstfahrlafette wurde allerdings nicht eingesetzt. Sie wurde erst nach Kriegsende nach Karelien gebracht. Die Kanone wurde jedoch an den Resten der Verteidigungslinie der Finnen getestet, wobei die Bunker durch den Beschuss aus großer Distanz vernichtet wurden. Es wurde nur ein einziges Exemplar hergestellt. Das Programm wurde nach der Indienststellung der Panzer KW-1 und KW-2 geschlossen. Der Panzer KW-2 wurde mit einer 152-mm-Haubitze M-10 bewaffnet, die sich mehr für die Vernichtung von Befestigungen auf dem Festland, denn als Schiffswaffe SU-100-Y eignete. Der Prototyp der Selbstfahrlafette befindet sich im Museum für Panzerwaffen und -technik in Kubinka bei Moskau.

    Blendender Laser

    Ende der 1980er-Jahre wurde die Laseranlage 1K17 „Schatije“ mit einem Fahrwerk der Selbstfahrlafette Msta-S entwickelt. Das Kampffahrzeug war für die Bekämpfung von optisch-elektronischen Anlagen des Gegners bestimmt. Der Turm der Selbstfahrlafette wurde umfangreich vergrößert, um dort optisch-elektronische Anlagen unterbringen zu können. Im vorderen Teil wurde statt einer Kanone ein optischer Block aus 15 Objektiven installiert.

    Die Laseranlage 1K17 „Schatije“
    Die Laseranlage 1K17 „Schatije“

    Speziell für die Laseranlage 1K17 wurde ein 30 kg schwerer künstlicher Rubin-Kristall installiert. Jeder der zwölf optischen Kanäle des Lasers wurde mit einem individuellen Lenksystem ausgestattet. Die Anlage konnte das Ziel mit Strahlen aus Wellen verschiedener Länge treffen, wodurch eine zuverlässige Blendung der gegnerischen Geräte gesichert wurde, auch wenn sie mit Lichtfiltern geschützt waren. Die Laser-Generatoren mussten durch einen autonomen Antrieb im hinteren Teil des Turms gespeist werden.

    Im Dezember 1990 wurde ein Versuchsmuster der Waffe entwickelt. 1992 wurden staatliche Tests durchgeführt. Eine Indienststellung wurde empfohlen. Doch das wurde durch den Zerfall der Sowjetunion und die anschließende Kürzung der Rüstungsausgaben verhindert. Das einzige Modell der Anlage befindet sich im Militärtechnischen Museum in Iwanowskoje bei Moskau.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    UdSSR, Panzer, Sowjetunion