09:13 15 November 2019
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    Zukunftsbomber PAK DA als Ersatz für Tu-160: Überschall ist kein Muss

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    Die erste Testmaschine des Bombers PAK DA geht in Produktion. Teilkonzerne der russischen Luftfahrtholding UAC hätten mit entsprechenden Vorbereitungen begonnen, teilte der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturow mit. Führend bei dem Zukunftsprojekt ist der Tupolew-Konzern. Die Zeitung „Gazeta“ berichtet.

    Die Auslegung des russischen Zukunftsbombers PAK DA steht seit Februar dieses Jahres fest: Ein Nurflügler (ohne Seitenleitwerke) in Tarnkappentechnik, gedacht als Ersatz für die heutigen Bomber der russischen Fernfliegerkräfte Tu-160, Tu-95MS und Tu-22M3. Die PAK DA kann mehr Waffen aufnehmen als eine Tu-160, fliegt aber nur im Unterschallbereich.

    „Luftbasierte Waffensysteme von heute werden ersetz durch hyperschallschnelle Waffensysteme mit größerer Reichweite und Präzision. Deshalb muss der zukünftige Bomber solche Parameter wie Überschallflug nicht unbedingt erfüllen. Was der Bomber braucht, ist die Fähigkeit, lange und unentdeckt in der Luft zu patrouillieren, um anvisierte Ziele zu bekämpfen, ohne sich in Gefahrenbereiche begeben zu müssen“, erklärte Russlands ehemaliger Vize-Verteidigungsminister und heutiger Vize-Premier Juri Borissow im Zeitungsgespräch.

    Zuvor sagte Borissow, der neue Bomber könnte 2025-2026 zum Erstflug abheben. Der Beginn der Serienfertigung sei für 2028-2029 geplant. „Die Abläufe sind mit der Industrie dahingehend abgestimmt worden, dass die Vorbereitung auf die Produktion der Tu-160 in ihrer neuen Auslegung und der PAK DA gleichzeitig läuft“, erklärte Borissow. Die Verfahren würden weitestgehend vereinheitlicht. „Grob gesagt, beim Bau der neuen Tu-160 und der PAK DA werden ein und dieselben Anlagen verwendet. Somit geben wir nur einmal Geld für den Produktionsanlauf aus.“

    2009 hatte der Tupolew-Konzern einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium unterzeichnet für eine Machbarkeitsstudie mit dem Codenamen „Poslannik“ (Der Gesandte). Daraus entstand der erste Entwurf der PAK DA. Seit 2013 läuft die technische Entwicklung des strategischen Bombenflugzeugs. Im Februar dieses Jahres sind alle Unterlagen für den Produktionsbeginn der PAK DA unterzeichnet worden. Der Chef des Tupolew-Konzerns teilte vorher mit, der Rollout des ersten Prototyps des neuen Bombers sei für 2021-2022 geplant.

    Die Hauptmission des russischen Zukunftsbombers: Hochpräzise und schwer entdeckbare Lenkwaffen ins Einsatzgebiet bringen. Die Waffen sollen dabei aus sicherer Entfernung von mehreren hundert bis mehreren tausend Kilometern auf gegnerische Ziele abgesetzt werden. Das russische Verteidigungsministerium hat gefordert, den Bomber auf möglichst große Waffenzuladung, Tarnkappeneigenschaften und auf die Fähigkeit auszulegen, alle Flugplätze zu nutzen.

    Die PAK DA wird mit Hyperschallwaffen bestückt – aber auch mit Abwehrwaffen wie Luft-Luft-Raketen, um Einsätze ohne Begleitung von Jagdflugzeugen bewerkstelligen zu können. Von größter Relevanz ist dabei die Tarnkappenfähigkeit: Gemäß einer Vorgabe des Verteidigungsministeriums darf der künftige russische Bomber allerhöchstens aus einer Distanz von 80 bis 120 Kilometern mit Radar- oder Infrarotsensoren entdeckt werden können.

    „Zu diesem Zweck werden in die Zelle der PAK DA Verbundwerkstoffe und radarabsorbierende Materialien integriert, um den Radarquerschnitt der Maschine zu verringern. Nachgedacht wird auch über den Einsatz von Titan“, erklärt Militärexperte Konstantin Makijenko vom Zentrum für Strategie- und Technologieanalysen im Zeitungsgespräch. „Die Emissionen im Infrarotbereich werden dadurch vermindert, dass Mantelstromtriebwerke ohne Nachbrenner mit flachen und rechteckigen Düsen verbaut werden – und zwar oberseitig.“

    Auf diese Weise decken Rumpfelemente im Heck der Maschine die Austrittsdüsen ab. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass der heiße Abgasstrahl der Triebwerke von den Infrarotsensoren der Abfangjäger und Flugabwehrsysteme detektiert wird.

    Mit der Entwicklung des Triebwerks für die PAK DA hat der Tupolew-Konzern den russischen Antriebsspezialisten United Engine Corporation beauftragt. Der Vertrag ist im Juni 2018 unterzeichnet worden.

    Die wichtigsten Anforderungen an das neue Triebwerk: Wirksamer Schutz vor den Folgen einer nuklearen Explosion, Laufzeit von mindestens 8.000 Stunden, Lebensdauer von mindestens 12 Jahren bei optionaler Ausweitung auf 21 Jahre, Wartungsintervalle von mindestens 600 Stunden, und die Triebwerkssteuerung muss eine Flugdauer von mindestens 30 Stunden am Stück ermöglichen. Die genauen Parameter werden infolge von Tests definiert. Die Entwicklung darf rund 10 Mrd. Rubel (umgerechnet 135 Mio. Euro) kosten.

    Wie bereits berichtet, fertigte der Tupolew-Konzern im Frühjahr 2017 ein Mockup des neuen Bombers im Maßstab 1:1 an. Wenige Monate später entstand nach Konzernangaben ein rechnergestütztes Modell der Maschine. Im Sommer 2018 wurde der technische Entwurf des neuen Bombers bestätigt, seitdem arbeitet Tupolew an einem Demonstrator der PAK DA. Die Maschine soll in Kasan gebaut werden – im Flugzeugwerk Gorbunow, einem Standort des Tupolew-Konzerns.

    Die technischen Eckdaten der PAK DA werden mit 12.000 Kilometern Reichweite, rund 1.000 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit und 110 Tonnen Abflugmasse angegeben. Das Navigationssystem des künftigen Bombers soll nicht an Satelliten gebunden, sondern allein anhand astronomischer Werte navigieren können. Somit wird die Maschine weniger anfällig für Maßnahmen der elektronischen Kampfführung.

    Eigens für die PAK DA würden neue Lenkwaffen mit einer Reichweite von 7.000 km entwickelt, erklärte ehemaliger Chef der russischen Weltraum- und Luftstreitkräfte, Wiktor Bondarew. Die Flugkörper würden mit Bordsystemen ausgerüstet, die die Lage im Luftraum und das radartechnische Umfeld auswerten können. 

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    Tags:
    Tu-160, Tu-95, Bomber, Entwicklung, PAK DA, Russland