23:08 09 Juli 2020
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    Vor 70 Jahren hat die Sowjetunion ihre erste Atombombe getestet. Entwickelt wurde die Bombe in Reaktion auf die ersten Atomwaffen in den USA. Die USA hatten ihrerseits aus Angst vor deutschen Atomwaffen mit der Bombenentwicklung begonnen. Aber wieso hat Nazi-Deutschland letztendlich doch keine Bombe entwickelt?

    Gezündet wurde die sowjetische Kernwaffe RDS-1 am 29. August 1949 um sieben Uhr Ortszeit auf dem Testgelände Semipalatinsk in der Kasachischen SSR. Deren Name war auf unterschiedliche Weisen interpretiert worden, darunter wie „Russland macht es selbst“ [Rossija Delajet Sama], „das Mutterland schenkt sie Stalin“ [Rodina Darit Stalinu]. Im offiziellen Dekret des Ministerrates der Sowjetunion vom 21. Juni 1946 stand jedoch: „Düsentriebwerk S“ [Reaktiwny Dwigatel S]. Geleitet wurde das Projekt von dem später zum „Vater“ der sowjetischen Atomwaffe erklärten Top-Physiker Igor Kurtschatow.

    Eine Atombombe war für sowjetische Führung von Priorität

    Die Daten aus den sowjetischen Archiven verweisen darauf, dass die RDS-1 unter Berücksichtigung der verfügbaren Materialien über die 1945 erprobte US-Plutoniumbombe erstellt wurde. Die Materialien wurden durch die sowjetischen Nachrichtendienste geliefert, eine wichtige Quelle soll dabei der deutsche Physiker Klaus Fuchs gewesen sein, der an den Atomprogrammen der USA und Großbritanniens teilgenommen hatte.

    Der Zugang zu den Aufklärungsmaterialien hatte die Erstellung der Bombe zwar beschleunigt, sowjetische Physiker verwiesen aber weiter auf mangelhafte technische Beschlüsse der US-Kollegen. Daher soll die RDS-1 primitiver und weniger effektiv gewesen sein als die originale Version der sowjetischen Wissenschaftler, die erst Anfang 1949 vorgeschlagen wurde. 

    Laut Nuklear-Veteranen war der Erfolg des sowjetischen Atomprojekts unter anderem durch klare Anweisungen der Staatsführung zu den Hauptaufgaben und -problemen ermöglicht worden, denn die brauchte die Bombe so schnell wie möglich.

    Die notwendige Konzentration von intellektuellen, materiellen und finanziellen Ressourcen war unter anderem unter schweren Arbeitsbedingungen sichergestellt worden. Die Aufgabe war also von höchster Priorität. Dies war laut dem wissenschaftlichen Berater des Leiters des Nationalen Forschungszentrums „Kurtschatow-Institut“, Andrej Gagarinski, in Deutschland nicht der Fall. Eine Atombombe war dem Historiker der Atomprojekte zufolge für Hitler nicht von Priorität. 

    Keine Priorität für Hitler

    „Die deutsche Führung sah die Aufgabe nicht als Priorität und ließ sie nur in beschränkten Maße durchführen“, behauptet Gagarinski. „Hitler hat die für das Atomprogramm verantwortlichen Wissenschaftler nie empfangen. Dazu war die historisch zugeteilte Zeit einfach zu kurz“. Dem Experten zufolge war das letzte „entscheidende“, aber erfolglose Zündungsexperiment mit dem deutschen Kernreaktor des berühmten deutschen Wissenschaftlers und Nobelpreisträgers Werner Heisenberg bereits im Mai 1945 „unter dem Dröhnen französischer Panzer“ durchgeführt worden.

    Heisenberg bekannte selbst, „man hat nicht den Mut gehabt, 1942 für den Bombenbau 120.000 Leute anzufordern“. Tausende von Leuten wurden dem deutschen Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker zufolge gerade für die V2-Raketen von Wernher von Braun eingesetzt. Zu den Atomwaffen sagte Weizsäcker übrigens:  

    „Ich glaube, der Grund, weshalb wir es nicht geschafft haben, liegt darin, dass alle Physiker es nicht gewollt haben. Wenn wie wirklich gewollt hätten, dass Hitler den Krieg gewinnt, dass wären wie auch erfolgreich gewesen.“

    lk/sb/sna

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    Tags:
    Carl Friedrich von Weizsäcker, Atombombe, Kurtschatow-Institut