13:14 20 November 2019
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    Weltraumdrohne X-37B (Archiv)

    718 Tage im All: Was treibt die Versuchsdrohne X-37B im Erdorbit?

    © Foto: U.S. Air Force
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    An der amerikanischen Weltraumdrohne X-37B ist nahezu alles geheim. Testverlauf und -ergebnisse? Keine Angaben. Verwendungszweck? Nichts für die Öffentlichkeit. Kosten des Programms? Kein Kommentar. Was bleibt sind Annahmen, Thesen, Ableitungen. Die Zeitung „Gazeta“ berichtet.

    Fünf Weltraumvehikel X-37B hat das US-Militär über die letzten zehn Jahre ins All geschossen. Dabei dauerte jede weitere Mission länger als die vorherige – bis zum erneuten Rekord: Die fünfte X-37B hat inzwischen mehr als 718 Tage im Erdorbit verbracht. Wir gratulieren.

    Aber noch nimmt der Einsatz der amerikanischen Versuchsdrohne kein Ende. Nach Angaben der US Air Force ist die gegenwärtige Mission zeitlich unbegrenzt: Erst wenn die Drohne alle Aufträge erfüllt habe, kehre sie zur Erde zurück. Damit beginnt das Geheimnis.

    Einzelheiten zu den „Aufträgen“ der X-37B gibt die USAF nicht bekannt. Was das Rätselraten über das Space-Vehikel in Fach- und Fankreisen nur befeuert. Das US-Militär zeigt nicht einmal auf, wo genau das Gefährt sich befindet, wenn es im Erdorbit ist. Gut, dass es ambitionierte Hobby-Astronomen gibt, die es schaffen, den Space-Jet mit handelsüblicher Optik zu entdecken.

    Bekannt ist, dass das US-Militär die X-37B dafür nutzt, wiederverwendbare Weltraumtechnik zu entwickeln. Neue Navigationssysteme werden getestet, auch Verfahren zum Wiedereintritt in die dichten Schichten der Erdatmosphäre und zur sicheren Landung auf der Erde.

    Die „Raumfähre im Mini-Format“ wird von einer Rakete ins All gebracht, wo sie sich von dem Träger abkoppelt und zur eigentlichen Mission übergeht. Mit knappen neun Metern Länge ist die X-37B in der Tat so etwas wie eine Mini-Version des legendären Space-Shuttles. Mit rund 5 Tonnen Gewicht ist die Weltraumdrohne nur etwas schwerer als ein Lieferwagen. Zwei Europaletten würden in ihren Frachtraum passen – der ist 2,1 x 1,2 Meter groß. Zuladung: max. 900 Kilogramm.

    Angetrieben wird die X-37B von einem Rocketdyne-Triebwerk des Typs AR-2/3. Damit kann das Vehikel abrupt den Kurs und die Flughöhe ändern. Ausgelegt ist die Drohne für Einsätze im erdnahen Orbit: Höhen zwischen 200 und 750 Kilometern. Dem bemannten Space-Shuttle gleich gleitet die kleine Raumfähre nach erledigter Mission zur Erde zurück, wo sie wie ein Fracht- oder Passagierjet auf einem Flugplatz landet.

    Bestimmt ist die X-37B nach offiziellen Angaben zur „Durchführung von Versuchsreihen“, deren Ergebnisse zur Auswertung auf die Erde zurückgebracht werden können, wie ein ranghoher Militär der USAF erklärte. Aber um welche Versuche es sich genau handelt, das bleibt auch ein Rätsel.

    Geheimsache sind übrigens auch die Kosten des X-37B-Programms: Der Boeing-Konzern entwickelt die Maschine für die amerikanische Luftwaffe, aber die finanziellen Bedingungen des Vertrags hält man unter Verschluss.

    Es ist natürlich naheliegend, dass die amerikanische Weltraumdrohne möglicherweise zur Spionagezwecken eingesetzt wird. Davon gehen ja auch viele Experten aus. Deutlich plausibler erscheint hingegen die Vermutung, dass die X-37B als Erprobungsträger für einen weltraumgestützten Abfangjäger dient – eine Maschine zur Abwehr und Bekämpfung von Satelliten.

    Dass die X-37B oder ihre Weiterentwicklungen in absehbarer Zukunft mit Lenk- und Schusswaffen ausgerüstet wird, ist anzunehmen. Zum Beispiel mit einer Schnellschusskanone – damit ausgestattet, könnte das Vehikel andere Weltraumgeräte auch aus größeren Entfernungen bekämpfen.

    Die Vereinigten Staaten sind inzwischen dermaßen an weltraumgestützte Technik gebunden, dass man von einer Abhängigkeit sprechen kann: 80 Prozent der weltweit getätigten Ausgaben für Weltraumtechnologien stammen aus den USA. Amerikas nationaler Sicherheitsrat kam schon Mitte der 2000er Jahre zu dem Schluss, dass die Vereinigten Staaten wie kein anderes Land vom Weltraum abhängig seien.

    Gestützt wird das enorme Budget von der „Nationalen Weltraumstrategie“, die die Vereinigten Staaten 2006 verabschiedet haben. Darin räumt Washington sich das Recht ein, die amerikanische Hoheit auf den Weltraum auszuweiten.

    Jedenfalls spielen die USA mögliche Varianten eines Waffenkonflikts jenseits der Erdatmosphäre durch. Allein die Zerstörung und der Ausfall des Global Positioning Systems (GPS) wäre für den Verlauf und den Ausgang eines Konflikts entscheidend – und für die postindustrielle Welt eine Katastrophe. Und es gibt ja noch Kommunikationssatelliten und Frühwarnsysteme gegen Raketenangriffe…

    Eine Militarisierung des Weltraums erscheint deshalb aus der Sicht der USA als unausweichlich. Es könnte in absehbarer Zeit soweit kommen, dass Washington eine ganze Flottille von kampffähigen Space-Jets in den erdnahen Orbit verlegt, um:

    • den eigenen Satellitenverband wirksam zu beschützen
    • alle potenziell gefährlichen Weltraumgeräte des Gegners auszuschalten.

    Eine weitere Mission der X-37B wird sicherlich dienlich sein für die Suche nach wirksamen Lösungen für diese und ähnliche Aufträge.

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    Tags:
    Raumflugzeug X-37B, Militarisierung, Weltraum, USA