04:46 21 November 2019
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    Atom-U-Boot der Virginia-Klasse (Archivbild)

    US-Navy in Aufrüstung: Zwei neue U-Boot-Modelle sollen bald kommen

    © Foto: US Navy / Chris Oxley
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    U-Boote zählen zu den wichtigsten Argumenten im globalen Gleichgewicht der Großmächte. Die Vereinigten Staaten wollen nun dieses Gleichgewicht offensichtlich zu ihren Gunsten verschieben. Laut Medienberichten wollen die USA zahlreiche neue Angriffs-U-Boote in Dienst stellen.

    Wie das US-Portal „National Interest“ (NI) berichtet, steht die US-Marine kurz davor, einen Vertrag für neue Angriffs-U-Boote abzuschließen.

    Zwei Modelle stehen hierbei im Mittelpunkt der Überlegungen.

    Zum einen ist das eine neue Variante der Virginia-Klasse – die sogenannten „Block V“-U-Boote. Diese hätten durch ein neues „Nutzlastmodul“ mit 28 vertikalen Raketenrohren ausgeweitete Angriffskapazitäten und würden ältere U-Boot-Modelle ersetzen.

    Die US-Marine und der U-Boot-Hersteller General Dynamics Electric Boat hatten bereits im April 2019 damit gerechnet, einen Vertrag über mehr als 20 Milliarden US-Dollar für zehn Block-V-U-Boote zu unterzeichnen, von denen neun die zusätzlichen Raketenröhren besitzen sollen.

    Die Verhandlungen zogen sich jedoch bis in den Spätsommer 2019 hinein und sind immer noch nicht endgültig abgeschlossen. Es gibt gleich mehrere Probleme.

    Schwierigkeiten in Produktion und Koordination

    Zum einen seien längst nicht alle US-Militärwerften in der Lage, die Block-V-U-Boote zu bauen.

    Nicht selten gebe es zudem Schwierigkeiten bei der Koordination. So teilen laut „NI“ die Werften die Endmontage unter sich auf und transportieren die verschiedenen U-Boot-Module auf Schiffen hin und her. Koordinationsschwierigkeiten sind da vorprogrammiert.

    Zum anderen hätte sich die Produktion neuer U-Boote in letzter Zeit verzögert, da die Werften Schwierigkeiten hätten, die notwendigen Bauteile für die Fertigstellung der Module rechtzeitig zu beschaffen.

    „Solche Verzögerungen werden sich in zwei Jahren noch verstärken, wenn die Werften gleichzeitig damit beginnen, U-Boote der Columbia-Klasse und U-Boote der Block-V-Virginia-Klasse zu bauen“, so die Einschätzung von „NI“.

    Dennoch werde der Ausbau der amerikanischen U-Boot-Flotte immer weiter vorangetrieben.

    Ein komplett neues U-Boot

    Bereits jetzt würden jeden Tag zehn Angriffs-U-Boote die Weltmeere patrouillieren, während die anderen gewartet werden und die Besatzung geschult wird.

    Außer der verbesserten Virginia-Klasse will die US-Marine aber noch ein anderes brandneues Angriffsboot namens SSN (X) haben.

    Dieses soll ab 2034 in Dienst gestellt werden.

    Laut den vorhandenen Informationen soll das neue U-Boot nach seiner Größe eine Nische zwischen der Virginia-Klasse mit ihren 8000 Tonnen Wasserverdrängung und der Seawolf-Klasse mit 9.000 Tonnen Wasserverdrängng einnehmen.

    „Die Marine gibt an, dass das U-Boot der nächsten Generation schneller und unauffälliger sowie in der Lage sein soll, mehr Torpedos als die Virginia-Klasse zu tragen“, so ein Bericht des Congressional Budget Office vom Oktober 2018.

    Statt einem zusätzlichen Modul mit vertikalen Raketenröhren wie bei der Block-V Virginia soll die SSN (X) dafür mehr Platz für zusätzliche Torpedos, Antriebe und Geräuschdämpfungsmechanismen haben.

    Sie werde eher dafür ausgerichtet, einen direkten Kampf gegen andere U-Boote zu bestreiten, schreibt „NI“.

    Gesamtrechnung offenbart Strategiewechsel

    Laut „NI“ wird die US-Marine in der Gesamtheit deutlich weniger vertikale Raketeneschächte, die sich für Angriffe auf Landziele eignen, zur Verfügung haben, dafür aber mehr Torpedorohre, die im Kampf gegen andere U-Boote oder Schiffe gebraucht werden.

    Das Portal rechnet vor, dass die US-Marine auch wegen anderer struktureller Veränderungen bei der Navy zeitweise 600 Raketenrohre weniger haben werde.

    Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die US-Navy generell eine andere Richtung wählt.

    Die Marine stellt sich wohl mehr auf Streitpotential auf den Weltmeeren ein als auf die Notwendigkeit, ständig Landziele im Visier zu haben.

    Das Umschwenken zu maritimen Konflikten lässt sich dabei in den Rahmen einordnen, den Hilllary Clinton und Barack Obama bereits 2011 angedeutet hatten. Sie erklärten, dass das 21. Jahrhundert zu „America’s Pacific Century“ werden soll. Mit anderen Worten: Washington wird sich viel mehr auf Konflikte im maritimen Bereich des Pazifischen Ozeans einstellen und seine Hauptaktivitäten in diese Region verlegen.

    Das Land, gegen sich das offensichtlich richtet, lässt sich kaum übersehen – China. Dieses modernisiert mit riesigen Schritten seine Marine, um seine Interessen im Ostchinesischen Meer, vor der Küste Süd-Ost-Asiens und im Pazifik durchzusetzen.

    Peking entwickelt hierzu Flugzeug- und Hubschrauberbträger sowie beispielsweise neueste Jets der fünften Generation J-20, die von ihnen starten sollen.

    Das Rüstungsrennen um den Pazifik dürfte also begonnen haben.

    SB/ng

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    Tags:
    SSN (X) U-Boot, Block V-U-Boote, Ohio-Klasse, Ohio, Virginia-Klasse, United States Navy, U.S. Navy, US-Navy, US Navy, Navy, USA