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05:37 14 Oktober 2019
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    Militärübungen mit dem aufblasbaren Raketenabwehrsystem S-300 (Archiv)

    Alles Blender und Bluffer: Eine Kurzgeschichte der Täuschung und Tarnung

    © Sputnik / Grigorij Sysoew
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    Was tun Armeen nicht alles, um eigene Kriegsverluste zu minimisieren. Aufblasen und Aufbauschen ist eine Methode von vielen. Das Portal „Swesda“ berichtet über Panzer, Flugzeuge und Raketen, die keine sind.

    Wer hätte es gedacht, dass ausgerechnet die Amerikaner mit Lug und Trug zu Kriegszwecken angefangen hatten? Die Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg waren es, die als erste Panzerattrappen einsetzten, um den Gegner zu täuschen. Der aufblasbare „Sherman“ war vom echten nur aus direkter Nähe zu unterscheiden.

    Die UdSSR zog nach, mit dem ihr üblichen Hang zu Extremen: Im Krieg produzierte die sowjetische Rüstungsindustrie Panzerattrappen am Fließband. Die waren nicht nur aufblasbar; günstiger und genauso zweckerfüllend waren „Kampfgeräte“ aus Sperrholz – Potemkinsche Panzer so zu sagen. Speziell ausgebildete Farbgestalter sorgten für einen „Lebensecht“-Effekt.

    Ein Ausschnitt aus der Kriegsgeschichte genügt, um zu sehen, wie wichtig die Arbeit dieser Bluffer war: In der Panzerschlacht von Kursk waren neben echten T-34 auch rund 500 falsche eingesetzt. Die Holzkisten schossen natürlich nicht, lenkten aber das gegnerische Feuer dorthin, wo es wirkungslos sein musste. So zogen die sowjetischen Attrappen der Wehrmacht einen Strich durch die Schlachtordnung.

    Im Zweiten Weltkrieg wurde sogar noch Größeres inszeniert. Flugplätze und Festungsanlagen – als Falschziele simuliert – waren die beliebtesten Motive der Täuscher. Der Gegner, desorientiert, verschoss seinen Kampfsatz an falscher Stelle.

    Heutzutage sind die Künstler des kriegerischen Sinnentrugs viel raffinierter. Man täuscht nicht nur die Augen des Gegners; viel wichtiger ist es, dass seine Sensoren Falschbilder liefern. Mit einem Spezialstoff bezogen, reflektieren manche Attrappen die Radarstrahlung so, dass die gegnerischen Ortungssysteme überzeugt sind, echte Ziele erfasst zu haben. Und um Infrarotsensoren in die Irre zu führen, wird aufblasbare Technik einfach beheizt.

    Der aufblasbare Panzer
    © Sputnik /
    Der aufblasbare Panzer

    Viel Aufwand erfordert die militärische Staffage heute übrigens nicht mehr: Ein russischer „T-80“ kann von einem Soldaten getragen und in zehn Minuten an beliebigem Ort stationiert werden – 10 Kilo nur wiegt die Mogelpackung. Ein Fake-Flugabwehrsystem ist nicht wesentlich schwerer. Gefälschte Kampfjets? Hat die russische Armee auf Lager: Su-27, MiG-31 – hinstellen, aufblasen, fertig.

    Längst bewährt und unverzichtbar, wenn der Gegner scharf schießt, sind Nebelschwaden: dicht, undurchdringlich, nehmen dem Feind die Sicht. Versuch da mal zu zielen und zu treffen. 1943 zum Beispiel legte die Rote Armee beim Durchqueren des Dnepr eine Nebelwand von circa 30 Kilometern Länge an. Lange vorher hatten aber auch schon Zaren-Truppen Nebelbomben gebraucht.

    Günstig, verfügbar und wirkungsvoll – bis heute setzen Streitkräfte Rauch und Nebel zur Täuschung und Tarnung ein. Die russische Nordflotte etwa hat unlängst bei einer taktischen Übung ihre Schiffe am Stationierungsort durch künstlich erzeugten Rauch verschwinden lassen. Ein insgesamt 20 Quadratkilometer großes Gebiet wurde von Rauchgeneratoren eingenebelt.

    Aber warum kompliziert, wenn es auch einfach geht: Ein Überwurf reicht oft schon aus – Hauptsache, dessen Farbton geht in der Umgebung auf. Schon im Ersten Weltkrieg wurden Feuerstände, Geschütze, Flugzeuge mit Tarnnetzen verschleiert. Heute gibt es sogar solche, die vor Radarstrahlung schützen – einfach überwerfen, und der Gegner ist blind. 

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    Tags:
    Methode, Täuschung, Geschichte, Krieg