08:37 14 Dezember 2019
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    Der US-Raumgleiter X-37B (Archiv)

    Säbelrasseln im Weltall: Darum ist der geheime US-Raumgleiter X-37B so gefährlich

    © Foto : Secretary of the Air Force Public Affairs/Tech. Sgt. Joshua DeMotts
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    Dieses Raumschiff wurde unter absoluter Geheimhaltung entwickelt, kann landen und diverse Güter ins Weltall befördern. Der US-Raumgleiter X-37B, eines der geheimnisvollsten Raumgeräte, über die die USA verfügen, hat seinen eigenen Rekord nach der Flugdauer gebrochen, indem er mehr als zwei Jahre im Weltall verbracht hat.

    Die US-Luftstreitkräfte wollen keine Informationen zu den Zielen des neuen Starts des Raumgleiters veröffentlichen, aber Experten sind überzeugt: Washington verfolgt ausschließlich militärische Ziele. RIA Novosti setzt sich mit dieser Situation in diesem Beitrag auseinander.

    Verdeckte Arbeit

    Die Umsetzung des X-37-Projekts begann im Jahr 1999. Daran beteiligten sich die NASA und der Konzern Boeing. Laut dem Plan sollte der Raumgleiter in einer Höhe von 700 Kilometern eingesetzt werden und sich quasi auf die Reparatur von Satelliten spezialisieren. Aber 2004 erklärte das Pentagon dieses Projekt für streng vertraulich und überließ es der Abteilung für Forschungsprojekte DARPA. Seit dieser Zeit werden kaum noch Informationen zu diesem Thema veröffentlicht.

    Es wurden inzwischen zwei unbemannte Fluggeräte gebaut. Ihre Flügelspannweite beträgt viereinhalb Meter und die Länge etwa neun Meter. Der Raumgleiter kann etwa eine Tonne Güter an Bord nehmen. Ihren ersten Raumflug absolvierte die X-37B im Jahr 2010 und verbrachte mehr als ein halbes Jahr in der Erdumlaufbahn. Dabei wurden die Lenkbarkeit des Raumschiffs, seine Navigationsausrüstung, die Festigkeit der Thermohülle und die automatisierten Bordsysteme geprüft.

    In Washington behauptet man, dass dabei Technologien für die Entwicklung von neuen wiedergewinnbaren Raumgeräten getestet werden. Noch werden an Bord Experimente durchgeführt, deren Ergebnisse nach der Rückkehr des Raumgleiters auf die Erde analysiert werden sollen. Unter anderem erforschen spezielle NASA-Anlagen den Einfluss des Weltraums auf verschiedene Stoffe.

    Die X-37B befindet sich schon zum fünften Mal im Kosmos. Die bisherige Mission wurde im Mai 2017 abgeschlossen und hatte 718 Tage (ein Rekord) gedauert. Vier Mal wurde das Raumschiff mit Trägerraketen Atlas V vom Kap Canaveral gestartet. Übrigens werden die RD-180-Triebwerke für diese Rakete vom russischen Konzern „Energomasch“ hergestellt.

    Träger von Mini-Satelliten

    Zum fünften Mal wurde der Raumgleiter mit einer Rakete Falcon 9 vom Startplatz im Kennedy-Raumforschungszentrum ins All geschickt. Aktuell befindet sich die X-37B seit 719 Tagen im Weltraum und hat damit einen neuen Rekord aufgestellt.

    Normalerweise arbeitet ein unbemanntes Raumschiff etwa 320 bis 400 Kilometer über der Erde. Es manövriert oft und verändert die Flugparameter. Zu den Aufgaben, die die X-37B so lange erfüllen könnte, wurden schon viele Versionen geäußert. Der Direktor des russischen Instituts für Weltraumpolitik, Iwan Moissejew, verwies darauf, dass dieses Raumschiff im Interesse des US-Verteidigungsministeriums entwickelt worden sei und dass es sich dabei um den Träger von kleinen Aufklärungssatelliten handele.

    Der US-Raumgleiter werde „definitiv zu militärischen Zwecken eingesetzt“, zeigte sich der Experte überzeugt. „Ich denke, dieser Apparat trägt kleine Satelliten an Bord, die nur wenige Kilogramm schwer sind. Er bleibt immer einsatzbereit und kann jederzeit die Satelliten starten, falls irgendwo ein Konfliktherd entsteht. Diese Satelliten werden die US-Bodentruppen mit Kommunikation, Navigation und Aufklärungsinformationen versorgen.“

    Vorerst bleibe die X-37B ungefährlich für Russland, weil ihre Flugbahn hauptsächlich über dem Äquator liege, ergänzte Moissejew. „Natürlich kann das Raumgerät seine Flugbahn auch ändern, (…) aber nur, um den nötigen Punkt zu erreichen. Um den Winkel seines Orbits zu wechseln und über Russland zu fliegen, muss der Apparat sehr viel Energie verwenden, die er an Bord gar nicht hat. Allerdings könnte man die X-37B auch so starten, dass sie sich gleich über Russland wiederfinden würde.“

    Säbelrasseln

    Experte Moissejew ist nach seinen Worten überzeugt, dass die X-37B nicht für die Vernichtung von Satelliten bestimmt ist. „Mit solchen Geräten ist es äußerst ungünstig, solche Aufgaben zu erfüllen – es gibt viel effizientere Kampfmittel gegen Satellitengruppierungen.  Daran arbeiteten früher sowohl die USA als auch die Sowjetunion“, betonte er.

    Andere Branchenkenner neigen aber zur Version, dass die Amerikaner an Bord der X-37B Technologien zur Entwicklung von Weltraum-Abfangwaffen testen. Davon, dass dieses Raumschiff unter anderem Waffen tragen könnte, sprach früher auch der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin.

    „Die Amerikaner haben so ein Ding, das X-37 heißt“, sagte er einst in einem TV-Interview. „Das ist eine Raumfähre.  Ihre Ziele kennen wir nicht (…) und bekommen keine offiziellen Erläuterungen dazu. Im Grunde ist das ein Raumgleiter, der sich monatelang im Weltraum befindet, dann auf die Erde zurückkehrt und dann wieder ins All gestartet wird. Dieses Ding kann auch als Waffenträger eingesetzt werden.“

    Rogosin zufolge versteht man in Moskau sehr gut, dass die Amerikaner nie offiziell zugeben würden, dass die X-37B Waffen an Bord nehmen könnte. „Wir werden unsererseits auch jegliche öffentliche Erklärungen vermeiden, aber es ist uns klar, dass das durchaus möglich ist, vielleicht sogar Massenvernichtungswaffen.“

    Dass dieses Projekt militärische Zwecke verfolgen könnte, bestätigte auch die frühere US-Luftwaffenministerin Heather Wilson. Ihr zufolge macht die überdurchschnittliche Manövrierfähigkeit der X-37B andere Länder „verrückt“. Sie könne nämlich „eine eiförmige Flugbahn haben, und wenn sie sich unweit von der Erde befindet, ist das ziemlich nahe zur Atmosphäre, um sich in diesem Moment umzudrehen“, wurde Wilson von der Website military.com zitiert. „Das bedeutet, dass unsere Feinde das nicht wissen, denn alles passiert auf der anderen Seite der Erde. Und wir wissen, dass sie das verrückt macht. Und darüber freue ich mich sehr.“

    Allerdings sind russische Weltraumüberwachungssysteme in der Lage, die Flugbahnen der US-Raumfähren zu verfolgen.

    „Für uns ist das die einfachste Aufgabe, die X-37B zu beobachten“, sagte der Stabschef der 15. Armee der Luft- und Weltraumtruppen, Generalmajor Anatoli Nestetschuk. „Sie ist so groß, dass wir sofort sehen, wenn sie sich nach rechts oder nach links dreht. Nach seinen Worten verfügt Russland nicht nur über Beobachtungs-, sondern auch über Kampfmittel und kann solche Raumgeräte der Amerikaner „bei geringster Gefahr für unsere nationale Sicherheit neutralisieren“.

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    Tags:
    Waffen, Sicherheit, Weltraum, Raumflugzeug X-37B, USA