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02:30 12 November 2019
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    Ein schnellboot der iranischen Revolutionsgarden (Symbolbild)

    US-Marine entwickelt neuste Methoden im Kampf gegen iranische Schwarmboot-Angriffe

    © AP Photo / Hasan Shirvani
    Technik
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    Zwischen dem Iran und den USA gab es zuletzt eine signifikante Eskalation im Persischen Golf. Sogar eine militärische Auseinandersetzung schien nicht ausgeschlossen zu sein. Zugleich besitzt der Iran eine starke Küstenverteidigung. Dagegen scheint nun Washington neue Methoden zu entwickeln.

    Die iranische Küstenverteidigung basiert maßgeblich auf zwei Hauptsäulen. Zum einen sind es moderne Anti-Schiff-Raketen, die sich nur wenige Meter über der Meeresoberfläche bewegen und sogar für Flugzeugträger gefährlich sein können. Wegen ihrer geringen Flughöhe und hohen Geschwindigkeit lassen sich diese nur schwer abfangen.

    Zum anderen ist es eine ganze Armada kleinerer, sehr mobiler, bewaffneter Boote. Der Idee nach sollen sie sich in einer Art Schwarm schnell an unbewegliche Kolosse wie Flugzeugträger heranpirschen, ihre Geschosse abfeuern und wieder verschwinden. Selbst wenn einige der Schnellboote dabei verloren gehen, wäre die Küstenverteidigung immer noch intakt, aber der Angreifer hätte einen deutlich größeren Schaden.

    Ein weiterer Vorteil dieser „Schwarmmethode“ wäre, dass die gegnerischen Radare und Raketenabwehrsysteme durch die hohe Anzahl der angezeigten Ziele überfordert wären. Es wäre einfach kaum möglich, alle Ziele auf einmal im Visier zu halten und gegebenenfalls zu vernichten. Um diesen Effekt noch weiter zu verstärken, könnten an den kleinen Booten elektronische Störvorrichtungen installiert werden.

    Zudem können sich die vielen Angriffsboote dank moderner Netzwerk- und Kommunikationstechnologien in Echtzeit koordinieren, navigieren und so die Effektivität ihrer Angriffe noch weiter steigern.

    „Schwarmangriffe“ gelten daher als äußerst gefährlich und selbst für hoch entwickelte Seestreitkräfte als eine Herausforderung.

    Wie die US-Marine dagegen rüstet

    Wie das US-Portal „The National Interest“ nun berichtet, beschäftigt sich die US-Marine nun verstärkt explizit damit, Verteidigungsszenarien gegen diese Bedrohung zu entwickeln. Brisanterweise schreibt das Portal dabei offen, wofür die US-Strategen dies tun – zur Vorbereitung von neuen Kriegen:

    „Strategen der Marine und des Marine Corps, die jetzt schon für zukünftige Amphibien-Kriegsführung planen, wenden die neuen Konzepte an, wenn es um die Vorbereitung großer amphibischer Angriffe vom Schiff aus  gegen die Küste geht“, so das Portal.

    Als Ergebnis habe die US-Marine zurzeit die sogenannte Surface Warfare Mission Package (SUW) entwickelt. Dabei handele es sich um ein integriertes Waffensystem für die Marine, um kleine Schiffe zu zerstören, die sich mit einer sehr hohen Geschwindigkeit nähern. Die einzelnen Waffen sollen sich innerhalb dieses Systems gegenseitig verstärken und synchron funktionieren.

    Das gesamte System soll dabei schiffsbasierte Raketen, 30- und 57-mm-Kanonen, Schlauchboote, Hubschrauber und Drohnen umfassen, wobei jede einzelne Waffengattung ihre eigene Ziele wählen würde.

    Unbemannte Schiffe – eine besondere Gefahr

    Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass diese Boote auch unbemannt sein können. Da sie dann keine Schutzvorrichtungen für die Besatzung brauchen, könnten sie ihr ganzes Potential in den Angriff stecken.

    In diesem Zusammenhang rüste die US Navy aber nicht nur für Verteidigung dagegen, sondern auch für eigene Angriffsmethoden.

    „Die US-Marine testet und entwickelt bereits eine ‚Geisterflotte‘ unbemannter kleiner Schiffe, um verschiedene Missionen durchzuführen, darunter Aufklärung, Minen- und U-Boot-Erkennung und natürlich präventive Angriffsmissionen – Abfeuern, während bemannte Schiffe in sichereren Entfernungen bleiben“, so das Portal.

    Zugleich muss das „NI“ auch zugeben, dass die US Navy „natürlich nicht mehr die einzige Nation mit technologischer Raffinesse“ sei, um solche Szenarien durchzuspielen.

    Insgesamt ließen sich solche Schwärme von kleineren, möglicherweise unbemannten Schiffen sowohl für den Angriff als auch für die Verteidigung (von Küsten oder auch Schiffverbänden) nutzen.

    „Unbemannte Bootsschwärme könnten ein wirksames Mittel sein, um sich vor einem anderen Bootsschwarm zu schützen: Drohnen gegen Drohnen“, wird hierzu ein Artikel von Irving Lachow, einem Experten auf diesem Gebiet, zitiert.

    Dass als wahrscheinlichster Gegner in diesem Zusammenhang derzeit der Iran in Frage kommt, scheint dem „NI“ jedenfalls klar zu sein. Nicht umsonst hätten Pentagon-Strategen bereits mehrfach ihre Besorgnis darüber geäußert, dass kleinere Schnellboote von den iranischen Streitkräften eingesetzt werden könnten, um den Schiffsverkehr in der engen Straße von Hormus zu stoppen.

    ng/mt

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    Tags:
    Marineschiffe, Kriegsschiffe, Kampfschiffe, Schiffe, Boote, Rüstung, Kriegspläne, Krieg, Iran, Persischer Golf, Straße von Hormus, USA, US-Marine, US-Flotte, US-Armee, US-Navy