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    Das sowjetische VTOL-Kampfflugzeug vom Typ Jak-141 (Archivbild)

    Neustart für die Jak-141: Kann aus dem alten Senkrechtstarter noch etwas werden?

    CC BY-SA 4.0 / Wal Nelowkin / Wikimedia Commons (cropped)
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    Russlands Verteidigungsministerium arbeitet wieder am Konzept eines Kampfjets mit Kurz- und Senkrechtstartfähigkeit für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Können alte Innovationen die Neuentwicklung beschleunigen? Das Portal „Army News“ skizziert das noch weitestgehend geheime Projekt.

    Das russische Verteidigungsministerium plant, einen Kampfjet mit Kurz- oder Senkrechtstartfähigkeit für die russischen Marineflieger bauen zu lassen, erklärte vor zwei Jahren Russlands damaliger Vize-Verteidigungsminister Juri Borissow auf der Luftfahrtausstellung MAKS.

    Seitdem hat das Ministerium das Vorhaben mehrfach bestätigt, ohne allerdings genaue Details zum Profil der neuen Maschine zu nennen. Nur so viel: Der neue Kampfjet soll auf der Grundlage älterer Entwicklungen des Konstruktionsbüros „Jakowlew“ entstehen – als künftiger Ersatz für die Trägerkampfjets MiG-29K und Su-33. Das Vorhaben soll bereits ins staatliche Rüstungsprogramm 2018-2027 eingegangen sein.

    Jak-141 auf dem sowjetischen Flugzeugträger „Tbilisi“ (Symbolbild)
    Jak-141 auf dem sowjetischen Flugzeugträger „Tbilisi“ (Symbolbild)

    „Jakowlew“ war zu späten Sowjetzeiten so etwas wie ein Spezialist für senkrechtstartende und -landende Flugzeuge: der leichte Kampfjet Jak-38 wurde mehr als 200 Mal gebaut, die Jak-141 hätte es fast in die Serie geschafft (ein Prototyp flog jedenfalls und wurde sogar in Farnborough der Weltöffentlichkeit präsentiert).

    Die Jak-141 hatte einige Nachteile, die ohne deutliche Fortschritte in der Flugzeugbautechnik kaum hätten gelöst werden können. Seit dem Erstflug dieser Maschine sind allerdings drei Jahrzehnte technischer Entwicklung vergangen. Es wäre möglich, die Innovationen der Jak-141 mit den Technologien von heute zu verbinden, um einen VTOL-Jet mit gewünschten Eigenschaften zu erhalten.

    Triebwerk, Waffen, Tarnkappe

    Was vor allem wichtig ist: Die Antriebs- und damit auch die Starttechnik des neuen Jets. Das große Hub- und Marschtriebwerk der Jak-141 zeigte bei den Start- und Landetests des Prototyps gute Ergebnisse. Der Motor war mit einer Schwenkdüse ausgestattet, die beim Senkrechtstart und Schwebeflug um 95 Grad nach unten gedreht werden konnte. Eine Schubvektorsteuerung dieser Art wird sicherlich auch bei der künftigen Maschine zum Einsatz kommen. Die Leistungsparameter des Triebwerks sind zu steigern.

    Für den Start aus dem Stand nutzte die Jak-141 neben dem Hauptmotor zwei zusätzliche Hubmotoren, eingebaut im Rumpf hinter dem Cockpit. Diese Hilfsmotoren sind beim Start echte Spritfresser und beim konventionellen Flug unnützer Ballast. Die beiden Hubmotoren durch einen Hochleistungs-Turbofan zu ersetzen, würde eine Gewichtsreduktion um ein Drittel und eine Treibstoffersparnis um fast 40 Prozent bringen.

    Für die Kampfjet-Generation 5+ gehört eine geringe Radarsignatur zum Standard und die künftige Maschine darf keine Ausnahme sein. Dafür muss das Flugzeug auf Jak-141-Basis neue Tragflächen erhalten – aus Verbundwerkstoffen und in spezifischer Tarnkappenform. Der Einsatz neuer Materialien würde entsprechend zur Gewichtsoptimierung der Maschine beitragen: Gerade für einen Senkrechtstarter ein wichtiges Kriterium.

    Und schließlich: Um der Funktion als mehrrollenfähiges Waffensystem gerecht zu werden, ist die Bordelektronik des künftigen Senkrechtstarters entsprechend auszulegen. Die Maschine soll alle modernen Waffen zum Erringen der Lufthoheit und zur Bekämpfung von Boden- und Seezielen mitführen und zielsicher einsetzen können. Neben Flugkörpern sind Lenkbomben in das Bordarsenal aufzunehmen. Zum Erhalten der geringen Radarsignatur ist die Bewaffnung in internen Schächten unterzubringen.

    Die Rüstungsindustrie Russlands verfügt über solide Expertisen in allen Bereichen des Flugzeugbaus. Die Erfahrungen sind enorm, die technischen Kapazitäten zu deren Umsetzung sind noch ausbaufähig. Der Entwicklung und dem Bau eines leistungsstarken VTOL-Jets in Russland steht soweit nichts im Wege.

    Außer vielleicht dem größten Manko eines Senkrechtstarters für den Kampfeinsatz: Dieser Flugzeugtyp bleibt den konventionell startenden und landenden Kampfjets bei wichtigen Parametern – Tempo, Schlagkraft und Reichweite – unterlegen. Eine Entscheidung des russischen Verteidigungsministeriums letztlich gegen die Entwicklung eines neuen Senkrechtstarters ist daher nicht auszuschließen.

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    Tags:
    UdSSR, Sowjetunion, Russland, Flugzeugträger, VTOL, MiG-29K, Su-33, Jak-38M