00:00 18 November 2019
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    Die F-35I – die israelische Version des amerikanischen Kampfjets – soll umfassend mit israelischer Elektronik ausgerüstet werden. Experten mutmaßen, der Umbau könnte dazu führen, dass eine bessere F-35 entsteht als das Original: die F-35A der US Sir Force. Das Portal „Topwar“ berichtet.

    Es ist eine Besonderheit Israels, dass das ziemlich kleine Land mit seinen 8 Millionen Einwohnern über eine eigene und hochentwickelte Luftfahrtindustrie verfügt. Weltbeste Avionik und ausgeklügelte Bordwaffen kommen aus Israel; spezialisierte israelische Betriebe stellen Komponenten für die Kampfjets anderer Länder her.

    Fast hätten es eigene Kampfjetentwicklungen in Israel in die Serienproduktion geschafft (wäre der Widerstand der Vereinigten Staaten nicht gewesen). Der überwiegende Großteil der israelischen Luftwaffenflotte stammt bisher aus den USA: F-16, F-15, jetzt auch die F-35 – sämtliche Kampfjets werden mit der Hard- und Software aus israelischer Fertigung ausgerüstet.

    Amerikanische Stealth-Kampfjets vom Typ F-35 und F-22 bei einem Flug über dem Hudson River
    © REUTERS / Sgt Ashley Keates / MoD Crown Copyright 2019 / Handout
    Zum einen unterstützt das kleine, aber mächtige Land dadurch seine Luftfahrtindustrie. Man kann das auch als Exportförderung bezeichnen, denn 80 Prozent aller bei den israelischen Luftfahrtkonzernen hergestellten Systeme werden von ausländischen Kunden gekauft. Aber es ist auch eine Förderung des Technologiestandorts Israel: Durch den Einbau eigener Elektronik in die importierten US-Jets kann die Technik unmittelbar in echtem Einsatz erprobt und weiterentwickelt werden.

    Nicht zuletzt geht es auch um Souveränitätssicherung: Die Verantwortlichen in Israel wissen zu gut um die Abhängigkeit ihrer Streitkräfte von den USA und versuchen die Verzahnung mit der US-Rüstungsindustrie auf das Nötige zu beschränken. Dass die Vereinigten Staaten bereits zugesagte Waffenlieferungen unvermittelt einstellen oder aussetzen können, haben sie mehrfach schon gezeigt.

    Extras für die Israelis

    Was Israel bei Verhandlungen über Waffenlieferungen mit Washington ausspielen kann, ist seine strategische Bedeutung im Nahen Osten, als Amerikas wichtigster Verbündeter in der Region. Gefälligkeiten für die Israelis gehören bei Waffenbeschaffungen aus den USA daher inzwischen zum Standard.

    Bei der F-35 heißt das: Israelische Rüstungskonzerne integrieren eigene Elektronik in die amerikanischen Kampfjets und übernehmen die Wartung der Maschinen im kompletten Lebenszyklus. Kein anderes Land der Welt, das die F-35 kauft, darf sich über solche „Extras“ freuen.

    F-35 – ausgebaut in Israel

    Die ersten F-35-Lots, die an Israel ausgeliefert werden, unterscheiden sich praktisch gar nicht vom Original: von der F-35A der US Air Force. Es sollen aber immer mehr Maschinen mit israelischer Bordtechnik ausgerüstet werden. Erste Kampfjets mit israelischer Elektronik sollen 2020 den Luftstreitkräften übergeben werden.

    Die F-35I erhält Störsender zur elektronischen Kampfführung, integriert in den Rumpf und die Tragflächen des Kampfjets – gemeinschaftlich hergestellt von den Firmen Elbit Systems und IAI. Die elektronischen Elemente sind dazu gedacht, die Radarfestigkeit der F-35 zu verbessern. Denn spätestens in 15 Jahren gehören „Anti-Stealth-Radare“, die auch die F-35 erfassen können, zum militärtechnischen Standard.

    Ferner gehört ein automatisiertes Steuerungssystem nach C4-Prinzip – Command, Control, Communications und Computers – zur Ausstattung. Die Bordsysteme der F-35 sind als offene Architektur ausgelegt: Neue Systemkomponenten können ohne Eingriffe in die Bauweise des Kampfjets in das Gesamtsystem integriert werden. „Die israelische Luftwaffe erhält die Möglichkeit, neue Anwendungen relativ unabhängig vom Flugzeughersteller zu nutzen“, erklärt der IAI-Konzern laut dem Portal.

    Die eigentlichen Codes für die werkseitig in den USA installierten Systeme der F-35 bekommt Israel nicht. Lockheed Martin liefert lediglich eine spezielle Anwenderoberfläche, über die die israelischen Hersteller ihre Software in das Flugzeug integrieren können.

    Selbstverständlich erhalten die israelischen F-35 israelische Waffen. Der Rafael-Konzern liefert Luft-Luft-Raketen „Python-5“ und Lenkbomben „Spice-1000“ mit optronischer Zielführung und einer Reichweite von 100 Kilometern.

    Außerdem: Gemeinsam mit Lockheed Martin entwickeln israelische Flugzeugbauer spezielle, sog. konforme Treibstofftanks, mit je 2.700 Litern Fassungsvermögen. Die Behälter passen sich in die Form des Kampfjets ein, ohne dessen Tarnkappenfähigkeit zu beeinträchtigen.

    Keine F-35B für Israel?

    Einigen Medienberichten zufolge soll die israelische Luftwaffe auch die B-Version der F-35 erhalten – den Kampfjet mit Kurzstart- und Senkrechtlandefähigkeit (STOVL). Die Maschinen können auch von beschädigten oder besonders kurzen Anlaufflächen starten.

    Andere Militärexperten halten indes dagegen, dass die F-35B gerade wegen der STOVL-Fähigkeit eine deutlich geringere Reichweite als die A- und C-Version aufweist – mit entsprechenden Einschränkungen beim Kampfwert. Dieser Nachteil verringere die Wahrscheinlichkeit, dass Israel die F-35B beschaffe.

    Ähnlich fraglich ist auch, ob Israel eine zweisitzige Variante der F-35 bauen wird. Der Einsatz zweier Piloten würde dem Grundkonzept der F-35 zuwiderlaufen: der größtmöglichen Automatisierung der Abläufe.

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    Tags:
    Verbesserung, Entwicklung, F-35I, USA, Israel