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06:08 24 Oktober 2019
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    SR-71 Blackbird (unten) und Drohne D-21 (Archiv)

    1969: Spionagedrohne aus den USA verirrt sich zu den Sowjets

    © Foto: CIA
    Technik
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    Unvermittelt landete im November 1969 ein amerikanisches Fluggerät auf sowjetischem Boden. Wissenschaftler und Ingenieure vom Weltraumbahnhof Baikonur müssen sich sehr gefreut haben. Die Zeitung „Rossijskaja gaseta“ berichtet.

    Wie der legendäre Höhenaufklärer SR-71 „Blackbird“ sah das mysteriöse Flugobjekt aus. Nur war es kleiner, gerademal drei Meter lang. Es war wie die SR-71 bei Lockheed Martin entwickelt worden – und diente dem gleichen Zweck: Spionage aus extremen Höhen. D-21 hieß die „Mini-Blackbird“, eine Spionagedrohne.

    Die SR-71 wurde von einem Piloten gesteuert, die D-21 flog unbemannt. Die „Blackbird“ kehrte nach erledigtem Auftrag zur Heimbasis zurück, die Drohne nicht. Die D-21 warf das gesammelte Erkundungsmaterial in einer Spezialbox ab und löste im Normallfall den Selbstzerstörungsmechanismus aus.

    Aber gleich beim ersten Einsatz der D-21 muss etwas schiefgegangen sein: Die Drohne flog, von einer umgebauten SR-71 abgesetzt, über China, fotografierte eine Atomanlage unweit des Salzsees Lop Nor und setzte dann ihren Flug fort, statt umzudrehen und die Aufnahmen in einer Kassette abzuwerfen. Schließlich landete der fliegende Spion mit fast leerem Treibstofftank unweit des Weltraumbahnhofs Baikonur.

    Sowjetische Ingenieure nahmen das Gerät unter die Lupe. Eine kompakte Maschine mit modernster Steuerungs- und Spionagetechnik, dazu noch hitzeresistent, um die Reibungshitze beim extremen Überschallflug aushalten zu können – klar war die Drohne interessant.

    Im März 1971 beauftragte der Ministerrat der UdSSR die Flugzeugkonstrukteure der Sowjetunion, ein vergleichbares Fluggerät zu bauen. Das Projekt erhielt den Codenamen „Woron“ („Rabe“). Der Überschallbomber Tu-160 sollte die Trägerplattform dafür werden.

    Doch die hochtechnologische sowjetische Drohne fiel dem Fortschritt zum Opfer, wie ihre amerikanische Patin. Militärsatelliten machten Aufklärung aus großen Höhen überflüssig: „Woron“ wurde nie gebaut, und die zwei Dutzend fertig gebauten D-21 landeten letztlich auf dem Flugzeugfriedhof, auf der Davis-Monthan Air Force Base.

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    Tags:
    Bau, Drohne, Kalter Krieg, USA, UdSSR