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03:31 24 Oktober 2019
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    Der künftige britische Kampfjet Tempest in der Ausstellung der Farnborough Airshow (Archivbild)

    Kampfjet „Tempest“: Wird ein „Eurofighter 2.0“ aus dem Projekt?

    © AFP 2019 / TOLGA AKMEN
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    Über 60 Milliarden Dollar könnte die Entwicklung der „Tempest“ kosten. Damit wäre der künftige britische Kampfjet teurer als das amerikanische F-35-Programm. Und dann wird sich die „Tempest“ im harten Wettbewerb auf einem ohnehin umkämpften Markt bewähren müssen. Das Portal „army-news“ berichtet.

    Letztes Jahr im Juli haben die Briten eine Rohfassung ihres Kampfjets der nächsten Generation präsentiert: ein Mockup, das in Form und Auslegung an die F-22 erinnert, zeigte den Besuchern der Luftfahrtmesse Farnborough, wie die Entwickler sich den künftigen Kampfjet vorstellen.

    Der Preis der Neuentwicklung könnte bei über 60 Milliarden Dollar liegen, schreibt das Portal – 10 Milliarden mehr, als die Amerikaner für die Entwicklung der F-35 ausgaben. Aber durch solche Unsummen lassen sich die Verantwortlichen in Großbritannien vom Vorhaben eines eigenen Kampfjets der 5. bis 6. Generation offensichtlich nicht abbringen. Mehr noch: Das „Tempest“-Programm scheint richtig Fahrt aufzunehmen.

    Im Juli dieses Jahres ist bekannt geworden, Schweden wolle sich dem Projekt anschließen. Das schwedische Programm „Flygsystem 2020“ (Entwicklung eines Kampfjets der 5. Generation) dürfte damit der Vergangenheit angehören: gut möglich, dass ein kleines Land mit gerademal zehn Millionen Einwohnen sich ein derart ambitioniertes Rüstungsprojekt einfach nicht leisten kann.

    Das Management des britischen Rüstungskonzerns BAE erklärte, die Verhandlungen mit den Schweden seien weit fortgeschritten. Die Schweden selbst äußerten sich indes verhaltener: Noch sei die Zusammenarbeit nicht beschlossen. „Wenn es ein Kooperationsabkommen zwischen den Verteidigungsministerien gäbe, hätten wir es natürlich bekanntgegeben“, sagte ein Sprecher des schwedischen Verteidigungsministeriums laut dem Portal.

    Dafür haben die britische Firma Aeralis Ltd. und der französische Konzern Thales ein MoU unterzeichnet. Damit haben die beiden Systemspezialisten ihre Absicht bekräftigt, gemeinsam an der Entwicklung eines Simulators innerhalb des „Tempest“-Programms zu arbeiten. Das heißt: Gemeinsame Entwicklung einer Architektur für ein Informationssystem, in dem alle Daten über die Schulung von Piloten, die Nutzung von Kampfjets und die Anwendung von Software gebündelt werden.

    Dann, vor wenigen Tagen ein echter Erfolg für das „Tempest“-Programm: Italien hat auf der Luftfahrtausstellung DSEI-2019 erklärt, sich dem Vorhaben anzuschließen. Der italienische Technikkonzern Leonardo werde sich am Projekt beteiligen.

    „Das ist ein überaus positives Ergebnis, erzielt durch effektives und präzises Hinarbeiten. Ein weiterer Beleg für das große Potenzial der italienischen Rüstungsindustrie“, sagte der italienische Verteidigungsminister Lorenzo Guerini.

    Neben den beiden Großen – BAE und Leonardo – sind noch Rolls-Royce und MBDA am „Tempest“ beteiligt.

    Parallel dazu arbeiten Deutschland und Frankreich auf einen eigenen „Kampfjet der Zukunft“ hin. Im FCAS-Programm soll ein Multifunktionsjäger der nächsten Generation entstehen – Kernstück eines Verbunds aus unbemannten Fluggeräten, neuen Waffen und Systemen. Ein Mockup dieses „Next Generation Fighters“ ist ebenfalls letztes Jahr gezeigt worden, auf der Luftfahrtmesse Le Bourget.

    Das alles ergibt eine interessante Konstellation. Sind die beiden Kampfjet-Programme erstmal verwirklicht, kämpfen um den europäischen Kampfjetmarkt ganze drei Maschinen: die deutsch-französische „FCAS“, die britisch-italienische „Tempest“ und die amerikanische F-35. Wer vom Fach ist, hat indes längst erkannt, dass eine Fusion der beiden europäischen Programm zu einem „Eurofighter 2.0“ angebracht wäre. Oder die Briten geben ihre „Tempest“ still und leise auf – und kaufen stattdessen die F-35 der Amerikaner. Welchen Ausgang das Rüstungsvorhaben nimmt, hängt maßgeblich auch davon ab, wie entschlossen die Briten sind, die EU zu verlassen. 

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    Tags:
    BAE Systems, Frankreich, Deutschland, Schweden, Italien, Großbritannien, EU, Kampfjet, F-22, F-35, Luftkampfsystem der Zukunft (FCAS), FCAS, Tempest