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05:50 22 Oktober 2019
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    Ein Kampfjet vom Typ Lockheed Martin F-35 Lightning II über der Payerne Air Base

    F-35 Kampfjet als Pflicht: Warum ein weiteres Land zum Kauf vom neusten US-Fighter „gezwungen” ist

    © AFP 2019 / FABRICE COFFRINI
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    Der amerikanische Kampfjet der F-35 ist teuer und hat immer noch mit zahlreichen Mängeln zu kämpfen. Dennoch wird er von immer mehr Staaten eingekauft. Eines dieser Länder dürfte demnächst auch Kanada werden. Laut dem US-Portal „National Interest“ hat das Land möglicherweise einfach keine andere Wahl.

    Kanada braucht einen neuen Kampfjet, um damit seinen 35 Jahre alten CF-18-Jäger zu ersetzen. Doch eine echte Auswahl hat das Land nicht.

    Im August zogen sich das britische Verteidigungsministerium und der europäische Hersteller Airbus mit ihrem Eurofighter aus dem Wettbewerb zurück.

    Zuvor schmiss bereits Frankreichs Dassault Rafale das Handtuch.

    Damit bleiben nur drei Konkurrenten übrig: Lockheed Martins F-35, Boeings F/A-18 Super Hornet und der schwedische Hersteller Saab's Gripen.

    Der Gewinner der Ausschreibung würde im Jahr 2022 einen Vertrag für 88 Jets im Wert von 15 Milliarden US-Dollar erhalten.

    Dass die F-35 hier dar Favorit ist, dürfte kaum angezweifelt werden – auch wegen äußerst positiver Rahmenbedingungen für den US-Jet.

    So sind kanadische Unternehmen bereits jetzt massiv am Bau des Stealth-Fighters beteiligt. Nach Schätzung von David Pugliese, der sich mit der kanadischen Ausschreibung für neue Jets beschäftigt und vom „National Interest“ zitiert wird, dürften bereits 1,3 Milliarden US-Dollar durch die Beteiligung am F-35-Programm in kanadische Unternehmen geflossen sein.

    Kanada hätte also knallharte wirtschaftliche Vorteile, sich eben für die F-35 zu entscheiden und nicht etwa für europäische Konkurrenten.

    An die F-35 angepasste Rahmenbedingungen

    Allerdings führten auch politische Entscheidungen dazu, dass für Kanada im Prinzip nur noch die F-35 in Frage kam. Von Verantwortlichen wurde nämlich früh genug die Anforderung ausgeschrieben, dass die neuen Kampfjets in das gemeinsame amerikanisch-kanadische Luftverteidigungssystem integriert werden sollen. Damit wären europäische Konkurrenten schon mal nahezu automatisch raus.

    Laut „NI“ haben sich selbst kanadische Medien darüber lustig gemacht, wie etwa der europäische Hersteller „einen Eurofighter Typhoon in das US-kanadische System integrieren soll, ohne dabei die vollständigen technischen Details des Systems zu kennen“.

    Aber offensichtlich hat auch Boeing mit seinem Super Hornet erhebliche Probleme mit den kanadischen Anforderungen.

    Amerikanische Stealth-Kampfjets vom Typ F-35 und F-22 bei einem Flug über dem Hudson River
    © REUTERS / Sgt Ashley Keates / MoD Crown Copyright 2019 / Handout

    Erst im Juli hatte Reuters berichtet, dass der Verteidigungsgigant möglicherweise aus dem Kämpferwettbewerb ausscheidet.

    Boeing und die europäischen Hersteller „haben sich bereits über die Art und Weise, wie der Wettbewerb durchgeführt wird, beschwert und ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass einige der Spezifikationen dem US-Unternehmen eindeutig zugutekommen, wie Branchenkenner in den letzten Wochen sagten“, so Reuters damals.

    Freiwillige Entscheidung oder doch US-Druck?

    Zu fragen bleibt, ob nun Kanada solch eine Politik tatsächlich selbst will, oder ob doch ein gewisser US-Druck dahinter steht. Gewisse Spannungen zwischen Ottawa und der US-Regierung bezüglich verschiedener Rüstungsprojekte sind nicht neu. Immer wieder fordert Washington von seinem nördlichen Nachbarn, ausschließlich amerikanische Rüstung zu kaufen – und immer wieder muss sich Kanada dem widersetzen, manchmal mit Erfolg.

    So hat sich Kanada bereits gegen US-Willen durchgesetzt und ausgerechnet deutsche Leopard-Panzer gekauft statt amerikanische Kampffahrzeuge.

    „Fakt ist dennoch, dass die F-35 in den nächsten Jahrzehnten das dominierende Kampfflugzeug des Westens sein wird“, schreibt hierzu der „NI“.

    Nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern mehr als 15 Nationen, darunter wichtige Nato-Verbündete wie Großbritannien, Italien, Belgien und die Niederlande sowie Japan, Australien und Israel nutzen diese Jets bereits.

    Angesichts des enormen Engagements, das die US-Regierung in die F-35 gesetzt hat, sowie der Politik von „Zuckerbrot und Peitsche“ für die Verbündeten, dürfte Kanada in dem Fall kaum Möglichkeiten haben, einem teuren F-35-Deal zu entgehen.

    Dass die Konkurrenten der F-35 nun einer nach dem anderen aus dem Wettbewerb abspringen, dürfte der Entscheidung den letzten Stoß geben.

    ng/mt

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    Tags:
    USA, Kanada, Eurofighter Typhoon, F/A-18E Super Hornet, Jäger F/A-18E/F Super Hornet, F-35, F-35B, F-35A, F-35 Joint Strike Fighter (JSF), F-35-Kampfjet, Jagdbomber F-35C (Lockheed Martin), Kampfflugzeug Lockheed Martin F-35 Lightning II