10:58 07 Dezember 2019
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    Projekte der russischen Kampfdrohne „Ochotnik“ und des Kampfjets Su-57 (auf dem Hintergrund) bei der Messe MAKS-2019

    Kampfjet Su-57 und Drohne „Ochotnik“: Wie bemannte und unbemannte Flugsysteme kooperieren werden

    © Sputnik / Ewgenij Bijatow
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    Ein Zukunftsthema wird Wirklichkeit: Die Drohne S-70 und der Kampfjet Su-57 des russischen Suchoi-Konzerns zeigen im Doppel, wie bemannte und unbemannte Flugsysteme als Einsatzteam operieren können. Ein Ausblick auf die 6. Kampfjet-Generation.

    Es sei ein Zeichen, dass Russland auf Einsätze der nächsten Generation vorbereitet sei, schreibt das amerikanische „Military Watch Magazine“ über einen Flug der russischen Kampfdrohne „Ochotnik“ im Tandem mit dem schweren Kampfjet Su-57.

    Das russische Verteidigungsministerium zeigte ein Video des Testflugs über einem russischen Militärflugplatz vor rund einer Woche und erklärte: Das „Führungsflugzeug“ und die Drohne seien im Verbund eingesetzt worden, „um den Radarerfassungsbereich der Su-57 zu erweitern“, sodass der Kampfjet das Zielobjekt erfassen und seine Langstreckenwaffen einsetzen könne, ohne sich der gegnerischen Flugabwehr auszusetzen.

    Bisher waren es nur die Amerikaner, die derlei Einsatztaktiken testeten, schreibt die Zeitung „Iswestija“. Seit 2016 sind einige Kampfhubschrauber AH-64E dazu befähigt, einen Einsatztrupp mit bis zu zwei Aufklärungsdrohnen zu bilden.

    Ein Helikopter vernetzt sich mit den Fluggeräten „Army Shadow“ oder „Grey Eagle“, um Videoaufnahmen in Echtzeit zu empfangen. Der Waffensystemoffizier des Kampfhubschraubers erhält somit Lagebilder im Umkreis von bis zu 120 Kilometer und kann bewegliche Ziele verfolgen, bis der Hubschrauber im Einsatzgebiet eintrifft. Auch ist die unmittelbare Kontrolle der Drohne vom Hubschrauber aus möglich.

    Fachkreise bezeichnen solche Einsätze als Manned-Unmanned Teaming (MUM-T): Teambildung von bemanntem und unbemanntem Gerät. Das Hauptproblem dieser Taktik ist laut dem US-Militär die steigende Belastung der Hubschrauberbesatzung. Von einer Anwendung des MUM-T in echten Einsatzlagen ist bisher denn auch nichts zu hören.

    Eine umso größere Herausforderung muss es sein, eine strahlgetriebene Drohne vom einsitzigen Cockpit eines Kampfjets aus zu kontrollieren. Das Flugzeug und die Drohne synchron zu steuern und parallel die Informationsüberlegenheit auf dem Gefechtsfeld zu bewahren, ist einem einzigen Kampfpiloten nicht zuzumuten.

    Folglich ist die Taktik ohne tiefe Automatisierung und KI-Unterstützung nicht umsetzbar: Routineaufgaben – Start, Verbandbildung mit dem Führungsflugzeug und Landung – muss die Drohne autonom erledigen können. Der Mensch greift nur in kritischen Situationen ein, bei der Zielauswahl und dem Feuerbefehl.

    Ein Tandem aus Drohne und Kampfjet kann dafür genutzt werden, auf Zielobjekte aus großer Distanz einzuwirken, schreibt das Fachportal „The Drive“. Die Drohne erfasst die Ziele in der Luft und am Boden – die Su-57 bekämpft sie, ohne in den Wirkungsbereich der gegnerischen Flugabwehr zu gelangen: „Eine wertvolle Möglichkeit, wenn man die geringere Tarnkappenfähigkeit der Su-57 im Vergleich mit der S-70 bedenkt“.

    Weil die „Ochotnik“ Informationen in Echtzeit übermittelt, erhält die Su-57 ein „dynamisches Lagebild“, schreibt das Portal „The National Interest“ über die russische MUM-T-Taktik: „Der Kampfjet erhält Zielkoordinaten von der Drohne und setzt seine Abstandswaffen jenseits des gegnerisch kontrollierten Luftraums ein.“

    Der wichtigste Datenkanal für mittlere und größere Drohnen ist gegenwärtig die Satellitenkommunikation. Dies ermöglicht, zumindest hypothetisch, den Einsatz der Drohne in jeder Weltregion, eingeschränkt allein durch den Treibstoffvorrat des Fluggeräts.

    Auch die „Ochotnik“ wird sicherlich via Satellit gesteuert, an der Möglichkeit einer Direktverbindung mit anderen Flugsystemen der russischen Luftwaffe wird laut Berichten allerdings gearbeitet. Durch die unmittelbare Vernetzung würde der Kampfverband von Drohne und Flugzeug taktisch erheblich flexibler.

    Die wichtigsten Anwendungsbereiche der MUM-T-Taktik sind Einsatzlagen, die für Menschen hochriskant sind (ein (ähnliches Einsatzszenario wurde beim ersten Tandemflug der S-70 und der Su-57 erprobt). Zum Beispiel: Das Aufbrechen der gegnerischen Flugabwehr, bevor bemannte Kampfjets in das Einsatzgebiet hineinfliegen können. Oder die Aufklärung von Wertzielen, die unter derart starkem Schutz stehen, dass selbst Stealth-Bomber hohen Risiken ausgesetzt wären. Ein Pool von mehreren Drohnen kann dabei deutlich größere Bereiche überwachen.

    Ein wichtiger Vorteil der „Ochotnik“ ist deren hohe Waffenlast bei großer Reichweite. Folglich kann durch einen MUM-T-Verband die Schlagkraft einer Su-57 deutlich gesteigert werden. Vorstellbar wäre, die Abstandswaffen des Kampfjets auf die Drohne auszulagern, um die Waffenzuladung der Führungsmaschine auf Luft-Luft-Raketen zum Selbst- und Drohnenschutz zu beschränken – ein deutliches Plus an Überlebensfähigkeit für den gesamten Verband.

    Die Tests dieser Taktik haben in Russland gerade erst begonnen. Jahre sind einzuplanen, bis die „Ochotnik“ die Einsatzreife erreicht. Die Entwicklung der Software für unbemannte Flugsysteme kann mindestens genauso lange dauern, wie die Entstehung des Fluggeräts.

    Aber dass die Tests bereits angelaufen sind, ist an sich schon ein gutes Signal: Damit zeigt Russland, Fortschritte bei der Zukunftstechnologie „Autonome Kampftechnik“ erreicht zu haben. Und die Erfolge bauen nicht auf altem Sowjeterbe auf, sondern sind das Ergebnis selbstständiger Entwicklung.

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    Tags:
    Einsatz, künstliche Intelligenz, Su-57, Ochotnik, Taktik, Drohne, Russland