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21:08 16 Oktober 2019
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    Chinas Drohne Wing Loong II (Archiv)

    Drohnen-Technik: China gelingt Aufholjagd zu „Predator“ und „Reaper“

    © AFP 2019 / KARIM SAHIB
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    Chinesische Nachrichtendienste hatten sehr genau beobachtet, wie die Vereinigten Staaten ihre ferngesteuerten Flugsysteme in Afghanistan und dem Nahen Osten einsetzten. Die Folge davon war ein Rüstungsprogramm zur Entwicklung ähnlicher Drohnen wie die „Predator“ und „Reaper“ der US Air Force. Eine Übersicht vom Fachportal „Army News“.

    Seit die USA erstmals Kampfdrohnen in lokalen Konflikten eingesetzt haben, tut China alles dafür, den technologischen Rückstand bei unbemannten Flugsystemen aufzuholen. In beeindruckendem Tempo entwickeln chinesische Luftfahrtkonzerne immer neue UAVs.

    Im Auftrag des chinesischen Verteidigungsministeriums begann die China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) Anfang der 2000er Jahre mit der Entwicklung der Mehrzweckdrohne CH-4 in zwei Versionen: für die Aufklärung (CH-4A) und für den Erdkampf (CH-4B). Der Konzern hatte vorher bereits unbemannte Flugvehikel des Typs CH-1, -2 und -3 entwickelt.

    Angetrieben werden beide Varianten der CH-4 von einem Kolbenmotor mit angekoppeltem Schubpropeller. Es handelt sich um relativ große Fluggeräte mit 18 m Spannweite bei 9 m Länge. Bei einem Abfluggewicht von 1300 kg fliegt das Luftfahrzeug mit max. 230 km/h auf eine Distanz von 3000 km. Die Flugdauer beträgt bis zu 30 Stunden.

    Zur Lageaufklärung und Zielortung verfügt die CH-4 über einen unter dem Rumpf angebrachten optronischen Behälter mit lasergestütztem Entfernungsmesser und Zielgerät. Die Kampfdrohne CH-4B kann an vier Aufhängepunkten unter den Tragflächen Lenkwaffen aufnehmen.

    Seit 2014 wird die CH-4 zum Stückpreis von 4 Mio. Dollar exportiert. Unter anderem haben bereits Irak, Pakistan, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien die chinesische Drohne gekauft. 2018 berichtete die Zeitung „South China Morning Post“, die CASC habe insgesamt 30 Exemplare der Kampfdrohne CH-4B exportiert. Der Gesamtwert der Paketverträge belief sich demnach auf 700 Mio. Dollar.

    Laut dem Hersteller haben die verkauften Fluggeräte über 1000 Einsätze absolviert. Die durchschnittliche Einsatzdauer betrug jeweils 10 Stunden. Dabei feuerten die Drohnen über 400 Raketen ab. Im August 2018 wurde berichtet, die Huthi-Milizen hätten im Kampf gegen die Jemen-Koalition eine saudische CH-4B abgeschossen.

    Der größte Nachteil der CH-4-Serie ist das Fehlen eines Satellitenlinks: die Steuerung und der Datentransfer erfolgen per Funk, was den Aktionsradius des Fluggeräts einschränkt. Auch die Flughöhe und -geschwindigkeit sind relativ begrenzt, wegen des leistungsschwachen Kolbenmotors.

    Aber: Im März 2018 wurde berichtet, die China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) habe die Tests einer weiteren CH-4-Version aufgenommen. Die CH-4C verfüge über einen leistungsgesteigerten Motor, ein optimiertes Erkundungs- und Zielsystem sowie ein Seitensichtradar. Die Tragflächen seien verstärkt worden, weshalb nun die Aufnahme schwererer Waffen unter den Flügeln möglich sei. Die CH-4C könne über Satelliten gesteuert werden, was sich positiv auf die Reichweite der Drohne auswirke.

    Schon eineinhalb Jahre vorher hatte die CASC auf der Luftfahrtausstellung in Zhuhai die Kampf- und Aufklärungsdrohne CH-5 präsentiert – das chinesische Gegenstück zur amerikanischen MQ-9 „Reaper“.

    Mit 21 m Spannweite und 11 m Länge ist die CH-5 größer und mit 3300 kg Abfluggewicht deutlich schwerer als die CH-4. Die Zuladung beträgt 1200 kg. Von einem 300-PS-starken Kolbenmotor angetrieben, fliegt die CH-5 max. 310 km/h schnell in 7000 m Einsatzgipfelhöhe. Über 36 Stunden kann das Fluggerät in der Luft bleiben. Wird es von einer Bodenstation aus gesteuert beträgt die Reichweite max. 250 km. Durch Satellitensteuerung erhöht sich der Aktionsradius auf 2000 km.

    Das in Zhuhai ausgestellte CH-5-Modell trug 16 Panzerabwehrwaffen des Typs AR-1 und -2. Insgesamt kann die Drohne an sechs Aufhängepunkten 24 solcher Raketen aufnehmen. Die AR-2 wiegt 20 kg, zusammen mit einem 5-kg-schweren Gefechtskopf. Die Reichweite der Rakete beträgt 8 km.

    Laut chinesischen Quellen ist die CH-5 bereits in Dienst gestellt worden. Die Exportvariante ist mit 11 Mio. Dollar rund 6 Mio. günstiger als die amerikanische „Reaper“. Allerdings fällt das chinesische Fluggerät wegen des Kolbentriebwerks bei der Geschwindigkeit und Einsatzhöhe hinter die US-Drohne zurück.

    Ein anderer Drohnenhersteller aus China ist die Firma AVIC. Ihr Erzeugnis: die „Wing Loong“, in der Exportausführung auch „Pterodactyl“. Westliche Fachleute sehen darin eine Kopie der amerikanischen „Predator“. Der Hersteller erklärt jedoch, es handele sich um eine Eigenentwicklung.

    Die Tragflächen der „Wing Loong“ sind mittig am Rumpf angeordnet. Das V-förmige Leitwerk ist (im Unterschied zur „Predator“) nach oben geöffnet. Betankt und beladen wiegt die 14-m-lange Drohne 1100 kg. An den 100-PS-starken Heckmotor ist ein dreiblättriger Schubpropeller angekoppelt. Damit erreicht das Fluggerät eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h in max. 5000 m Höhe. Die Drohne kann 120 kg Waffen aufnehmen. Im Bug ist unterhalb des Rumpfs ein optronischer Behälter zur Zielortung und -erfassung angeordnet.

    Der Stückpreis der Exportversion „Pterodactyl“ beträgt 1 Mio. Dollar. Bis Ende 2018 sollen offiziellen Angaben zufolge bereits 100 Exemplare ins Ausland verkauft worden sein: unter anderem an Ägypten, Indonesien, Kasachstan, Serbien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

    2016 wurde auf der Airshow China die „Wing Loong II“ vorgestellt – eine größere und schwerere Variante der „Wing Loong I“ mit längerer Flugdauer. Die Drohne fliegt bis zu 370 km/h schnell in max. 9000 m Höhe. Nach offiziellen Angaben ist die Zelle aerodynamisch optimiert, die Tragflächen und die Bordsysteme sind überarbeitet worden. Angetrieben wird die Drohne von einer Propellerturbine.

    Demnach verfügt die „Wing Loong II“ über ein breiteres Spektrum an optronischen und funktechnischen Geräten. Die Zuladung ist auf 480 kg erhöht worden: An sechs Aufhängepunkten unter den Flügeln können unter anderem lasergesteuerte Lenkbomben GB3 aufgenommen werden.

    2017 schloss Saudi-Arabien einen 10 Mrd. Dollar-Vertrag mit AVIC, um 300 Exemplare der „Wing Loong II“ in eigener Produktion zu fertigen. Pakistan plant, 48 Exemplare dieser Drohne in einer Gemeinschaftsproduktion mit AVIC zu bauen. Insgesamt hat China in den Jahren 2008 bis 2018 laut einer SIPRI-Statistik 163 mittelschwere Mehrzweckdrohnen an 13 Länder geliefert. Die Vereinigten Staaten haben im selben Zeitraum 15 Exemplare ihrer MQ-9 „Reaper“ exportiert. 

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    Tags:
    Entwicklung, Drohne, Reaper, MQ-1 Predator, USA, China