01:21 11 Dezember 2019
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    Der US-Überschallbomber B-1B (Archivbild)

    Fit für Hyperschall? B-1B-Bomber erhält lebensverlängernde Maßnahme

    © Foto : U.S. Air Force / Greg L. Davis
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    Der Überschallbomber B-1B soll fit gemacht werden für mehr Waffenzuladung: mehr Bomben, mehr Raketen. Das Wichtigste aber: Die Maschine soll nach einem Update Hyperschallwaffen tragen können, auf einer Trommel im Waffenschacht. Das bringt ein paar Dienstjahre mehr für den Bomber mit einer ohnehin schwierigen Geschichte.

    Die Ingenieure wollten alles an Spitzentechnologien in den neuen Bomber stecken, was es Mitte der 1960er Jahre gab, als die Entwicklung der B-1 angefangen hatte. Ein richtiger Bahnbrecher ist mit dem Überschallbomber aber nicht gelungen, vielmehr eine Übergangslösung zwischen der B-52 „Stratofortress“ und der B-2 „Spirit“.

    Pech hatte die B-1 von Anfang an: Nachdem erste Vorserienmaschinen hergestellt waren, wurde die Produktion eingestellt, weil die Entwicklung von Marschflugkörpern und ballistischen Raketen vorgezogen wurde. Erst Mitte der 1980er Jahre bekam die B-1 „Lancer“ mit der Indienststellung bei der US Air Force ihre zweite Chance.

    Die USAF übernahm die Maschine für gänzlich andere Zwecke als ursprünglich vorgesehen. Statt auf strategischer Mission Atomwaffen aus großer Höhe einzusetzen, sollte die B-1B nun mit konventionellen Waffen taktisch operieren, zum Überwinden der gegnerischen Flugabwehr bei hohem Tempo in niedrigen Einsatzhöhen (aus diesem Grund verschießt die B-1B die IR-Täuschkörper nach unten, statt nach oben).

    Die B-1B „Lancer“ ist gegenwärtig das einzige Kampfflugzeug der US Air Force mit Schwenkflügeln. Bei der Auslegung des Bombers haben die Entwickler auch auf Tarnkappenfähigkeit geachtet: Eine radarabsorbierende Beschichtung und die spezielle Form der Triebwerksgondeln reduzieren die Radarsignatur, die deutlich geringer ist im Vergleich zur B-52.

    Das einzige vergleichbare Gegenstück zur amerikanischen B-1B ist die russische Tu-160. Beide entstanden zur gleichen Zeit für gleiche Ziele: Atomwaffen schnell und tief im gegnerischen Gebiet abzusetzen.

    Beide Maschinen gleichen sich äußerlich, wobei der US-Bomber technisch hinterherhinkt. Die B-1B beschleunigt auf max. 1,25 Mach bei maximal 216 Tonnen Abfluggewicht, die Tu-160 auf 2,05 bei 275 Tonnen. Deutlich ist der Unterschied bei der Waffenzuladung: 45 Tonnen vs. 30 Tonnen – aber nicht bei der Reichweite: 6000 bzw. 5.500 Kilometer.

    Die Tu-160 erwies sich von Anfang an als eine zuverlässige Maschine mit großem Potenzial für Weiterentwicklungen, das gegenwärtig auch genutzt wird. Das staatliche Rüstungsprogramm sieht ein Upgrade der Tu-160 und Tu-160M auf die Version Tu-160M2.

    Die B-1B war und bleibt weniger erfolgreich. Von den ersten Flügen an zeigten sich Mängel: Die Bordelektronik ist zu komplex, um zuverlässig zu funktionieren, die Maschine ist im Flug instabil. Bei der Absturzquote innerhalb der USAF ist die B-1B führend.

    Zehn Bomber dieses Typs wurden bei Abstürzen zerstört, siebzehn Piloten starben. Erst im Mai letzten Jahres musste eine B-1B wieder notlanden, auf einem Stützpunkt in Texas. Ermittlungen ergaben eine Fehlfunktion der Schleudersitze, die B-1B wurde gegroundet – und aus demselben Grund im März dieses Jahres nochmal.

    Kampferfahrung kann der amerikanische Überschallbomber dennoch vorweisen: Angriffe auf Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Syrien. Heute zählt die US Air Force 62 Exemplare der B-1B. Bis 2030 bleiben sie noch im Dienst, mindestens. Ab Mitte der 2020er Jahre sollen sie gemäß Pentagon-Plänen schrittweise durch den Bomber der neuen Generation ersetzt werden, die B-21 „Raider“.

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    Tags:
    Russland, USA, USAF, B-21 Raider, Tu-160M2, Tu-160, B-2 Spirit, B-52, B-1B Lancer