07:04 15 November 2019
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    Stealth-Bomber B-2 Spirit (Archiv)

    Pentagons neue „Krallen“: Welche geheimen Waffen entwickeln die USA?

    © Foto: U.S. Air Force/Staff Sgt. Jordan Castelan
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    „Neueste militärische Entwicklungen“, „Rüstungen, die sich kaum jemand vorstellen kann“, „geniale U-Boote“ – so bezeichnete US-Präsident Donald Trump in der vorigen Woche die neuesten Errungenschaften der US-Rüstungsindustrie.

    Trump wollte zwar nicht ins Detail gehen, äußerte aber die Hoffnung, dass all diese Waffen nie eingesetzt werden müssten. Über die fünf ambitioniertesten Waffenprojekte der Zukunft lesen sie in diesem Beitrag.

    Unsichtbarer „Raider“

    Im September begannen die Amerikaner den Bau des ersten Prototyps ihres neuesten strategischen Bombers B-21 Raider. Damit wurde der Konzern Northrop Grumman beauftragt. 2025 soll die erste Maschine in Betrieb genommen werden.

    Äußerlich ähnelt dieses Modell dem Stealth-Bomber B-2 Spirit: Die beiden Maschinen sind Tarnkappen-Nurflügel, die Unterschallgeschwindigkeit erreichen und Raketen bzw. Bomben in inneren Zellen tragen können.

    Eine der wichtigsten Aufgaben der B-21 ist, unentdeckt den Raum zu erreichen, wo die Raketen abgefeuert bzw. die Bomben abgeworfen werden sollen, um die gegnerische Luftabwehr zu vernichten. Anschließend könnten schon die taktischen Fliegerkräfte eingesetzt werden.

    Die meisten taktischen und technischen Daten des neuesten Bombers sind weiterhin unbekannt. Bekannt ist lediglich, dass sein Kampfradius bei etwa 3800 Kilometern ohne Nachtanken und mehr als 9000 Kilometern mit Nachtanken liegt. Die Maschine kann bis zu 12,5 Tonnen Waffen bzw. Anlagen an Bord nehmen. Ein solches Flugzeug wird schätzungsweise 500 bis 600 Millionen Dollar kosten – das ist ein wesentlicher Fortschritt, wenn man bedenkt, dass eine B-2 mit etwa einer Milliarde Dollar zu Buche schlug. Die US-Luftstreitkräfte dürfen mit 80 bis 180 B-21-Maschinen rechnen.

    Doch für die strategischen Fliegerkräfte der Amerikaner läuft es nicht ganz rund. Ihr einziger luftgestützter Marschflugkörper ist und bleibt seit den 1980er-Jahren der AGM-86B mit einem 200 Kilotonnen starken Gefechtskopf und einer Flugweite von 2500 Kilometern. Dieser Marschflugkörper ist seinem russischen „Pendant“ – Ch-102 (seit 2013 in der Bewaffnung) – deutlich unterlegen. Die Flugweite des „Russen“ übertrifft 3000 Kilometer, und sein Gefechtskopf kann zwischen 250 und 500 Kilotonnen variiert werden.

    Leise „Columbia“

    Mit „genialen U-Booten“ meinte Präsident Trump wahrscheinlich die strategischen Atom-U-Boote „Columbia“, von denen das erste ab 2021 gebaut werden soll. Nach und nach sollen diese U-Boote das „Ohio“-Modell ablösen, das voraussichtlich ab 2027 sukzessive ausgemustert wird. Die Größe des neuen U-Boots ist der von „Ohio“ fast identisch: Die Länge beträgt ungefähr 170 Meter, der Rumpf hat einen Durchmesser von 13 Metern, die Wasserverdrängung unter Wasser liegt bei 20 800 Tonnen. Die „Columbia“ kann 16 ballistische Raketen Trident II D5 an Bord nehmen. (Zum Vergleich: Eine „Ohio“ wird mit 24 Raketen bestückt.)

    Strategische Atom-U-Boot der Columbia-Klasse (künstlerische Darstellung)
    Strategische Atom-U-Boot der Columbia-Klasse (künstlerische Darstellung)

    Die „Columbia“ wird X-förmige Hecksteuer und waagerechte Tiefensteuer bekommen, die auf dem Deckhaus montiert werden. Statt einer Schraube wird das U-Boot ein Wasserstrahltriebwerk haben. Das neueste Know-how dabei ist der vollständige elektrische Antrieb auf Permanentmagneten, der von Turbogeneratoren der Kernanlage angetrieben wird. Damit wird die „Columbia“ viel leiser als das Vorgängermodell in den Tiefen des Meeres unterwegs sein.

    Es sollen insgesamt zwölf „Columbia“-U-Boote gebaut werden. Die Betriebszeit wird voraussichtlich bei 42 Jahren liegen, wobei die Meiler in dieser Zeit niemals wiederaufgeladen werden müssten. Der Bau des ersten U-Boots wird den US-Haushalt 6,2 Milliarden Dollar kosten.

    Nachfolger für „Apache“

    Der Konzern Bells stellte Anfang Oktober den neuesten Hubschrauber Bell 360 Invictus vor. Dieser soll am FARA-Wettbewerb (Future Attack Reconnaissance Aircraft) teilnehmen.

    Dieses Modell soll den „Veteranen“ AH-64 „Apache“ ablösen. Vorerst gibt es den Invictus nur auf dem Papier, weshalb Journalisten nur ein 3D-Modell gezeigt wurde. Der neue Helikopter soll auf Basis des zivilen Frachtmodells Bell 525 Relentless gebaut werden, und zwar nicht zuletzt wegen seiner herausragenden Geschwindigkeit: Bei den Tests erreichte die Maschine 306 km/h.

    Der neue Hubschrauber wird ziemlich kompakt sein: Der Triebwerk wurde von General Electric im Rahmen des Turbine engine program entwickelt: GE T901. Die T700-Architektur, die bei dem Apache-Modell verwendet wurde, wird aufrechterhalten, aber die Stärke wird um 50 Prozent wachsen. Eine weitere Besonderheit des Invictus machen die Flügel aus, die bei bestimmten Geschwindigkeiten bis zu 50 Prozent der Steigkraft sichern werden. Die Waffen werden innerhalb des Hubschrauberrumpfes versteckt bleiben, was die aerodynamischen Eigenschaften verbessern und die Radarauffälligkeit verringern wird. 

    An dem Wettbewerb werden neben Bell drei weitere Projekte teilnehmen. Die zwei „Halbfinalisten“ sollen im April 2020 verkündet werden. Bis 2023 sollen ihre Hersteller die ersten Maschinen bauen.

    Leichter Panzer

    In den USA wird seit 2015 ein neues Raupenpanzerfahrzeug mit einer Artilleriewaffe MPF (Mobile Protected Firepower) entwickelt. Das Ziel dieses Programms ist, einen leichten Panzer für die Expeditionstruppen zu bauen. Denn die schweren „Abrams“ sind viel zu groß und langsam bei Straßengefechten. Zur Unterstützung der Infanterie ist eine kompaktere und mobilere Plattform nötig.

    Die Korporation General Dynamics präsentierte Ende September die erste Attrappe im Rahmen des MPF-Programms: den leichten Panzer Griffin II. Dieser Panzer wird  in Abhängigkeit von der Panzerung und anderen Besonderheiten 25 bis 38 Tonnen schwer sein. Der Griffon wird eine 120-Millimeter-Glattrohrkanone und zwei Maschinengewehre sowie ein modernes Feuerleitsystem bekommen. Das neue Chassis wird mit einem Schutz gegen kleinkalibrige Geschosse versehen werden. Der Turm wird eine Anhängepanzerung aus einzelnen Modulen bekommen.

    Prototyp des Raupenpanzerfahrzeugs mit einer Artilleriewaffe MPF (Mobile Protected Firepower) (Archiv)
    Prototyp des Raupenpanzerfahrzeugs mit einer Artilleriewaffe MPF (Mobile Protected Firepower) (Archiv)

    Der Hauptkonkurrent des Griffin II ist das M8 Armored Gun System von der Korporation BAE Systems, bei dem es sich um den umfassend modernisierten leichten Panzer M8 handelt. Dieses Modell mit einer 105-Millimeter-Kanone wird 25 bis 27 Tonnen schwer sein und eine Anhängepanzerung verschiedener Typen haben.

    Die Vergleichstests beider Modelle sind für 2020 und 2021 geplant. Die Serienproduktion des besseren Panzers wird voraussichtlich 2025 beginnen.

    „Kampf-Mikrowelle“

    Das US-Verteidigungsministerium hat Ende September einen Vertrag mit dem Konzern Raytheon abgeschlossen, bei dem es um den Bau der Elektromagnetkanone PHASER geht. Dass es diese Kanone gibt, hat der Hersteller vor vier Jahren verkündet – bis dahin war diese Information unter Verschluss gehalten worden.

    Das Test-Exemplar der „Kampf-Mikrowelle“ hat 33 Drohnen abstürzen lassen, und zwar drei bis vier Stück auf einmal. Der elektromagnetische Strahler kann die Elektronik von Fluggeräten mit einer Masse von bis zu 25 Kilogramm außer Gefecht setzen. Im Unterschied zu Laserwaffen, die sich auf das Ziel eine gewisse Zeit fixieren müssen, werden elektromagnetische Impulse häufiger als jede Millisekunde ausgestrahlt – und das ist genug, um eine Drohne auszuschalten.

    Das erste PHASER-Exemplar sollen die US-Militärs bis Ende 2020 bekommen. Dann wird das Pentagon diese Waffe unter Gefechtsbedingungen prüfen und seine Entscheidung treffen. Die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten, wo die jemenitischen Huthi gerade mit Drohnen saudische Öldepots angegriffen haben, sprechen dafür, dass die Nachfrage nach elektromagnetischen Waffen in den kommenden Jahren wachsen wird.

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    Tags:
    Columbia (U-Boot), Panzer, B-21 Raider, Entwicklung, Waffen, USA