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10:28 13 November 2019
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    Die ballistischen Rakete DF-41 bei der Militärparade in China (Archiv)

    Schwelender Großkonflikt? Atommacht China rüstet rasant auf

    © REUTERS / Thomas Peter
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    Eine 22 Kilotonnen schwere Explosion am Salzsee Lop Nor, große Pläne und wachsende Ambitionen – genau 55 Jahre sind vergangen, als China am 16. Oktober 1964 seine erste Atombombe testete. Derzeit verfügt Peking laut Experten über insgesamt 29 Atomsprengsätze und damit über das drittgrößte nukleare Arsenal nach Russland und den USA.

    Über die nukleare Militärstärke der Volksrepublik und ihre Perspektiven berichtet Sputnik in diesem Beitrag.

    Pekings „langer Arm“

    Die Chinesen entwickelten ihre Atomwaffen unter Mitwirkung sowjetischer Spezialisten. Zwischen 1950 und 1960 besuchten insgesamt etwa 9000 Mitarbeiter der sowjetischen Nuklearbranche das Reich der Mitte. Dann aber spannten sich die gegenseitigen Beziehungen an, und Moskau verweigerte Peking weitere Unterstützung.

    Dennoch sind die Chinesen selbst zurechtgekommen und haben ihre Atombombe aus eigener Kraft gebaut. Ein Jahr nach dem ersten Bodentest wurde eine Atombombe von einem Flugzeug abgeworfen, und im Juni 1967 explodierte die erste chinesische Wasserstoffbombe, die 3,3 Megatonnen stark war. Damit wurde die Volksrepublik die vierte Atomgroßmacht der Welt nach der Sowjetunion, den USA und Großbritannien.

    Heutzutage verfügt Peking über die vollwertige „Triade“ – boden-, luft- und seegestützte Massenvernichtungswaffen. Im Mai veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium einen Bericht über das strategische Potenzial und die militärischen Entwicklungen Chinas im laufenden Jahr, in dem angeführt wurde, dass das Reich der Mitte etwa 90 ballistische Interkontinentalraketen besitzt – sowohl silogestützte (Dongfeng-4 und Dongfeng-5A) als auch mobile (Dongfeng-31, Gongfeng-31A). Hinzu kommen die neuesten Raketen Dongfeng-41, die erst am 1. Oktober auf einer Militärparade in Peking präsentiert wurden.

    Bei der ballistischen Rakete DF-41 handelt es sich im Grunde um die modernste Waffe im Arsenal der chinesischen Streitkräfte. Diese Feststoff-Interkontinentalrakete kann zehn bis zwölf Atomsprengköpfe tragen und hat eine Reichweite von 14.000 Kilometern (nahezu die größte in der ganzen Welt): Damit kann sie Ziele auf dem gesamten Territorium der USA treffen.

    Pentagon-Analysten sind zu dem Schluss gekommen, dass Chinas nukleares Potenzial in den vergangenen Jahren wesentlich gewachsen ist. So schrieb das Fachmagazin „Military Watch“ Anfang Oktober, dass die jüngste Eskalation zwischen Peking und Washington die Volksrepublik zur Entwicklung von immer effizienteren Raketen zwingt, die Massenvernichtungswaffen tragen können.

    See- und luftgestützte Waffenträger

    Laut dem Bericht des Internationalen Instituts für strategische Forschungen (IISS) zum Thema „The Military Balance“ verfügt die chinesische Volksbefreiungsarmee über vier Atom-U-Boote der Jing-Klasse (Typ 094), von denen jedes zwölf ballistische Raketen JuLang-2 mit einer Reichweite von 8000 bis 9000 Kilometern tragen kann, die auf Basis der bodengestützten DF-31-Raketen entwickelt wurden. Laut Medienberichten wurden inzwischen weitere zwei Atom-U-Boote auf Kiel gelegt. Damit könnte Peking in absehbarer Zeit über insgesamt 72 U-Boot-gestützte ballistische Raketen verfügen.

    Zurzeit entwickeln die Chinesen strategische U-Boote der neuen Generation: Typ 096. Der Bau soll schon 2020 beginnen. Speziell für diese U-Boote soll auch eine neue Gattung von ballistischen Raketen entwickelt werden: JuLang-3 mit einer Flugweite von bis 12.000 Kilometern und spaltbaren Sprengköpfen. Die US-Aufklärung behauptete Anfang Juni, die neueste chinesische Waffe wäre im nordwestlichen Teil des Gelben Meeres erfolgreich getestet worden.

    Im September 2016 hatte Peking die Entwicklung des neuesten strategischen Bombers Xian H-20 offiziell bestätigt. Das wird ein Unterschall-Nurflügel sein (genauso wie sein US-amerikanisches „Pendant“ B-2). Die Flugweite wird bei mindestens 8000 Kilometern liegen, die Nutzlast bei zehn Tonnen. Die Amerikaner vermuten, dass der erste Xian H-20 nach 2025 abheben könnte.

    Diese Bomber sollen in Perspektive die veralteten Maschinen H-6 ablösen (im Grunde ist das eine in Lizenz gebaute Kopie des sowjetischen Bombers Tu-16). Im Moment verfügen die chinesischen Streitkräfte über 170 Maschinen dieses Typs. Der H-6 kann je nach Modifikation bis zu neun Bomben und mehrere Marschflugkörper „Luft-Boden“ und „Luft-Schiff“ an Bord nehmen. Laut Experten können Maschinen der jüngsten Modifikation (insgesamt bis zu 90, seit 2011 in der Bewaffnung) Massenvernichtungswaffen tragen. Ihre Flugweite erreicht 3000 Kilometer, die Waffenlast zwölf Tonnen. Die neuesten Marschflugkörper CJ-10K, mit denen die Maschinen bestückt werden, können Atomsprengköpfe tragen, eine Geschwindigkeit von 1000 km/h erreichen und Ziele aus 1500 Kilometern treffen. Damit können solche Raketen jedes Objekt auf der Halbinsel Korea vernichten, und ein Flugzeug, das bei Guangzhou abgehoben ist, kann die US-amerikanische Insel Guam erreichen.

    Für jeden Geschmack

    Darüber hinaus haben die Chinesen laut den Pentagon-Experten ein beträchtliches Arsenal (bis zu 80 Stück) an ballistischen Mittelstreckenraketen Dongfeng-26. Diese fliegen 3000 bis 5500 Kilometer weit und können ohne Atomsprengköpfe zur Vernichtung von großen Überwasserschiffen eingesetzt werden. (Im Westen bekamen sie deswegen den Spitznamen „Killer von Flugzeugträgern“.)

    die neuesten Mittelstreckenraketen DF-17
    © Sputnik / Anna Ratkoglo
    die neuesten Mittelstreckenraketen DF-17

    Besonders groß ist das chinesische Arsenal an Mittel- und Kurzstreckenwaffen. Eine mittlere Reichweite haben die Raketen DF-21A, DF-21C, DF-21D und DF-21E (insgesamt etwa 150 Startanlagen). Atomsprengköpfe können nur die Raketen DF-21A und DF-21E tragen – ihre Zahl beträgt höchstens 50. Kurzstreckenraketen (DF-11, DF-15, DF-16) könnte es mehrere Hunderte geben, aber sie können keine Atomsprengköpfe tragen. Den Experten zufolge war gerade der Umstand, dass die Chinesen so viele Raketen mittlerer und kurzer Reichweite haben, der Grund für Washington, aus dem INF-Vertrag auszusteigen.

    Die Volksrepublik modernisiert ihr Arsenal nachhaltig. Auf der jüngsten Militärparade in Peking wurde zum ersten Mal die neueste Mittelstreckenrakete DF-17 präsentiert, die sowohl konventionelle als auch Atomsprengköpfe tragen kann. Sie kann eine Geschwindigkeit von 5 Mach erreichen und ihre Flugbahn intensiv verändern, was ihr Abfangen durch die gegnerische Raketenabwehr problematisch machen dürfte.

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    Tags:
    Atomrakete Df-41, Entwicklung, Atomwaffen, Armee, China