19:51 14 November 2019
SNA Radio
    Digitalrechner des Quantencomputer „Sycamore“

    Googles Quantensprung: Statt 10.000 Jahre nur 200 Sekunden gerechnet

    © AFP 2019 / HO / GOOGLE
    Technik
    Zum Kurzlink
    204321
    Abonnieren

    In 200 Sekunden soll Googles Quantencomputer eine Berechnung durchgeführt haben, für die der leistungsfähigste Supercomputer 10.000 Jahre braucht. Das berichtet das Unternehmen in der Fachzeitschrift Nature – und vergleicht die Leistung mit dem Flug der Brüder Wright. Konkurrent IBM hat seine Zweifel an Rechnung und Bedeutung des Ereignisses.

    Der Quantencomputer „Sycamore“ des Unternehmens Google soll in 200 Sekunden eine Berechnung durchgeführt haben, die nach Angaben des Unternehmens den schnellsten Supercomputer der Welt „Summit“ 10.000 Jahre beschäftigt hätte. Das berichtet das Unternehmen nicht nur auf seinem eigenen Blog, sondern ein entsprechender Artikel ist nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature erschienen. Ein entsprechendes internes Dokument war einen Monat zuvor geleakt worden und ist damit bestätigt.

    Die Berechnung Sycamores ist bislang nicht gerade nützlich, denn es kommt am Ende nur eine zufällige Zahlenreihe heraus. Die Erstellung der Zahlenreihen demonstriert aber die Funktionsfähigkeit von Quantencomputern – auch wenn ein nützliches Modell weiterhin noch viele Jahre entfernt ist.

    In einem Gespräch mit dem „MIT Technology Review“ vergleicht Google-Geschäftsführer Sundar Pichai diesen Fortschritt mit dem Flug der Brüder Wright, der nur zwölf Sekunden dauerte. Damit sei das Flugzeug noch von keinem praktischen Nutzen gewesen, aber die Demonstration war wichtig für die nachfolgenden Entwicklungen, die dann wirklich flogen. Für funktionierende Quantencomputer gelte es, noch etliche technische Herausforderungen zu meistern.

    Pichai verspricht sich von Quantencomputern ein besseres Verständnis des Universums: „Wir stehen am Anfang, aber durch Quantenberechnungen wird sich unsere Fähigkeit, Moleküle und chemische Prozesse abzubilden, enorm steigern.“ Er verbildlicht dich am großindustriellen Haber-Bosch-Verfahren zur Herstellung von Ammoniak und damit Kunstdünger, das für zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich gemacht wird. In der Natur gebe es deutlich effizientere Verfahren, die mit einem Quantenrechner deutlich leichter und schneller ermittelt werden könnten.

    Während Google den Fortschritt betont, übt der Konkurrent IBM Kritik. Zum einen bemerkt das Unternehmen, dass der angeführte Supercomputer die Rechnung in zweieinhalb Tagen und nicht in 10.000 Jahren lösen könnte. Zum andere hält es den von Google verwendeten Begriff der Quantenüberlegenheit für irreführend. Denn der Quantencomputer hat zwar die typischen Prozesse der Verschränkung und Überlagerung demonstriert, dabei fehlten ihm „wichtige Ressourcen wie eine Hierarchie von Speichern, präzise Berechnungen in der Hardware, diverse Software-Assets und eine umfangreiche Algorithmenbasis“, so IBM.

    vr/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Quantencomputer, IBM, Google, USA