22:56 16 November 2019
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    US-Pilotenausstattung (Archiv)

    Luftkrieg der Zukunft: Der Mensch ist nur noch Option

    © Foto: U.S. Air Force/Staff Sgt. Christopher Thornbury
    Technik
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    Wie auch immer die Kampfjets der 6. Generation sein werden: die Anforderungen, die sie erfüllen müssen, sind weitestgehend gleich. Ob in Amerika oder Russland, in England oder Frankreich und Deutschland: Den Entwicklern müssen Durchbrüche gelingen bei Antrieb, Aerodynamik, Bewaffnung – und vor allem bei der Steuerung.

    Forscher an der Universität Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio führten im Juni dieses Jahres einen Mensch-Maschine-Versuch durch: Ein erfahrener Fighter-Pilot der US Air Force lieferte sich am Flugsimulator einen Luftzweikampf mit einem Computer – und verlor, immer wieder, ausnahmslos. Der Rechner reagierte schneller, agierte entschlossener und taktisch geschickter. Zwar lief der simulierte Luftkampf nach einem vorgegebenen Schema ab, doch einen Ausblick auf den Stellenwert der KI bei künftigen Kampfjets gibt diese Momentaufnahme allemal.

    Geht es um Luftkampfsysteme der 6. Generation, stellt sich zuallererst die Frage nach der Steuerung, schreibt das Portal „Swesda“. Die Ingenieure sind schon in die Entwicklung hybrider Steuerungstechnik vertieft, die es ermöglichen soll, ein Kampfflugzeug gleichermaßen on- und off-board zu bedienen: Die Maschine wird entweder von einem Piloten im Cockpit oder einem Operator in einer Bodenstation geflogen.

    Die optionale Bemannung ist zum Hauptkriterium der 6. Kampfjetgeneration geworden – eigentlich. Denn das setzt die Entwicklung einer autonomen Steuerung voraus, die einen Luftkampf ohne menschliches Eingreifen führen und gewinnen könnte. Daraus folgt eine Komplikation: Ein autonom geführtes Jagdflugzeug bedarf einer zuverlässigen Abschirmung gegen Cyber-Attacken und elektronische Kampfmittel. Wäre ein Pilot daher auch in der 6. Generation doch besser obligatorisch statt optional?

    Nein, nicht unbedingt, sagt der Direktor des Staatlichen Forschungsinstituts für Luftfahrtsysteme, Sergej Chochlow, im Sputnik-Gespräch: „Man ist sich einig, dass der Kampfjet der 6. Generation unbemannt sein wird. Alle anderen Eigenschaften sind dann eine Weiterentwicklung der bestehenden Fähigkeiten. Das Flugzeug wird noch schneller, noch agiler, noch unsichtbarer.“

    Bei einem anderen Konzept der 6. Kampfjetgeneration setzen die Entwickler auf das sog. Teaming von bemannten und unbemannten Systemen: Ein Pilot steuert einen ganzen Verband von Waffensystemen. Von seinem Cockpit aus befehligt der Kommodore während des Einsatzes unbemannte, KI-unterstützte Fluggeräte (Remote Carriers).

    Dieses systembasierte Konzept scheint sich durchzusetzen, aber die Frage nach der Steuerung und Kommunikationssicherheit ist damit nicht aus der Welt. Im Gegenteil: Der Pilot als Einsatzleiter eines fliegerischen Verbands muss Unmengen an Lageinformationen verarbeiten.

    Eine Aufgabe für die Entwickler besteht dabei darin, dem Piloten die Möglichkeit zu geben, Daten über den Helmdisplay zu erhalten und bestimmte Funktionen über Sprachbefehle zu steuern. Der Pilot muss alle lagekritischen Informationen immer vor Augen haben – egal, wohin er blickt.

    Der britische Hersteller BAE Systems zum Beispiel arbeitet deshalb an einem Infosystem aus dutzenden Sensoren, die den Blick des Piloten erfassen und die Daten dorthin projizieren, wo er sie sehen kann, ohne sich vom Einsatzgeschehen abzuwenden. Die Aufmerksamkeit des Piloten wird nicht länger von den Displays im Cockpit gebunden. Navigationsdaten, Missionsleistungen, die Position anderer Flugzeuge, die Lage rundherum – all das bekommt der Pilot dann je nach Bedarf über sein Helmdisplay.

    Wenn künftige Jagdflugzeuge ihren vollen Kampfwert erst im Teaming realisieren, dann ist die Kommunikationssicherheit ein umso kritischer Aspekt der 6. Kampfjetgeneration. Die Einheiten müssen in ein Informationsfeld eingebunden sein, das wie ein Ganzes funktioniert: Der Kommodore eines Teaming-Verbands gewinnt Informationen nicht nur durch die Sensoren seiner eigenen Maschine, sondern bekommt sie von Satelliten, AWACS-Flugzeugen und den ihm unterstellten Remote Carriers.

    Wichtig: Der künftige Kampfjet muss immer bestens informiert, für seine Gegner aber möglichst unsichtbar bleiben. Die Entwicklung von Radartechnologien schreitet voran, die Entwickler der 6. Kampfjetgeneration müssen dieser Dynamik einen Schritt voraus sein: Das sog. Signaturmanagement der künftigen Jagdflugzeuge muss durch neue Formen und Materialien verbessert werden.

    Die Auslegung als Nurflügler verringert die Radarrückstrahlfläche eines Flugzeugs deutlich. Der Verzicht auf das Seiten- und Höhenleitwerk wirkt sich jedoch stark negativ auf die Wendigkeit des Jagdflugzeugs bei hohen Geschwindigkeiten und extremen Anstellwinkeln aus.

    In Russland könnte die Kampf- und Aufklärungsdrohne „Ochotnik“ zur Ausgangsbasis für den Next-Gen-Kampfjet werden. Die Auslegung dieses UAVs weist die genannten grundlegenden Merkmale der 6. Generation schon auf. An der Verbesserung der Flugeigenschaften, der Tarnkappenfähigkeit und der Kommunikationssicherheit ist allerdings noch zu arbeiten. An neuer Antriebstechnik ebenso.

    Wasserstoff wird als eine Möglichkeit für den Antrieb der künftigen Kampfjetgeneration erforscht. In Russland laufen solche Forschungsarbeiten bereits, schreibt das Portal „Swesda“. Ein H-Triebwerk könnte das Jagdflugzeug der 6. Generation demnach auf bis zu 14-fache Schallgeschwindigkeit beschleunigen. Einsätze im erdnahen Weltraum würden dadurch möglich – zumal für unbemannte Waffensysteme: Eine Drohne hält g-Belastungen aus, bei denen der menschliche Körper nicht nur versagen, sondern sich auflösen würde.

    In Russland werden einige Systemkomponenten der 6. Kampfjetgeneration auf der Basis der Su-57 bereits erforscht, schreibt „Swesda“. Eine unbemannte Ausführung dieses Tarnkappenflugzeugs ist demnach nicht geplant, aber als Erprobungsträger für künftige Technologien wird die Maschine genutzt. Laut Prognosen soll der russische Jäger nächster Generation bereits 2025 zum Erstflug starten und dann in zwei Varianten in Serie gehen: als bemanntes und unbemanntes Waffensystem. Ein ehrgeiziger und straffer Plan.

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    Tags:
    Ochotnik, Einsatz, künstliche Intelligenz, unbemannte Angriffsflugkörper, Luftwaffe, Entwicklung, USA, Russland