01:17 21 November 2019
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    Kampfpanzer Leopard 2 während der Übungen (Archiv)

    Exportschlager und „Russen-Abschrecker“ Leopard 2 vor 40 Jahren erstmals eingesetzt

    CC BY-SA 3.0 / Arne Schambeck / Wikimedia Commons
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    Am 25. Oktober 1979 wurde der erste deutsche Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 der Panzerlehrbrigade 9 der Bundeswehr in Munster übergeben. Mit den Nato-Übungen in Osteuropa und dem angeblichen türkischen Einsatz gegen die syrischen Kurden ist der Panzer zuletzt erneut ins Rampenlicht gerückt.

    Sputnik gewährt Einblicke in die Meilensteine seiner Kariere.

    Die Bundesregierung hatte Ende der 1970er Jahre massiv in die Bundeswehr investiert, darunter in Frühwarnflugzeuge, Panzerabwehrraketen, Mehrzweckkampfflugzeuge Tornado und neue Lkw. Der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann wurde seitdem mit über 3000 Exemplaren beauftragt, die von 18 Staaten eingesetzt wurden und werden. Allein an die Türkei waren bis 2018 751 Panzer ausgeliefert worden, knapp die Hälfte von ihnen ist vom Typ „Leopard 2A4“.

    Schaut man sich die Ausstattung der Nato-Truppen an, erweist sich Leo 2 als deren De-Facto-Standard-Kampfpanzer. Seine Feuerkraft, Schutz und Beweglichkeit machten ihn tatsächlich zu einem bewährten Nato-Veteran. „Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift“, sagte der Ex-Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, übrigens zum Afghanistaneinsatz im April 2010 und krönte damit die Abschreckungsfähigkeit des Exportschlagers der deutschen Militärindustrie. Er hätte mit Blick auf die durch Rheinmetall eingebrachte Modifikation, Leopard 2A7V, eigentlich schon in Rente gehen können, doch immer wieder schicken die Nato-Kommandeure den alten Kämpfer in die Litauen-Mission, nur 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. 

    Mit einer 120-mm-Kanone und einer hochmodernen Feuerleitanlage war der Leo 2 vor 40 Jahren schon stärker bewaffnet als die meisten anderen Kampfpanzertypen in Ost und West. Ein zeitgenössischer Ausbildungsfilm der Bundeswehr zeigt, wie Leopard 2 einen vollen Maßkrug an der Kanonenmündung über eine Hindernisstrecke balanciert, ohne dass ein Tropfen verschüttet wird. Ein weiteres Video aus Schweden zeigt, wie ein Leopard-2-Panzer der schwedischen Armee im Rahmen einer Übung vergeblich einen Hügel zu bewältigen versuchte. 

    Mit dem Ende des Kalten Krieges waren bei Auslandseinsätzen schon leichtere und beweglichere Fahrzeuge gefragt. Die Bundeswehr sollte ihren Bestand dann von mehr als 2000 Leopard 2 um rund zwei Drittel kürzen. Bei den Einsätzen auf dem Balkan waren wenige Leopard 2 beteiligt. Massiver zum Einsatz kamen sie bei den dänischen und kanadischen Einheiten in Afghanistan. Dort waren sie Minenexplosionen und dem Beschuss mit panzerbrechenden Waffen ausgesetzt, ohne dass ein Panzer verloren ging. Im Dezember 2016 waren allerdings die ersten Beweise dafür aufgetaucht, dass offenbar mindestens zehn „türkische“ Leopard 2A4 bei Kämpfen um al-Bab in Syrien vernichtet wurden. Fünf Panzer sollen dabei durch Panzerabwehrraketen, zwei durch Minen oder SWD-Gewehre und einer angeblich durch Artilleriefeuer zerstört worden sein. Militärexperten zufolge gingen diese Verluste aber eher auf die schlechte taktische Führung zurück als auf Konstruktionsfehler des Leopard 2. 

    Im Januar 2018 sorgten Meldungen über den Einsatz vieler von insgesamt 354 an Ankara gelieferten Leopard 2 gegen die Kurden in Nordsyrien für politisches Aufsehen. Die Bundesregierung stoppte zwar die Waffenexporte an die Türkei, erlaubte später aber doch die Aufrüstung der Leopard 2. Bei der diesjährigen Syrien-Offensive Erdogans kam es erneut zu ähnlichen Spekulationen, es folgten aber weder klare Beweise noch ein offizielles Dementi zu solch einem Einsatz.

    Seit 2035 sollen die Leopard 2 der Bundeswehr allmählich vom sogenannten deutsch-französischen MGCS (Main Ground Combat System, Hauptbodenkampfsystem) abgelöst werden. Das Bundesverteidigungsministerium kündigte jedoch vor vier Jahren an, bis 2023 die Zahl der Leopard 2 durch Rückkauf aus dem Ausland auf 328 Exemplare zu erhöhen – offenbar wegen der Nato-Aktivitäten zur Abschreckung Russlands in Osteuropa. Ende 2017 musste das Ministerium allerdings eingestehen, dass von 224 Leopard 2 nur 95 einsatzbereit waren.

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    Tags:
    Abschreckung, Investitionen, Bundeswehr, Türkei, Lieferung, Russland, Litauen, Panzer, NATO, Leopard 2, Deutschland