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17:54 12 November 2019
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    Die erste norwegische F-35 bei der Vorstellung im Jahr 2015

    F-35-Programm bekommt ganz neue Feinde – die Umweltschützer

    © AFP 2019 / LAURA BUCKMAN
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    Der amerikanische Stealth-Jet F-35 ist eines der modernsten Kampfflugzeuge der Welt und zugleich aber auch eines der teuersten. Die Liste der Pannen und Mängel, die im Zusammenhang mit dem Jet diskutiert werden, wird ebenfalls immer länger. Nun könnte das gesamte F-35-Programm neue Gegner bekommen haben – die norwegischen Umweltaktivisten.

    Immer mehr westliche Staaten erwerben die F-35 Jets, um ihre Kampfflugzeugflotten zu modernisieren und den Nato-Standards zu entsprechen.

    Zuletzt hat die Niederlande zahlreiche Maschinen dieses Typs gekauft. Bei der Empfangszeremonie gab es dabei eine bemerkenswerte Panne: Einer der Jets wurde mit Löschschaum statt mit Wasser übergossen. Nun befürchtet das niederländische Verteidigungsministerium ernste Schäden an der Stealth-Beschichtung des Jets und schickte das Gerät zu einer außerplanmäßigen Überprüfung.

    Während der Vorfall eher für Spott und Witze in den sozialen Netzwerken sorgte, spekuliert nun das Portal „National Interest“ über eine neue Bedrohung für das F-35-Programm – die norwegischen Umweltschützer.

    Zu viele Treibhausgase von der F-35

    Laut dem Portal beklagen norwegische Umweltschützer, dass die neuen F-35-Jets, die die alternde norwegische F-16-Flotte ersetzen sollen, zu viele Treibhausgase erzeugen.

    „Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der neuen Kampfjets wird auf bis zu 60 Prozent höher geschätzt als der der heutigen Kampfjets“, wird die norwegische Zeitung Dagsavisen zitiert.

    Jede Flugstunde beim F-35 verbrauche 5600 Liter, beim F-16 seien es nur 3500 Liter.

    Folgerichtig führt ein höherer Kraftstoffverbrauch zu höheren Kohlendioxidemissionen (CO2-Emissionen), die ihrerseits zum Klimawandel und steigenden globalen Temperaturen beitragen.

    Norwegen vor einem Dilemma?

    Nun steht die norwegische Regierung vor einem Dilemma: Obwohl Norwegen an der Spitze der Umweltschutzbewegung steht, dürfte die vom Land verursachte Luftverschmutzung wegen der F-35 steigen.

    „Letztes Jahr beliefen sich die geschätzten Emissionen der Flugzeuge, Boote und Fahrzeuge der (norwegischen) Streitkräfte auf 242.000 Tonnen im CO2-Äquivalent“, schreibt die Dagsavisen.

    „Bis 2030 wird ein Wachstum auf 322.000 Tonnen im CO2-Äquivalent erwartet.“

    Norwegische Militärs sollen bereits an Methoden arbeiten, um den CO2-Fußabdruck der F-35 zu verringern.

    So verzichte beispielsweise der Verteidigungssektor bereits auf fossiles Öl zum Heizen, um die Treibhausgasemissionen zu senken.

    Für die neuen Kampfflugzeuge sei in diesem Zusammenhang geplant, möglichst viele Trainingseinheiten für die zukünftigen F-35-Piloten in einem Simulator durchzuführen. Insgesamt soll die Zahl der Trainingseinheiten im Simulator um 40 Prozent steigen.

    „Das ist deutlich mehr als beim F-16“, sagte hierzu Lars Gjemble, ein Beamter des Verteidigungsministeriums.

    Für norwegische Umweltschützer ist das allerdings nicht genug.

    „Der Kauf von 52 neuen Kampfflugzeugen hebt die Auswirkungen aller anderen Klimaschutzmaßnahmen in den Streitkräften auf und sorgt dafür, dass die Emissionen stark ansteigen“, zitiert das „NI“ einen norwegischen Umweltaktivisten.

    Verteidigung vs. Umwelt

    Per-Willy Amundsen, ehemaliger Justizminister und Mitglied der libertären Fortschrittspartei, wies diese Bedenken jedoch zurück.

    Seine Partei sei der Ansicht, „dass unsere Verteidigungsfähigkeiten Vorrang haben sollten“. Wenn schon die „Klimafanatiker“ solche Kritik verlauten lassen, dann sollten sie lieber „konstruktive Vorschläge machen, wie die Emissionen so weit wie möglich gesenkt werden können, ohne die Verteidigungsfähigkeiten zu beeinträchtigen“, sagte er gegenüber Dagsavisen.

    Amundsen argumentiert, dass Norwegens Militär selbst mit der F-35-Flotte nur einen minimalen Anteil des globalen CO2-Ausstoßes erzeugen werde.

    „Wenn wir die echten Zahlen vergleichen, dann wissen wir, dass Norwegen rund 0,14 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht. Verteidigungsgüter machen 0,45 Prozent der Gesamtemissionen Norwegens aus. Der erwartete Anstieg der Emissionen aus der norwegischen Verteidigung wird sich dann auf etwa 0,00022 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen belaufen, basierend auf den heutigen Emissionswerten.“

    Der einzige Weg, komplett auf Treibhausgasemissionen beim Militär zu verzichten, wäre auf atomgetriebene Technik umzusteigen – und dies wolle schließlich niemand, so die Logik von Amundsen.

    Ein Scheitern des F-35-Programms wegen der norwegischen Umweltbedenken hält das „NI“ insgesamt kaum für plausibel.

    Sicherheitsbedenken würden der globalen Erwärmung  nicht zum Opfer fallen, so das Portal abschließend.

    ng/mk

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    Tags:
    USA, Niederlande, Norwegen, Jagdbomber F-35C (Lockheed Martin), F-35 Joint Strike Fighter (JSF), F-35I, F-35, F-35, Treibhausgasemissionen, CO2-Emissionen, Klimaschutzabkommen, Klimaschutz, Klimawandel