10:45 15 November 2019
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    Der Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ (Archivbild)

    Marine-Kampfjet Su-27KM: Ein Jagdflieger, der niemals flog

    Пресс-служба Северного флота
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    Ab 1977 baut die Sowjetunion echte Flugzeugträger mit einem Deck für konventionelle Starts und Landungen – mit einer Einschränkung: Die Bordflugzeuge mussten ohne Katapult beschleunigen und von einer Bugrampe starten. Ein schwerer Mehrzweckjet, der das konnte, musste noch erfunden werden. Das Portal „Popular Mechanics“ berichtet.

    Zwei bis drei Kampfjetgenerationen wechseln sich ab im Laufe eines Flugzeugträgerlebens: 50 Jahre Dienstzeit sind für einen schwimmenden Fliegerhorst nicht unüblich, ein Kampfjet wird in der Regel nach 15 bis 20 Jahren ersetzt. So war schon beim Stapellauf des ersten sowjetischen Flugzeugträgers („Admiral Kusnezow“) klar, dass seine Su-27K in spätestens zwei Jahrzehnten einen Nachfolger benötigen werden. Es begannen die Arbeiten an der Su-27KM (S-37). Mit der eigentlichen Su-27 hatte der künftige Kampfjet nur die Cockpithaube gemein, aber unnötige Aufmerksamkeit wurde mit dieser Bezeichnung vermieden.

    ​Zum ersten Mal in der Geschichte der Sowjetmarine wurde ein Kampfjet von null auf als Bordflugzeug entworfen. Darauf sind die speziellen Lösungen zurückzuführen, die das Fluggerät in der Serienversion aufweisen sollte. Ein abtrennbares Cockpit zum Beispiel.

    Die Auswertung von Einsätzen hatte gezeigt, dass abgestürzte Piloten meist in den ersten Stunden nach der Notwasserung umkamen. Ein Schleudersitz war da keine Rettung – eine hermetische, abtrennbare Cockpitkapsel hingegen schon. Selbst in einer Wassertiefe von zehn Meter konnte die Kabine der Su-27KM noch abgetrennt werden. Das Überleben des Piloten war so für die Dauer von drei Tagen sicher.

    Die Su-27KM sollte zweierlei sein: ein Abfangjäger und ein Jagdbomber – ein Mehrzweckjet, der die amerikanische F-14D „Super Tomcat“ übertreffen sollte. Eine deutliche Gewichtszunahme im Vergleich zur Vorgängerin war somit unumgänglich: an die 40 Tonnen Startgewicht wurden für die Su-27KM errechnet. Das größte Problem der Entwickler war daher der Startvorgang: Wie sollte die künftige Maschine ohne Katapult vom Bord des Flugzeugträgers abheben?

    Dampfkatapulte waren erst auf dem ersten nukleargetriebenen Flugzeugträger der Sowjetunion vorgesehen, auf der „Uljanowsk“. Dieses Schiff musste erst gebaut werden. Auf der „Admiral Kusnezow“ starteten die Jagdflugzeuge (die leichteren Su-27K) mittels einer Bugrampe. Es geht die Story um, man habe einen Suchoi-Entwickler mal nach dem Krümmungswinkel dieser Schanze gefragt. „Das ist das größte Geheimnis des sowjetischen Flugzeugträgers“, soll die Antwort gewesen sein. Die Su-27 hob bei 180 bis 200 Stundenkilometern im perfekten Anstellwinkel von der Rampe ab.

    Für die Su-27KM wurde eigens ein Startverfahren entwickelt, das man so bis dahin nicht kannte. Beim sog. ballistischen Start verlässt das Flugzeug die Rampe mit eingeschaltetem Nachbrenner. Auf dem Höchstpunkt der Flugbahn sackt der Jet bis zu 15 Meter tief durch, wird aber dank zunehmendem Tempo und sehr hohem Anstellwinkel aufgefangen. Eine Gefahr blieb dabei: die hohe Wahrscheinlichkeit eines Strömungsabrisses und folglich Absturzes der Maschine.

    Einen Ausweg glaubten die Suchoi-Ingenieure in umgekehrt gepfeilten Tragflächen gefunden zu haben. Die Konstruktion schien für den Startvorgang perfekt zu sein, wäre nicht das große Aber. Die enormen Verwindungsbelastungen, denen ein Flügel mit umgekehrter Pfeilung ausgesetzt ist, können nur Tragflächen aus Verbundwerkstoffen aushalten – aus dem Material mit der nicht-vorhandenen Wartungsfähigkeit: Ein Bruch von Kohlefasern ist nicht anders zu beheben, als durch den Austausch des kompletten Bauteils. Was also tun bei Einschuss- oder Splitterlöchern in einer Tragfläche?

    Theoretisch würde der beschädigte Flügel einer Su-27KM an Bord des Flugzeugträgers komplett ausgetauscht. Aber dafür muss die Maschine es bis zum Landedeck überhaupt schaffen: bei der enormen Überlast, die eine umgekehrt gepfeilte Tragfläche aushalten muss, würde der Flügel schon beim ersten Treffer in der Luft auseinanderfallen.

    Ob die Suchoi-Ingenieure auch für dieses Problem eine Lösung fanden, ist unbekannt. Das Projekt Su-27KM wurde jedenfalls im Mai 1989 durch den Beschluss des Verteidigungsministeriums eingestellt. Der Suchoi-Konzern setzte die Arbeiten auf eigene Kosten fort und präsentierte Anfang der 1990er Jahre das Experimentalflugzeug S-37 mit umgekehrter Flügelpfeilung. Medien tauften das Versuchsflugzeug auf den Namen „Berkut“ und erhoben den Prototyp zum Erprobungsträger der 5. Kampfjetgeneration, irrtümlicherweise. 

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    Tags:
    Flugzeugträger Admiral Kusnezow, Su-27, Su-27K