07:36 11 Dezember 2019
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    Googles Geheimprojekt – Wieso das Unternehmen Gesundheitsdaten von Amerikanern sammelt

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    Google sammelt und verarbeitet persönliche Gesundheitsinformationen von Millionen Amerikanern in insgesamt 21 US-Bundesstaaten. Sie sollen mit einem der größten Gesundheitssysteme des Landes an einem geheimen Projekt arbeiten, berichtet das „Wall Street Journal“ am Montag unter Berufung auf Quellen und Dokumente.

    Googles Initiative bekam den Codenamen „Project Nightingale“ (dt. „Projekt Nachtigall“). Google startete sie letztes Jahr zusammen mit dem zweitgrößten Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten, Ascension (dt. „Der Aufstieg“), so die Zeitung.

    Im Rahmen des Projekts wurden unter anderem Laborergebnisse, Arztdiagnosen und Aufzeichnungen über Krankenhausaufenthalte analysiert. Sie umfassen außerdem die gesamte Krankengeschichte mitsamt Namen und Geburtsdatum des Patienten. Demnach wurden weder Patienten noch Ärzte über diese Datenübergabe in Kenntnis gesetzt.

    Informationen für neue Software benötigt

    Google soll dem „Wall Street Journal“ zufolge die Daten zum Teil für die Entwicklung einer neuen Software nutzen. Sie soll mit fortgeschnittener künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen unterstützt werden und könnte Änderungen bei der Pflege der Patienten vorschlagen. Mitarbeiter der Alphabet Inc., der Muttergesellschaft von Google, haben laut dem „Wall Street Journal“ Zugriff auf die gesamten Patienten-Informationen. Außerdem sollen einige Mitarbeiter von Google Brain, einer Forschungsabteilung, die sich mit maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz befasst, auch Zugang zur Krankengeschichte haben, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Dokumente.

    Insgesamt sollen mindestens 150 Google-Angestellte Zugang zu Millionen von Patienten haben, so das Blatt weiter.

    Die Initiative soll demnach die größte ihrer Art bei den Tech-Riesen des Silicon Valleys sein. So würden sowohl Amazon als auch Microsoft versuchen, sich aktiv am Gesundheitswesen zu beteiligen, hätten jedoch keinen derart großen Erfolg dabei.

    Verstoß gegen Datenschutz oder doch erlaubt?

    Einige Ascension-Mitarbeiter sollen der Zeitung nach die Art und Weise, wie die Daten gesammelt und weitergegeben werden, in Frage gestellt haben. Allerdings ist diese Vorgehensweise Datenschutzexperten nach laut dem Bundesrecht zulässig. Das Bundesrecht des Jahres 1996 soll Krankenhäusern im Großen und Ganzen erlauben, Daten mit Geschäftspartnern ohne Benachrichtigung der Patienten auszutauschen, solange die Informationen „nur dazu verwendet werden, dem betroffenen Subjekt dabei zu helfen, seine Funktionen im Gesundheitswesen zu erfüllen“.

    Vertreter von Google äußerten gegenüber dem „Wall Street Journal“, dass das Projekt des Unternehmens gesetzeskonform sei und einen zuverlässigen Schutz der Patientendaten gewährleiste. Der Vertreter von Ascension kommentierte die Informationen der Zeitung nicht.

    dg/ae

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    Projekt, Gesundheitswesen, USA, Google