07:20 06 Dezember 2019
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    F-22 der US-Luftstreitkräfte (Archivbild)

    Abschuss im Probekampf: Wie ein Franzose einen F-22-Kampfjet „killte“

    © Foto : U.S. Air Force / 2nd Lt. Sam Eckholm
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    Die F-22 soll ja das stärkste Jagdflugzeug in der Geschichte sein, soll höher fliegen und schneller als die Rivalen, für das Radar unsichtbar – das Kronjuwel der USAF. 180 Exemplare je Viertelmilliarde Dollar wurden gekauft: eine Übermacht ohnegleichen. Unschön nur, dass die F-22 Trainingskämpfe gegen ältere Jets verliert.

    Franzosen haben in Militärkreisen immer noch den unverdienten Ruf, schreibt das Portal „The National Interest“, auf dem Schlachtfeld inkompetent zu sein. Der Zweite Weltkrieg, die Niederlage… ein trauriges Geschichtskapitel für Frankreich. Dass ein französischer Kampfpilot eine F-22 in einem (simulierten) Luftkampf „abschoss“, zeigt umso mehr die Grenzen dieser angeblichen Wundermaschine auf, so das Portal.

    Die amerikanische F-22 bezwang der Franzose im November 2009. Ein F-22-Verband des 1. Jagdgeschwaders der USAF in Virginia war nach Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten geflogen für ein gemeinsames Training mit den „Rafale“-Jägern der französischen Luftwaffe und den „Eurofighter“-Kampfjets der Royal Air Force.

    Kampfjet vom Typ Dassault Rafale
    © Sputnik / Witalij Beloussow
    Kampfjet vom Typ Dassault Rafale

    Den Monat darauf veröffentlichte das französische Verteidigungsministerium ein Video, aufgenommen von der Frontkamera einer „Rafale“. Darauf zu sehen: Eine F-22 bei einem „Dog Fight“-Manöver in einer ziemlich nachteiligen Lage. Aus der Position des amerikanischen Kampfjets war abzuleiten, dass die französische Maschine zumindest eine Runde des Probekampfs gewonnen hatte.

    Die amerikanischen Piloten bestanden darauf, dass ihre Flugzeuge die November-Übung in Wirklichkeit ungeschlagen meisterten, schreibt „The National Interest“. Es sei doch so gewesen, dass die F-22 bei sechs Durchgängen „einer gegen einen“ die französischen „Rafale“ besiegt hätten. Fünf weitere Kampfsimulationen seien unentschieden geendet. Nur einen Verlust in der Kampfübung gaben die Amerikaner zu: Eine F-22 sei von einer „Mirage 2000“ getroffen worden, gesteuert von einem Piloten aus den Emiraten.

    Aber jenes Video, das von der „Rafale“-Kamera aufgenommen wurde, zeigt, dass die Amerikaner lügen oder sich zumindest irren. Es ist deutlich zu sehen, wie das französische Flugzeug sich in eine günstige Position manövriert, um eine infrarotgelenkte Luft-Luft-Rakete gegen die F-22 einzusetzen.

    Hier muss man allerdings fair sein, denn es ist unklar, welches Übungsszenario die beiden Jets flogen. War die F-22 womöglich langsamer und tiefer gestartet, um dem „Rafale“-Jet zu Trainingszwecken einen Vorteil zu verschaffen? Eines zeigt das Video dennoch: Der französische Kampfjet (ein Jahrzehnt älter und weniger raffiniert als die „Raptor“) kann es im Nahkampf bei niedrigeren Geschwindigkeiten mit der F-22 aufnehmen, so das Portal.

    Dass die „Raptor“ geschlagen werden kann, wussten die Amerikaner aber schon vor der November-Übung in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Obschon sie diese unbequeme Tatsache nicht so gern erwähnten, schreibt „NI“.

    Eine F-16 der US Air Force nämlich hatte es bei der allerersten Luftkampfübung der F-22 geschafft, die Stealth-Maschine zu „killen“. Laut dem Portal war das 2006. Auch einer EA-18 der US Navy gelang dies gleich zweimal – 2008 und 2009, wie „The National Interest“ schreibt. „Wie magisch eine F-22 auch sein mag, jeder Pilot kann mal Fehler machen“, kommentierte Hauptmann Dirk Smith, Kommodore eines F-22-Geschwaders, laut dem Magazin.

    Der „Luftkampf“ von 2009 war nicht der letzte mit „tödlichem“ Ausgang für die F-22. Im Juni 2012 arbeitete eine Gruppe deutscher Kampfpiloten die beste Taktik aus für den Abschuss der „Raptor“. Bei einer zweiwöchigen Übung in Alaska traten deutsche „Eurofighter“ acht Mal gegen einzelne F-22 an mit dem Ziel, Luftnahkämpfe zu simulieren.

    Der Clou sei, so nah wie möglich an die F-22 ranzukommen und dranzubleiben, sagte Hauptmann Mark Grüne von der deutschen Luftwaffe laut dem Portal.

    „Sie haben es nicht erwartet, dass wir so aggressiv auftreten.“

    Laut dem Bundeswehrpiloten punktet die F-22, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit und in großer Höhe rücklings angreift. Dann kann die amerikanische Maschine ihr Hightech-Radar und ihre Abstandswaffen ausspielen. Aber im langsamen, engen Zweikampf – die Piloten nennen es englisch: „Merge“ – ist die schwere F-22 im Nachteil. „Dann muss auch der ‚Eurofighter‘ die F-22 nicht fürchten“, so Hauptmann Grüne laut dem Portal.

    Das heißt auch (und das ist beunruhigend), dass die Rivalen aus China und Russland die F-22 erstrecht nicht zu fürchten brauchen, schreibt „NI“.

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    Tags:
    Royal Air Force, Bundeswehr, Deutschland, USAF, Frankreich, USA, Kampfjet, Eurofighter, F-22 Raptor, Rafale Dassault, Rafale