14:19 14 Dezember 2019
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    Ein F-35-Flugzeug

    Kampfjet F-35: Ein Amerikaner mit russischer DNA?

    © Foto : Senior Airman Alexander Cook : F-35 Demo Team performs at Wings Over Houston Airshow
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    30 Jahre nach dem Erstflug des sowjetischen Senkrechtstarters Jak-141 gelingt dem US Marine Corps mit einer F-35B der Senkrechtstart vom Deck eines Flugzeugträgers. Das Portal „The National Interest“ berichtet, wie das sowjetische VTOL-Programm dem Kampfjet von Lockheed Martin zum Vertikalflug verholfen hatte.

    Die Jak-141 hatte anfänglich Probleme zu überzeugen. Der schlechte Ruf ihrer Vorgängerin hing ihr an: Die Jak-38 war bei den sowjetischen Militärs ebenso beliebt wie ein „Haufen Hundekot“ – so nannten die ranghohen Sowjetoffiziere die Maschine unter sich, schreibt „NI“.

    Denn das VTOL-System der Jak-38 funktionierte zwar, aber es mangelte dem Jagdbomber an Reichweite und Schlagkraft (zumal im Vergleich mit der britischen „Harrier“). Auch fehlte ein verlässliches Radar. Den grausigen Schleudersitz der Jak-38 sollte man gar nicht erst erwähnen: Kampfpiloten müssen an dem automatischen Rettungskatapult zu Tode verzweifelt sein, so oft wie sie ohne Vorwarnung aus den Maschinen geschleudert wurden.

    Die Jak-141 wurde speziell dafür entworfen, die Nachteile der Jak-38 auszugleichen, insbesondere bei Reichweite und Geschwindigkeit. Zwei Prototypen flogen 1987 – und brachen mehrere Weltrekorde. Laut dem Entwickler (Jakowlew) war die Jak-141 das erste Flugzeug, das einen Senkrechtstart und einen Überschallflug schaffte.

    Allerdings wurde das Programm beerdigt, als einer der beiden Prototypen bei der Landung auf dem Flugzeugträger „Admiral Groschew“ im September 1991 explodiert war. Das Ende der Sowjetunion hätte dem Programm den Rest gegeben, wäre ein Multimilliarden-Konzern aus den USA nicht gewesen, schreibt „The National Interest“.

    Top-Secret-Projekt in aller Öffentlichkeit

    Der Rüstungsgigant Lockheed Martin pumpte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Geld in das Jak-141-Programm. Nicht selbstlos natürlich, sondern mit dem Ziel, an die Geheimnisse der ehemals sowjetischen Flugzeugkonstrukteure heranzukommen, so das Portal.

    1991 unterzeichneten Jakowlew und Lockheed Martin ein Abkommen, welches bis 1995 vor der Öffentlichkeit verborgen blieb. Gegenstand der Vereinbarung war eine Finanzierung für zusätzliche Jak-141-Prototypen. Auch die Vorführung des letzten verbliebenen Prototyps auf der Farnborough Airshow 1992 war Teil der Abmachung.

    Selbstverständlich hatte Lockheed Martin keinerlei Intention, die Produktion der Jak-141 für den Export zu fördern. Als Deckmantel für die Beschaffung wichtiger Testdaten aus dem Jak-141-Programm machte der Vertrag für das US-Unternehmen weitaus mehr Sinn, schreibt „NI“.

    Besonders wertvoll für die Amerikaner waren die ergiebigen Daten aus den VTOL-Versuchen, die die Sowjets über die Jahre der Arbeit mit den Prototypen gesammelt hatten. Das waren die kritischen Datensätze, die dazu beitrugen, das Antriebssystem zu entwerfen, das die F-35 im Kern ausmacht.

    Die F-35 hebt ab

    1995 wird die Zusammenarbeit von Lockheed Martin und Jakowlew öffentlich gemacht. Bereits 1997 wird sie eingestellt, offiziell. Das spezifische Design der Jak-141 lebt indes weiter, schreibt das Magazin.

    Als Lockheed Martin 1994 eine VTOL-Variante seines X-35-Demonstrators für das Joint Strike Fighter-Programm des Pentagons vorschlägt, unterscheidet sich deren Triebwerksdesign radikal von dem ursprünglichen Entwurf, den der US-Konzern vor der Kooperation mit Jakowlew beim Pentagon eingereicht hatte. Bezeichnet wird das neue Design als „ASTOVL Configuration 141“ – wobei die Namensähnlichkeit mit der Jak-141 auch Zufall sein kann, schreibt „The National Interest“.

    Um es deutlich zu sagen: Der Gesamtentwurf der F-35 ist nicht dem Design der Jak-141 nachgebildet, so das Portal. Die sowjetische Maschine nutzt eine andere Stabilisierungsmethode (s. die beiden vorderen Düsentriebwerke) und weist ein abweichendes aerodynamisches Profil auf.

    Aber es ist nahezu sicher, so das Magazin, dass die Daten aus dem sowjetischen VTOL-Projekt in die Entwicklung der Senkrechtstartvariante der F-35 eingegangen sind. Das bedeutet wiederrum, dass die F-35 ihre Existenz zumindest teilweise einem Waffenprogramm aus der Sowjetära verdankt. Als technische Vorgängerin der F-35 kann die Jak-141 nicht angesehen werden, eine russische DNA hat der amerikanische Joint Strike Fighter offenbar aber, schreibt „The National Interest“.

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    Tags:
    USA, Sowjetunion, Kampfjet F-35, F-35