10:03 10 Dezember 2019
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    Sturmgewehr Ak-12

    Sturmgewehr AK-12: Wie altbewährte Konzepte sich gegen neuste Features durchsetzten

    © CC BY-SA 4.0 / Vitaly V. Kuzmin / Wikimedia Commons (cropped)
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    Die Kalaschnikow AK-12 wurde 2018 vom russischen Verteidigungsministerium zur Truppeneinführung freigegeben. Damit war die lange Suche nach einem Sturmgewehr für die russischen Streitkräfte beendet. Aber wie neu ist dieses Waffensystem wirklich? Das Portal „The National Interest“ berichtet.

    Die Geschichte des AK-12-Gewehrs beginnt mit der AK-100-Serie des Izhmash-Konzerns, schreibt das Portal: Die Sturmgewehre AK-107 und AK-109 zeichneten sich durch geringeren Rückstoß aus, ermöglicht durch ein automatisches System mit einem beweglichen Gegengewicht.

    Das änderte nichts daran, dass die Waffen sich bei Werktests als „einfach nicht gut genug“ erwiesen. Die Rückstoßautomatik war von „eingeschränktem Nutzen“, so das Portal. In bestimmten Schusspositionen hatte das System seine Vorteile, ansonsten verkomplizierte es das Sturmgewehr nur durch Zusatzgewicht und Nachladeschwierigkeiten. Ähnliche Handikaps wies auch das mit der AK-107 stark verwandte AK-109-Gewehr auf.

    Damit hatte der Izhmash-Konzern kein Waffensystem zu bieten, das für die künftige Gefechtsausrüstung „Ratnik“ geeignet wäre. Mit einem Wechsel an der Konzernspitze 2011 änderte sich dies, schreibt das Portal: Wladimir Slobin wurde Chefentwickler des Waffenbauers und machte sich daran, ein Gewehr praktisch von null auf neu zu konzipieren.

    Die AK-12 war das Ergebnis. Von den früheren Kalaschnikows erhielt die Neuentwicklung nur das Langhub-Gaskolbensystem, wies aber ansonsten technische Lösungen auf, die bei westlichen Sturmgewehren üblich waren: der Durchladehebel ließ sich auf die andere Seite verlegen, der Feuerwahlhebel konnte beidhändig betätigt werden, auf dem Gehäuse war eine NATO-typische Picatinny-Schiene angebracht. Das Sturmgewehr war im Kaliber 5,45 x 39 ausgelegt und nutzte das Standard-Magazin der AK-74.

    Weil im „Ratnik“-Programm Sturmgewehre in zwei Kaliberausführungen getestet werden sollten (5,45 x 39 und 7,62 x 39 mm), reichte Izhmash 2014 zusätzlich zu dieser Neuentwicklung eine Modifikation der AK-103 zur Erprobung ein: die AK-103-3 (es handelte sich im Grunde nur um eine AK-74M im Kaliber 7,62 x 39).

    Der Ausgang der Erprobung war für den Rüstungskonzern ein Desaster, schreibt „The National Interest“: Weder die AK-12 noch die AK-103-3 erfüllten die Anforderungen des Verteidigungsministeriums: Das neue Design der AK-12 müsse bei Zuverlässigkeit und Belastbarkeit noch intensiv nachgebessert werden. Zudem koste das Sturmgewehr das Fünf- bis Sechsfache einer AK-74M.

    Besucher der Rüstungsmesse Army-2018 hält eine AK-12
    © Sputnik / Ramil Sitdikow
    Besucher der Rüstungsmesse Army-2018 hält eine AK-12

    Die erforderlichen Nachbesserungen hätten Zeit und Geld gekostet, die aufzubringen der Izhmash-Konzern laut dem Portal nicht bereit war. Für die Serienfertigung wurden die Sturmgewehre A-545 und A-762 des Konkurrenten ZiD (Degtjarjow-Werk) empfohlen.

    Es kam erneut zum Führungswechsel bei Izhmash – 2014, während die Erprobung stattfand. Izhmash wurde in den Kalaschnikow-Konzern überführt, wieder wurde der Chef des Entwicklungsteams ausgewechselt: Unter der Führung von Sergej Urschumzew wurden die Arbeiten an der komplett neuen AK-12 angehalten. Stattdessen begann das Team mit der Modernisierung traditioneller AK-Gewehre, schreibt „NI“.

    Auf den Erfahrungen mit der AK-103-3 aufbauend wurde letztlich als AK-400 ein Sturmgewehr angeboten, das viele vorhandene technische Lösungen beinhaltete: 54 Prozent der AK-400-Teile waren mit jenen der AK-74M identisch. Bei der brandneuen AK-12 hatte die Übereinstimmung weniger als zehn Prozent betragen.

    2015 war die Entwicklung der AK-400 abgeschlossen, das Sturmgewehr wurde in das staatliche Testprogramm aufgenommen. Die Version im Kaliber 5,45 erhielt die Bezeichnung AK-12, das Modell im Kaliber 7,62 wurde mit dem Kürzel AK-15 benannt.

    Die neu-neue AK-12 zeigte bessere Leistungen bei der Erprobung. 2016 befanden die staatlichen Prüfer, die beiden Gewehre erfüllten die Anforderungen. Im Vergleich zur AK-74M war das neue Sturmgewehr ein halbes Kilogramm leichter, sorgfältiger verarbeitet und für die Integration neuer Ziel- und Zusatzsysteme geeignet.

    Die nächste Testphase begann 2017. Vier Truppengattungen des russischen Militärs – die Infanterie, die Luftlandetruppen, die Marineinfanterie und die Spezialkräfte – erprobten die AK-12 und -15 gegen die A-545 und A-762 der Konkurrenz.

    Diese beiden Modelle wurden von der Marineinfanterie und den Luftlandetruppen dafür kritisiert, im Feuergefecht zu viel Mündungsfeuer auszustoßen und dadurch die Sicht des Schützen zu behindern. Sie bevorzugten die AK-12, zumal der Hersteller für die A-545 und A-762 das Zehnfache einer AK-74M verlangte.

    Das Kalaschnikow-Gewehr gewann die Tests und wurde zur Truppeneinführung vorgeschlagen. Die beiden Waffensysteme von Degtjarojw wurden allerdings zum Einsatz bei den Spezialkräften freigegeben: der Rückstoß sei ausgeglichener. 2019 schließlich fiel die Entscheidung für die Massenfertigung der AK-12 und AK-15 (davon abgeleitet wurde die Exportversion AK-200).

    Wenn die Geschichte dieses Sturmgewehr eines zeigt, so das Portal, dann die Resistenz der russischen Waffenbeschaffer für Veränderungen. Im Kern entspricht die AK-12 nahezu unverändert den allerersten Kalaschnikows, die Ende der 1940er Jahre das Band verließen.

    Die ursprüngliche AK-12 – der Entwurf von Wladimir Slobin – war laut „NI“ ein Versuch, von altbewährten Konzepten durch eine ausbalancierte Rückstoßautomatik und westliche Ergonomie-Lösungen abzuweichen. Gegen das traditionelle Waffendesign der russischen Armee konnten sich diese Features nicht durchsetzen.

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    Tags:
    Russland, Ratnik, AK-12, AK-74M, Kalaschnikow