20:12 14 Dezember 2019
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    Chinesische Luftabwehrsysteme des Typs HQ-9B bei der Militärparade in Peking zum 100. Jahrestag der Gründung chinesischer Volksrepublik

    Zukunft sichern: Wie entwickelt China seine Raketenabwehr?

    © AFP 2019 / GREG BAKER
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    Die Volksbefreiungsarmee stärkt die technologieintensiven Truppengattungen. Schon heute gilt Chinas Flug- und Raketenabwehr – ausgerüstet mit Waffensystemen aus heimischer und russischer Fertigung – als eine der weltstärksten. Was bringt die Zukunft? Das Portal „Army News“ berichtet.

    Nach dem Ausstieg Washingtons aus dem ABM-Vertrag 2001 hat Peking die Entwicklung von Raketenabwehrsystemen beschleunigt. Konkrete Zahlen, Pläne, Ziele veröffentlicht Chinas Führung wie gewöhnlich nicht oder nur spärlich. Was die chinesischen Entwickler in puncto Raketenabwehr erreicht haben, wird häufig erst aus den Berichten westlicher Nachrichtendienste ersichtlich, die die chinesischen Testareals beobachten, schreibt „Army News“.

    Wie der Pentagon-Geheimdienst DIA im Februar 2019 laut dem Portal öffentlich berichtete, arbeitet China nicht nur an Effektoren (Abwehrraketen zur Zielbekämpfung durch kinetische Einwirkung), sondern auch an Satelliten, die mit Kampflasern ausgerüstet sind, um gegen die optronischen Aufklärungssysteme gegnerischer Satelliten vorzugehen.

    In den Geheimdienstberichten wird das Abwehrsystem HQ-29 erwähnt: gilt in Fachkreisen als Gegenstück zum amerikanischen „Patriot“-System. Die Arbeit am HQ-29 hatte 2003 begonnen, 2011 gelang der erste erfolgreiche Schusstest.

    Einige westliche Experten halten das HQ-29 für eine Erweiterung des Abwehrsystems HQ-9, bestimmt für den unmittelbaren Schutz von Armeeeinheiten vor taktischen und operativ-taktischen Flugkörpern.

    Auf HQ-9-Basis ist auch die Abwehrrakete HQ-19 entwickelt worden, zur Bekämpfung von operativ-taktischen und ballistischen Mittelstreckenraketen sowie Satelliten auf tieferer Umlaufbahn: Ein Gegenstück zum amerikanischen THAAD, wie es laut dem Portal in China heißt.

    Als Effektor ist ein kinetischer Gefechtskopf aus Wolfram vorgesehen. Die Einwirkung erfolgt durch Direkttreffer; Kurskorrekturen beim Zielanflug sind durch mehr als 100 Strahlruder, die am Gefechtskopf angebracht sind, möglich.

    Dem Vernehmen nach könnte die Abfangrakete 2021 in Dienst gestellt werden, womit die Volksbefreiungsarmee ein Abwehrsystem erhält, welches ballistische Raketen mit Reichweiten von bis zu 3000 km mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit abfangen kann.

    Dieselbe Abfangrakete – die HQ-19 – wird laut „Global Security“ auch im Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsystem HQ-26 eingesetzt. Damit gleicht sie im Einsatzprofil dem seegestützten Interceptor SM-3 der US Navy. Angenommen wird, dass chinesische Kreuzer „Type 055“ mit dem HQ-26 ausgerüstet werden. Auch kann dieses Abwehrsystem an Land stationiert werden.

    Zeichnung eines Typ-55-Zerstörers
    Zeichnung eines Typ-55-Zerstörers

    Außer Flugkörpern, die in der Endetappe des Anflugs zu bekämpfen sind, gilt es auch Gefechtsköpfe ballistischer Interkontinentalraketen fernab des chinesischen Territoriums abzuwehren. China entwickelt einen entsprechenden Interceptor. Zur Bekämpfung von Satelliten im erdnahen Orbit soll dieses Abfangsystem ebenfalls geeignet sein.

    Am 11. Januar 2007 zerstörte eine Abfangrakete SC-19, von einer mobilen Startrampe abgefeuert, durch einen Direkttreffer einen ausgemusterten chinesischen Satelliten in einer Höhe von 865 km. Exakt drei Jahre später wurde bei einem Schusstest eine ballistische Kurzstreckenrakete mit einer SC-19 abgewehrt.

    Am 13. Mai 2013 wurde der Weltrauminterceptor „Dong Neng-2“ (DN-2) bei einem Schusstest abgefeuert. Als Trägerrakete diente laut „Global Security“ eine speziell modifizierte Mittelstreckenrakete DF-21. Zwar hatte es keinen Treffer ins Zielobjekt gegeben, aber chinesische Offizielle bezeichneten den Versuch als erfolgreich, schreibt das Portal.

    Chinesische Mittelstreckenraketen DF-21 (Archivbild)
    © Sputnik / Anton Denissow
    Chinesische Mittelstreckenraketen DF-21 (Archivbild)

    Im November 2015 erklärte das Pentagon, China habe den Weltrauminterceptor „Dong Neng-3“ (DN-3) getestet. Im Juli 2017 und Februar 2018 fanden weitere Tests statt. Beschleunigt wird die DN-3 von einer Raketenstufe mit Feststoffantrieb. Zum Manövrieren im Weltraum verfügt der Interceptor über ein Flüssigkeitstriebwerk.

    Bestimmt ist die DN-3 demnach zur Abwehr von Gefechtsköpfen ballistischer Raketen und zur Bekämpfung von militärischen Frühwarn-, Kommunikations- und Spionagesatteliten in Höhen zwischen 300 und 1000 km.

    Auffällig ist, dass chinesische Konstrukteure bei der Entwicklung von Abwehrsystemen auf die schwierige Technik des kinetischen Einschlags setzen. Offensichtlich soll dadurch das Risiko elektronischer Gegenmaßnahmen gegen Feuerleitradare und Kommunikationssysteme ausgeschlossen werden, schreibt „Army News“.

    Die Zeitung „Renmin Ribao“, das offizielle Sprachrohr der chinesischen KP, kommentiert die Entwicklung des Raketensystems in China folgendermaßen: „China testet erfolgreich sein bodengestütztes Raketenabwehrsystem, das dazu bestimmt ist, ballistische Raketen im Marschflug abzufangen. Die Tests der Abfangraketen tragen friedlichen Charakter. Sie sind keineswegs gegen irgendwelche Länder gerichtet“, so das Parteiblatt laut dem Portal.

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    US-Flugabwehrraketen Patriot, THAAD, USA, Flugabwehr-Raketensystem HQ-9, Rakete DF-21, China