21:14 15 Dezember 2019
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    Der chinesische Langstreckenbomber des Typs H-6 in einer Ausstellung

    „The Next“: Chinas neuer Bomber könnte Amerika stressen

    © CC BY-SA 4.0 / Tyg728 / Wikimedia Commons (cropped)
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    An martialischen Auftritten im Matrix-Style sparen weder die Amerikaner noch die Chinesen, wenn sie ihre künftigen Bomber ankündigen. Bald schon kommt er: „Der Nächste“, heißt es in einem actionreichen Werbefilm des chinesischen Luftfahrtkonzerns Xi’an Aircraft Industrial Corporation. 2025 könnte Chinas neuer strategischer Bomber fliegen.

    Strategische Bomber machen Sinn für Peking, schreibt das Portal „The National Interest“ (NI). Denn nichts ist so wichtig für Chinas äußere Sicherheit wie die westliche Hälfte des Pazifiks: jene 5000 bis 6000 Ozeanmeilen, die das Land von der anderen Großmacht trennen, den USA. Die haben im vergangenen Jahrhundert ein ganzes Netzwerk von Militärbasen in der Pazifikregion aufgebaut – die Flugzeugträger kommen als Mittel der Kraftprojektion noch hinzu.

    Bis vor kurzem erwog die chinesische Militärführung, einen Überschallbomber wie im späten Kalten Krieg entwickeln zu lassen, ähnlich der russischen Tu-160 oder amerikanischen B-1. Als JH-XX würde der Nachfolger der derzeitigen H-6 bezeichnet, die die chinesische Luftwaffe als strategisches Bombenflugzeug betreibt.

    Dieses Konzept scheint inzwischen aber aufgegeben worden zu sein, schreibt „The National Interest“: Das Letzte, was man von JH-XX gesehen hat, war 2013 eine Entwurfsskizze in einer chinesischen Zeitschrift.

    Die Luftwaffe der Volksrepublik verfolgt nun offenbar einen anderen Ansatz: H-20, ein langsamerer Nurflügler, der dafür umso tarnkappenfähiger ist – wie die B-2 oder die künftige B-21 der US Air Force.

    Ein besonderer Vorteil von Nurflüglern ist, dass sie für eine Detektion durch Niederfrequenzradare weniger anfällig sind, schreibt „NI“. Solche Radare nutzen die bordgestützten AWACS-Maschinen E-2 „Hawkeye“ der US Navy.

    Die ersten Berichte und Gerüchte über die H-20 kamen Anfang der 2010er Jahre auf. Die aus chinesischen Medien bekannten Eckdaten: vier Strahltriebwerke WS-10A Taihang ohne Nachbrenner, eingebaut in den oberen Teil der Tragfläche, mit S-förmig gezackten Lufteinlässen für mehr Stealth.

    Die WS-10-Motoren sind übrigens stark problemanfällig, was die chinesischen Hersteller allerdings nicht davon abhält, Kampfjets mit diesen Triebwerken (und Problemen) zu bauen, so „The National Interest“. Der chinesische Zukunftsbomber soll ohne Luftbetankung eine Reichweite von über 5.000 Meilen erzielen, bei einer Waffenlast zwischen zehn und zwanzig Tonnen.

    Sofern diese Werte stimmen und die Maschine wirklich über Stealth-Eigenschaften verfügen wird, könnte laut dem Portal das strategische Kalkül der Vereinigten Staaten kräftig verzerrt werden.

    Die heutigen H-6-Bomber der chinesischen Luftwaffe sind dafür zwar waffentechnisch gerüstet. Aber sie sind durch das Radar detektierbar und können bei entsprechender Vorwarnung rechtzeitig abgefangen werden.
    Die heutigen H-6-Bomber der chinesischen Luftwaffe sind dafür zwar waffentechnisch gerüstet. Aber sie sind durch das Radar detektierbar und können bei entsprechender Vorwarnung rechtzeitig abgefangen werden.

    Der Einsatzbereich der H-20 würde über den „zweiten Inselring“ (Japan, Guam, die Philippinen) hinausreichen, bis heran an Hawaii und die Küste Australiens. Die Flotten der Navy und Basen der Air Force in der Pazifikregion wären vor überraschenden Luftangriffen nicht mehr sicher, schreibt „NI“.

    Der beste Weg, in einem Konflikt die Luftübermacht der Vereinigten Staaten zu brechen, ist es, die Flugzeuge der USAF oder USN gleich in den ersten Konfliktstunden noch am Boden oder auf dem Trägerdeck zu zerstören.

    Die heutigen H-6-Bomber der chinesischen Luftwaffe sind dafür zwar waffentechnisch gerüstet. Aber sie sind durch das Radar detektierbar und können bei entsprechender Vorwarnung rechtzeitig abgefangen werden.

    Ein Stealth-Bomber könnte deutlich näher an die Trägerkampfgruppen und die Flugplätze heranfliegen, bevor er seine Waffen einsetzt: Die Reaktionszeit der gegnerischen Flugabwehr wäre dann zu kurz. Eine Bresche wäre geschlagen für weitere Angriffswellen auch mit älteren, nicht-tarnkappenfähigen Kampfjets.

    Außerdem wird die H-20 höchstwahrscheinlich nuklearfähig sein. Denn laut dem Portal ist Peking beunruhigt, dass die amerikanische Raketenabwehr das chinesische Arsenal an see- und landgestützten Interkontinentalraketen im Einsatzfall neutralisieren könnte.

    Ein Stealth-Bomber wäre eine neue Komponente, gegen die die US-Abwehr nicht ankommt. Die Atom-Triade Chinas – nuklearfähige U-Boote, ballistische Raketen und eben Bomber – wäre mit der H-20 perfekt.

    Einige Medien in China schreiben laut dem Portal, die H-20 könnte auch als vernetzte Aufklärungs- und Führungsplattform eingesetzt werden: sozusagen als Leitstand für luft-, boden- und seegestützte Langstreckenwaffen. Mit einem AESA-Radar ausgerüstet, würde die H-20 im Vorausflug die gegnerischen Wertziele aufspüren, um die Zielkoordinaten an weitentfernte Waffenstellungen zu übermitteln.

    Dass über den Zukunftsbomber gegenwärtig immer häufiger berichtet wird, könnte ein Anzeichen für die anstehende Präsentation der Maschine in der Öffentlichkeit sein, schreibt „NI“. Den Erstflug der H-20 sagen Analysten für die frühen 2020er voraus. 2025 würde demnach die Serienreife erreicht.

    Oder die Aufmerksamkeit, die die sonst so verschwiegene Führung in Peking für die H-20 zu erreichen versucht, ist ein Indiz dafür, dass Chinas Zukunftsbomber noch vor seinem Erstflug als strategische Abschreckungswaffe dienen soll. Das Pentagon wird jedenfalls reagieren müssen, schreibt „The National Interest“ – mit neuen Anti-Stealth-Technologien, die bislang nur China und Russland besitzen.

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    Tags:
    Russland, Tu-160, B-21 Raider, Tarnkappentechnik, Südostasien, USA, China, Xian H-6K