06:25 11 Dezember 2019
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    Prototypen von Northrop-McDonell Douglas YF-23 im Flug (Archivbild)

    Boeing vs. Lockheed: Das waren die Stealth-Rivalen von F-35 und F-22

    © Foto : U.S. Air Force / Public Domain
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    F-35 der US-Luftwaffe – ein Jet der Zukunft oder eine Katastrophe? (27)
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    Das Pentagon setzt auf die F-22 und die F-35. Bei den vielen Problemen, die die Kampfjets im praktischen Dienst verursachen, fragt man sich aber, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn das amerikanische Verteidigungsministerium sich anders entschieden hätte. Optionen gab es ja. Das Portal „The National Interest“ berichtet.

    Als der Kalte Krieg seinem Ende nahe war, brauchten alle fliegerischen Kräfte des US-Militärs einen Ersatz für ihre Kampfjets der 4. Generation. Die Air Force suchte einen Nachfolger für die F-16 und F-15; die Navy musste die F/A-18 austauschen; die Marines brauchten eine „Harrier“ der nächsten Generation.

    Um die Entwicklungs-, Beschaffungs- und Betriebskosten der künftigen Kampfjets einigermaßen im Griff zu behalten, startete das Pentagon das Projekt „Joint-Strike-Fighter“ für alle drei Truppengattungen – eine eierlegende Wollmilchsau: Der Kampfjet sollte konventionell, auf einem Trägerdeck und im STOVL-Modus starten und landen können – ohne große Einbußen beim Kampfwert und der Leistungsfähigkeit. Den amerikanischen Flugzeugbauern wurde der größte Deal der Friedenszeit in Aussicht gestellt, schreibt „The National Interest“. Boeing und Lockheed Martin gewannen Aufträge für den Bau von je zwei Vorführprototypen.

    Die X-32

    Boeing schickte die X-32 ins Rennen. Ihre Performance war mit jener der F-35 von Lockheed Martin vergleichbar, doch die Konstruktion war eine grundlegend andere. Ein im Vergleich mit der F-35 weniger fortschrittliches, aber auch weniger komplexes System.

    Um durch niedrige Kosten zu überzeugen, entwickelte Boeing die X-32 rund um einen Deltaflügel herum, auf dessen Basis alle drei Varianten entstehen sollten. Einen wellengetriebenen Hubpropeller wie die F-35 hatte der Kampfjet von Boeing nicht. Stattdessen wurden Schwenkdüsen genutzt wie bei der „Harrier“.

    Boeing X-32B
    Boeing X-32B

    Die X-32 war für eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 1,6 ausgelegt, schreibt „The National Interest“. Der interne Waffenschacht fasste sechs Luft-Luft-Raketen AMRAAM oder alternativ zwei Raketen und zwei Bomben. Die Reichweite und die Tarnkappenfähigkeit entsprachen weitgehend jenen der Konkurrenz. Auch konnte im Rumpf der X-32 viel von der elektronischen Ausrüstung untergebracht werden, die die F-35 heute aufweist.

    Was das Projekt von Boeing letztlich verhindert hat, war die Verkaufsstrategie des Flugzeugherstellers, so das Portal. Statt einen Demonstrator zu bauen mit den Fähigkeiten, die für alle drei Truppengattungen verlangt waren (für die Air Force, die Navy und die Marines), baute Boeing zwei: den einen für den konventionellen Überschallflug, den anderen für die Senkrechtstarts und -landungen.

    Der Vorführprototyp von Lockheed Martin konnte beides. Die innovative (wenn auch riskante) Konstruktion der F-35 mit dem Turbofan als Hubschraube überzeugte die Verantwortlichen vom Pentagon. Auch galt Lockheed als erfahren genug für ein großes Zukunftsprojekt, weil der Konzern schon die F-22 entwickelt hatte.

    Die YF-23

    Weil mit der Ausmusterung der F-15 ein leistungsfähiger Abfangjäger aus dem Dienst ausscheiden würde, brauchte die US Air Force einen neuen Luftüberlegenheitsjäger. Die Ausschreibung für einen „Advanced Tactical Fighter“ („Fortschrittliches Taktisches Kampfflugzeug“) brachte zwei beachtliche Kampfjetkonstruktionen hervor, schreibt „The National Interest“. Eine dieser beiden Maschinen landet später als Ausstellungsstück im Luftfahrtmuseum.

    Dabei hatten die Boeing- und die Lockheed-Entwicklung ihre Vorteile. Die YF-23 verfügte über etwas stärkere Supercruise-Leistungen als die F-22. Auch bei der Tarnkappenfähigkeit war die Boeing-Maschine etwas besser als die Rivalin von Lockheed. Allerdings bot die F-22 ein klareres, weniger riskantes Design und war dabei hochgradig manövrierfähig – ein exzellenter Fighter für den Kurvenkampf, so das Portal.

    Letztlich förderten politische Faktoren die Auswahl der F-22, schreibt „The National Interest“. Die Navy lehnte die YF-23 ab und rechnete mit einer an ihre Bedürfnisse angepassten Lockheed-Maschine. Die Air Force indes schätzte die ausgezeichnete Agilität der F-22, die laut dem Portal in nahezu jeder Luftkampflage wirklich überlegen war.

    Wäre die Ausschreibung für einen „Advanced Tactical Fighter“ zeitlich nicht mit dem Ende der Sowjetunion zusammengefallen, hätte die YF-23 womöglich eine Chance gehabt. Bei manchen Parametern und Konstruktionslösungen war der Boeing-Jet überaus innovativ. Es wäre auch denkbar gewesen, die beiden Kampfjets parallel entwickeln zu lassen: als Förderung für die amerikanische Rüstungsindustrie. Zur Fusion von Boeing und McDonell Douglas trug die Entscheidung für die F-22 jedenfalls bei, so das Portal.

    Dafür hatte die YF-23, wie „The National Interest“ schreibt, nie mit den Problemen der F-22 zu kämpfen. Ausufernde Kosten, technische Fehltritte, Software-Chaos oder die Ausfälle des Sauerstoffsystems für den Piloten – all die Schwierigkeiten, die ein Kampfjet in der Entwicklung überwinden muss (wobei das Ersticken von Piloten eine Eigenart der F-22 ist), so das Portal.

    Die YF-23 enthielt auch einige Lösungen, die in die Kampfjets der 6. Generation eingehen könnten. Oder in das Konzept des „Deep Interceptor“: eines Jagdflugzeugs, das die künftigen B-21-Bomber bei Einsätzen tief ins feindliche Gebiet begleiten soll, schreibt „NI“.

    Auf seine Erfahrungen mit der YF-23 wird Boeing ganz bestimmt zurückgreifen, wenn es um die Entwicklung der nächsten Kampfjet-Generation geht. Bis dahin ist der immer noch futuristisch anmutende Prototyp der Boeing-Maschine im Nationalmuseum der US Air Force in Dayton (Ohio) zu sehen – gleich neben der letzten verbliebenen XB-70 „Valkyrie“.

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