07:41 11 Dezember 2019
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    US-Militärs besichtigen eine chinesische Shenyang J-11 (Archivbild)

    Plagiat gelungen: Wie russisch ist Chinas Jagdbomber J-11?

    © Foto : DoD / Staff Sgt. D. Myles Cullen
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    Muss man noch sagen, dass die chinesische Shenyang J-11 eine Kopie der russischen Suchoi Su-27 ist? Eine exzellente Kopie, schreibt das Portal „The National Interest“. Erst hatten die Chinesen die Lizenz für die Su-27 gekauft, dann überlegten sie es sich anders, dann war der chinesische Jagdbomber fertig, der so russisch aussieht.

    Noch mehr fertige Kampfflugzeuge zu kaufen, sei für China nicht mehr von Interesse, sagten ranghohe Männer aus Peking ihren russischen Kollegen in Moskau. Aber eine Lizenz, um die Su-27 in China zu fertigen… die würde man kaufen. Das war 1995: Russland war bettelarm und hatte das Geld bitter nötig.

    Der Deal wurde gemacht, schreibt das Portal: 200 russische Jagdbomber „Made in China“ (jetzt bezeichnet als J-11) für 2,5 Milliarden Dollar – unter der einen Bedingung, dass die Triebwerke und die Avionik der Kampfjets weiterhin in Russland zu fertigen sind. Ob die großen Männer aus Peking und Moskau auf den Deal angestoßen haben, weiß man nicht.

    Chinesische Shenyang J-11
    Chinesische Shenyang J-11

    Aber was dann später passierte, war „witzig“, wie „National Interest“ schreibt. 2004 – da war die hundertste J-11 in China gerade zusammengeschraubt worden – kündigten die Chinesen den Vertrag samt den hundert restlichen Maschinen. Die Su-27 (alias J-11) entspreche nicht mehr dem Bedarf. Drei Jahre später erklärte Peking laut dem Portal, die Shenyang Aircraft Corporation baue längst eine J-11B „ohne dass Russland dazu beiträgt“.

    In der Tat waren 90 Prozent der Bauteile der J-11B aus heimischer Fertigung, schreibt „NI“ – nur die komplette Zellkonstruktion war mit jener der Su-27 nahezu identisch. Peking drückte sich einfach vor der vereinbarten Zahlung und entwickelte eine Su-27 spiegelverkehrt.

    Die Verantwortlichen in Russland waren natürlich sehr verärgert, knurrten was von „Urheberrechte“ und „gerichtlich durchsetzen“. Aber was willst du mit einem Partner machen, dem du 40 Prozent deiner Waffenexporte verkaufst (zumindest in den ersten acht Jahren der 2000er)? Am Ende, so scheint es, hat es die russische Rüstungsindustrie den Chinesen wohl doch nicht vergolten, schreibt „The National Interest“.

    Und es stimmt ja auch: Die J-11B wurde in vielfacher Hinsicht überarbeitet und ist absolut chinesisch, so das Portal. Das Glascockpit und das optische Raketenwarnsystem sind komplett neu; das ältere russische Radar wurde durch eine chinesische Pulse-Doppler-Anlage ersetzt, die Jagdbomber angeblich aus rund 150 und Kampfschiffe aus circa 350 km Entfernung erkennen kann; die Zelle besteht aus leichteren Verbundwerkstoffen. Auch bei den Waffen: Die J-11B ist auf den Einsatz chinesischer Bomben und Raketen ausgelegt.

    Der Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ (Archivbild)
    Пресс-служба Северного флота
    Nur eine Schwäche plagte die J-11B, wie „The National Interest“ schreibt: die Motoren – WS-10A, auch „Made in China“. Darüber, ob sie ein Nachbauversuch der russischen AL-31F-Triebwerke sind (die der Su-27) herrscht Uneinigkeit. Vielleicht sind sie auch eine Eigenentwicklung mit den Bauteilen amerikanischer Strahltriebwerke, die China laut dem Portal noch in den Achtzigern erworben hatte.

    Jedenfalls mussten die WS-10A-Motoren alle 30 Flugstunden generalüberholt werden. Bei den russischen Triebwerken der Su-27 beträgt das Intervall immerhin 400 Flugstunden. Für die chinesische J-11B-Flotte hieß es deshalb: grounden und mit den AL-31F der Russen nachrüsten, schreibt das Portal.

    Noch ein Trostpflaster für Russland: Im Unterschied zu anderen chinesischen Kopien der russischen Kampfjets ist die J-11 nicht exportiert worden. Außerdem hatte Peking seine Partner in Moskau wegen des Kaufs einer geringen Stückzahl von Su-35 kontaktiert. Nach anfänglichem Zögern hat Russland einer Order von 24 Maschinen zugestimmt. Wieder ein Milliarden-Deal.

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    Tags:
    Su-27, J-11, Russland, China