02:48 03 Dezember 2020
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    Boeing verdrängt sich offensichtlich selbst vom Markt für Passagierjets. Erst die zwei 737 MAX, die kurz nacheinander abstürzten, dann die Pannen bei den Werktests. Bekommt die russische Passagiermaschine MS-21 dadurch Aufwind, gleich beim Start?

    Das Umfeld scheint jedenfalls günstig zu sein: Die russische Technologieholding Rostec verhandelt derzeit darüber, die neue russische MS-21 an mehrere Länder am Persischen Golf auszuliefern, hieß es auf der Dubai Airshow unlängst. Die russischen Flugzeugbauer verfolgen das Ziel, mit Firmen wie Boeing zu konkurrieren, erklärte der CEO der russischen Technologieholding Rostec, Sergej Tschemesow, auf der Luftfahrtmesse.

    Da es ein hohes Maß an Beunruhigung gebe, ob die Passagiermaschinen von Boeing wirklich sicher seien, ergeben sich gegenwärtig neue Möglichkeiten für den Export der MS-21 und der modernisierten SSJ-100, sagte Tschemesow laut dem Portal „Topcor“.

    Dass das SSJ-100-Programm (Suchoi Superjet) nicht frei von Problemen ist, wissen die Russen natürlich genauso wie die Konkurrenz. Der Regionaljet, dessen Entwicklung der Staat stark subventionierte, ist international schwach aufgestellt. Um den Anteil ausländischer Bauteile zu senken, ist eine Modernisierung notwendig. Selbst der Ersatz von Triebwerken – eine französisch-russische Gemeinschaftsentwicklung – wird diskutiert. Zudem verlangt der Markt für Regionalflugzeuge nach einer kürzeren und einer längeren Version der SSJ.

    Die Aussichten für die MS-21 sind da deutlich besser, schreibt „Topcor“. Die russische Passagiermaschine ist mit ihren 150 bis 211 Sitzen exakt im Standardrumpf-Segment platziert. Der Anteil ausländischer Bauteile ist deutlich geringer, bei den Triebwerken stehen zwei Aggregate zur Verfügung: ein Motor von Pratt & Whitney und die russische Neuentwicklung PD-14.

    Im Mai 2017 flog die MS-21 zum ersten Mal, für 2021 ist der Start der Serienfertigung geplant. Bislang liegen 175 feste Bestellungen für den neuen russischen Verkehrsjet vor. Der Hersteller (die United Aircraft Corporation) plant, bis 2037 ganze 1000 Stück an Kunden auszuliefern.

    Auf der Moskauer Luftfahrtausstellung MAKS 2019 wurde der russische Verkehrsjet erstmalig einem größeren Publikum vorgestellt. Präsident Putin führte seinen türkischen Amtskollegen Erdogan persönlich durch die Maschine. Einen Monat später wurde die MS-21 auf einer Luftfahrtausstellung in Istanbul gezeigt – und damit zum ersten Mal im Ausland.

    Gegenwärtig erfolgt die Zertifizierung der MS-21. Dafür zuständig ist seit 2015 die russische Luftverkehrsagentur Rosawiacija. Deren Chef Alexander Neradko erklärte, planmäßig werde das Passagierflugzeug im kommenden Jahr für Russland und 2021 dann für die EU zertifiziert.

    Das Pech und die Pannen von Boeing können das Zertifizierungsverfahren allerdings erschweren: Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) sei ohnehin sehr penibel, was die Prüfung und die Zertifizierung neuer Verkehrsflugzeuge angeht. Die beiden Tragödien mit den Boeing 737 MAX könnten aber dazu führen, dass die Prüfverfahren noch verschärft würden.

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    Tags:
    Boeing-737, Ms-21, Sukhoi Superjet 100, Sukhoi-Konzern, Boeing