13:53 16 Dezember 2019
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    Objekt-279 im russischen Panzermuseum bei Kubinka

    Objekt 279 – so sehen Panzer für den Atomkrieg aus

    © CC BY-SA 2.0 / Uwe Brodrecht / Moskau 2015 - Panzermuseum Kubinka
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    Eine Konstruktion wie stahlgewordene Angst vor dem Atomkrieg: das Objekt 279 – ein Kampfgefährt auf vier Laufketten, mit 1000 PS und einer bunkerdicken Panzerung. So stellten sich Sowjetingenieure einen Panzer vor, der mitten auf dem nuklearen Schlachtfeld kämpfen sollte. Das Portal „The National Interest“ berichtet.

    Wie ein Speedboot auf Ketten mit Geschützturm sieht das Objekt 279 eigentlich aus. Aber die scharfkantige Wanne dieses Kampfpanzers war nicht etwa aus dem Grund tellerförmig, damit das Gefährt schwimmen konnte. Die bizarre Form bot vielmehr Schutz vor Explosionswellen, die von A-Bomben erzeugt werden, schreibt das Portal.

    Für jede andere Bedrohung gab es die mächtige Panzerung: 319 Millimeter auf dem Geschützturm und 269 Millimeter an der dicksten Stelle der Wanne. Das ist deutlich mehr als etwa beim T-72, der zwei Jahrzehnte später eingeführt wurde, schreibt „The National Interest“ (NI). Eine stabilisierte 130-mm-Kanone mit gezogenem Lauf und ein MG im Kaliber 14,5 mm stellten die Bewaffnung.

    60 Tonnen wog das Ganze; 1000 PS waren nötig, um das Beast zu bewegen – und die vier Laufketten 2 x 2 (je zwei auf einer Seite). Damit konnte der schwere KPz auch auf weicheren Böden laufen. Nicht auszudenken, wieviel Aufwand es machte, die beiden Ketten unterhalb des Wannenbodens zu reparieren – vom komplizierten Antriebsstrang ganz zu schweigen, so „NI“.

    Die Vorgeschichte: Im Zweiten Weltkrieg hatten die Sowjets den Panzerbau perfektioniert, schreibt das Portal. Das Ergebnis war nicht nur der legendäre T-34, sondern auch der schwere KPz IS-2: ein imposantes Vehikel, das 1944 eingeführt wurde.

    Der IS-2 war die Speerspitze der Roten Armee beim Sturm auf Berlin. Die deutschen „Tiger“ hatten kaum Chancen gegen den Koloss. Selbst stark befestigte Stellungen legte der schwere Panzer aus der UdSSR in Schutt und Asche, so „NI“.

    Doch ab Mitte der 1950er Jahre machen klassische Schwerpanzer keinen Sinn mehr. Um die Kriege der Zukunft zu gewinnen, mussten die Kampfpanzer schneller, agiler und verlässlicher werden – und sie brauchten Hochleistungsgeschütze.

    Entscheidend war auch, dass allmählich Lenkwaffen bei den Streitkräften eingeführt wurden, die auch durch dicke Panzerung durchschlagen konnten. Nikita Chruschtschow, ein Raketen-Fan, sah für die Panzer keine Zukunft mehr und befahl: „Keine schweren Kampfpanzer mehr“, schreibt das Portal.

    Das war das Ende für das Objekt 279. Auffällig ist allerdings, dass die heutigen Kampfpanzer dem „fahrenden Panzerteller“ zumindest bei Gewicht, Motorleistung, Schutz und Bewaffnung gleichkommen.

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    Tags:
    Atomkrieg, Panzer, UdSSR, Sowjetunion