Legendärer Eisbrecher „Krassin": Was alles noch an Bord zu finden ist
von Maria Balarewa
Am 31. März 2017 feierte der Eisbrecher „Krassin" sein 100-jähriges Jubiläum. Heute ist dieser in Sankt Petersburg vor Anker liegende Riese zwar immer noch einsatzbereit, wird aber nun als Museum genutzt.
Dieses legendäre Schiff, das für die russische Kaiser-Flotte gebaut wurde, hat eine ruhmvolle Geschichte. Die „Krassin" ist ein Symbol für die Erschließung der Arktis und der maritimen Gebiete Russlands, das von vielen eisbedeckten Meeren umgeben ist.
Wir haben ein Schiff, das es ermöglichen wird, das zu machen, was keine Nation machen konnte und wozu uns moralisch die alten Traditionen, die geografische Lage und die Größe Russlands verpflichten.
Russischer Ozeanforscher und Flottenoffizier Stepan Makarow
Vizeadmiral Stepan Makarow (1848-1904)
Vizeadmiral Makarow schrieb diese Sätze am Anfang des 20. Jahrhunderts während der Arbeit an dem Entwurf eines künftigen Eisbrechers für die russische Nordflotte. Die „Krassin" wurde nach dem von Makarow hinterlassenen Konzept 1916/17 fertiggestellt. Zu jenem Zeitpunkt war Stepan Makarow schon tot. Im Russisch-Japanischen Krieg kam er ums Leben, als sein Flaggschiff am 31. März 1904 auf eine japanische Mine vor Port Arthur fuhr.

Es war die Firma W. G. Armstrong, Whitworth & Co. Ltd. in der britischen Hafenstadt Newcastle upon Tyne, die während des Ersten Weltkrieges mit dem Bau des Arktis-Eisbrechers vom Marineministerium Russlands beauftragt wurde. Das Schiff galt als eines der leistungsstärksten in seiner Epoche und blieb es mehrere Jahrzehnte lang.
Rettung der Expedition von Umberto Nobile
Ursprünglich hieß das Schiff „Swjatogor", doch 1927 wurde es zu Ehren des sowjetischen Diplomaten Leonid Krassin umbenannt. Gerade dank seinen Bemühungen kam der Eisbrecher in die Sowjetunion zurück, nachdem er vorher während des russischen Bürgerkriegs von den Briten konfisziert worden war.
1928 beteiligte sich der Eisbrecher an der Rettung der Expedition von Umberto Nobile, die im Eis nach dem Absturz des Luftschiffs „Italia" am Nordpol verloren ging. Bei diesem Ereignis spielte der „Krassin"-Eisbrecher die wichtigste Rolle.

Als die „Krassin" an der Rettungsmission für Mitglieder des abgestürzten italienischen Zeppelins beteiligt war, kollidierte das deutsche Passagierschiff „Monte Cervantes" mit einem Eisberg und geriet vor Spitzbergen, nur 80 Seemeilen vom sowjetischen Eisbrecher entfernt, in Seenot. Nach dem Empfang des Notrufs von der „Monte Cervantes" fuhr die „Krassin" sofort zum Rettungseinsatz. Das Leck im Rumpf des deutschen Schiffes konnte durch russische Taucher geflickt werden. Anschließend wurde die „Monte Cervantes" leergepumpt und wieder seetüchtig gemacht. Alle 1.835 Passagiere und Crewmitglieder konnten somit gerettet werden.
Kriegsjahre
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die „Krassin" mit Waffen ausgestattet. Das Schiff begleitete militärische Konvois während der Vereisung des Gewässers. Nach Regierungserlass begab sich die „Krassin" 1941 in die USA, um bei der Landungsoperation in Grönland organisatorisch zu helfen.
Dokumentaraufnahme eines britischen Konvois nach Russland 1942. Quelle: British Pathé
Nach anderthalb Jahren kehrte das Schiff mit dem militärischen Konvoi PQ-15 in die Heimat zurück und diente bis zum Kriegsende als Eskorte im Arktis-Gewässer. Ende der 1950er Jahre wurde der Eisbrecher in der DDR modernisiert.

Übrigens ist das Schiff bis heute in einem sehr guten Zustand. Dort stehen Matrosen im Dienst, die Führungen für Touristen machen. Man kann sogar den Maschinenraum besichtigen.
Dampfkessel und Innenraum
Jetzt ist nur eine der drei ursprünglichen Dampfmaschinen erhalten geblieben – zwei andere wurden bei der Modernisierung demontiert.

Im Laufe der ersten Jahrzehnte funktionierte der Eisbrecher mit Dampfmaschinen, die Kohle brauchten. Deswegen waren unter den Besatzungsmitgliedern Dutzende Kohlentrimmer und Schiffsheizer.

Fakten über die „Krassin"
Der Bau des Eisbrechers in England wurde vom Schriftsteller Jewgeni Samjatin, Ingenieur von Beruf, verfolgt. Samjatin wurde vor allem dank seinem dystopischen Roman „Wir" berühmt. Als ausgebildeter Schiffsbauingenieur wurde er 1916 nach England geschickt, um gerade dort den Bau von russischen Eisbrechern in Werften von Newcastle, Glasgow und Sunderland zu kontrollieren.
Der „Krassin"-Eisbrecher wird auch in den Werken des sowjetischen Schriftstellers Viktor Konezki erwähnt, der mit diesem und anderen Schiffen unterwegs war. Nach ihm wurde eine Kabine des Eisbrechers benannt.