17:21 10 Dezember 2019
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    Vorbereitungen auf den Start einer Rakete auf dem Weltraumbahnhof Baikonur (Archivbild)

    Einschlag im Orbit: Wie Moskau die Satellitenabwehr entwickelte

    © Sputnik / Alexander Moklezow
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    Ein Interceptor startet am 3. Dezember 1971 vom Weltraumbahnhof Baikonur. Die Flugzeit bis zum Ziel beträgt 105 Minuten – dann schlägt „Kosmos-462“ ein. Das Zielobjekt zerfällt in zwei Dutzend Trümmer, die nach und nach in der Erdatmosphäre verglühen. Ein weiterer Test im Satellitenabwehrprogramm der UdSSR ist gelungen.

    Im Großen und Ganzen war die Regierungskommission, die den Abschuss im Orbit von der Erde aus beobachtete, mit dem Testausgang zufrieden. Der kosmische Abfangjäger – „Kosmos“ – sollte nur ein wenig überarbeitet werden: die Zielführungsgeräte nachjustieren, und das System konnte in die Nutzung eingeführt werden. Das war das Weltraumabwehrsystem, das die UdSSR als erstes Land der Welt entwickelte. Seit 1962 lief das Programm.

    Angefangen hatte es mit einem technischen Ausschuss im Generalstab der Sowjetunion, der bei einer Arbeitssitzung den gemeinsamen Flug der Raumschiffe „Wostok-3“ und „Wostok-4“ auswertete. Beraten wurde über die Möglichkeiten, bemannte Raumschiffe militärisch zu nutzen. Die „Wostok“-Klasse sei für Aufklärungsmissionen nutzbar, hieß es in einem Vortrag. Aber zum Abfangen von Satelliten seien neue, technisch optimierte Weltraumsysteme nötig.

    Was daraus entstand, war ein 2,4-Tonnen-schwerer Interceptor – unbemannt natürlich. Ein starkes Triebwerk mit großem Treibstoffvorrat stellte die Manövrierfähigkeit des Satellitenjägers sicher. Im Bug: Eine Radarantenne, die das Geschoss ins Ziel führte. Dahinter: Ein Gerätebehälter mit allerhand Kommunikations- und Navigationsausrüstung. Zur Zielbekämpfung waren zwei Gefechtsköpfe kumulativer Wirkung vorhanden.

    Am 19. Oktober 1968 flog eine Zieldrohne in den Erdorbit, wo sie von „Kosmos-249“ und „Kosmos-252“ ereilt und vernichtet wurde. 1971 wurden die Tests erfolgreich fortgesetzt. Einige „Satellitenjäger“ wurden sogar in Startsilos in der Nähe von Baikonur stationiert. Doch dann kam die große Politik dazwischen.

    Ab Mai 1972 kam es zu einer Annäherung in den Beziehungen zwischen Sowjetunion und USA: Das sowjetische Weltraumabwehrprogramm wurde heruntergefahren. Der letzte Test erfolgte bei der Übung „Schild-82“, im Westen bezeichnet als „Sieben-Tage-Atomkrieg“. Im Mai 1982 fing „Kosmos-1379“ eine Zieldrohne ab, die einen amerikanischen Navigationssatelliten simulierte.

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    Tags:
    Kalter Krieg, Wostok-1, UdSSR, Raketenabwehr, Aufklärungssatelliten, Militärsatellit, Sowjetunion