16:48 10 Dezember 2019
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    US-Langstreckenbomber B-52 (L) und B-1 (i.d.Mitte) auf der Insel Guam (Archivbild)

    Boeing B-1B: Überschallbomber geht früher in Rente als Oldie B-52

    © Foto : U.S. Air Force / Tech. Sgt. Richard Ebensberger
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    Noch bleibt der Bomber B-1B bei der US Air Force in der Nutzung. Aber seine Tage sind gezählt, wie das Portal „The National Interest“ (NI) schreibt. Dabei ist es der einzige Überschallbomber, den die amerikanische Luftwaffe hat.

    Mit der B-70 „Valkyrie“ war es nichts geworden, aber einen Überschallbomber brauchte die US Air Force weiterhin. 1969 begann die Entwicklung eines hoch- und schnellfliegenden Bombers: Die Nixon-Regierung war im Umgang mit dem Pentagon großzügiger als das Johnson-Kabinett, schreibt „NI“.

    Die Carter-Regierung stellte das Bomberprogramm bald wieder ein, um Kosten zu kürzen und die Rüstungsausgaben effizienter zu verteilen. Und dabei wäre es wohl auch geblieben, hätte Reagan sich nicht das Ziel gesetzt, die Sowjetunion rüstungstechnisch und finanzpolitisch an ihre Limits zu bringen, schreibt das Portal.

    Eine Analyse ergab, dass ein strategischer Überschallbomber der USAF die sowjetische Flugabwehr überfordern und in die Unkosten einer Aufholjagd stürzen würde. Die Reagan-Administration kassierte den Carter-Beschluss.

    Es entstanden zunächst vier Prototypen B-1A, die im Zuge weiterer Entwicklung zu einer etwas langsameren, aber auch günstigeren Variante mit geringerem Radarquerschnitt überarbeitet wurden. 100 Exemplare der B-1B baute Rockwell für die US Air Force, 66 davon sind bis heute im Dienst.

    Von Abschreckung bis Air Support

    In den ersten Jahrzehnten ihres Lebens diente die B-1B hauptsächlich zur nuklearen Abschreckung. Eine Funktion, die mit dem Ende des Kalten Kriegs entbehrlich wurde. Infolge eines Vertrags mit Russland musste die B-1B abrüsten: Der Waffenschacht wurde zweigeteilt, moderne Feuerleitelektronik eingebaut – der amerikanische Überschallbomber wurde auf konventionelle Präzisionsschläge umgeschult.

    1998 flog die umgerüstete B-1B ihren ersten Kampfeinsatz. In der Operation „Desert Fox“ warf die amerikanische Maschine Bomben auf irakische Ziele ab. In derselben Funktion flog der Überschallbomber auch im Kosovo, in Afghanistan, Irak und Syrien – gegen IS-Stellungen* ebenso wie gegen die syrische Regierung, schreibt „NI“.

    US-Langstreckenbomber B-52 (im Vorderplan) und B-1B Lancer auf der Barksdale Air Force Base (Archivbild)
    © Foto : U.S. Air Force / Senior Airman Curt Beach
    US-Langstreckenbomber B-52 (im Vorderplan) und B-1B Lancer auf der Barksdale Air Force Base (Archivbild)

    Nicht nur für Luftangriffe wurde die B-1B in den Konflikten genutzt, sondern auch für Luftnahunterstützung. Aufgrund großer Reichweite konnte der Bomber länger in der Luft bleiben, bis er zum Support angefordert wurde, als die Kampfjets, die Air Force, die Marines und die Navy für diese Zwecke einsetzen.

    Es ist schon schicksalsironisch, schreibt „NI“, dass die B-1B am häufigsten und erfolgreichsten gegen Guerillas eingesetzt wurde, statt, wie ursprünglich geplant, gegen große Industrieanlagen oder nukleare Streitkräfte.

    Im April 2018 feuerten B-1B-Bomber Marschflugkörper AGM-158 JASSM auf Ziele in Syrien ab, nachdem behauptet worden war, Präsident Assad habe den Einsatz von Giftgas befohlen. Es war der erste Einsatz dieser Rakete, die durch Stealth-Eigenschaften dazu befähigt ist, Ziele tief in geschützten Gebieten des Gegners zu erreichen.

    Zukunft: Ruhestand

    Mit der Einführung des Bombers B-21 soll die B-1B in Rente gehen – früher (und auch das ist eine Ironie des Schicksals) als das Flugzeug, das sie ursprünglich ersetzen sollte: die B-52. Für 2025 steht laut dem Portal der Anfang der Ausmusterung an, bis um 2035 herum die letzte B-1B die US Air Force verlassen hat. Die Maschinen werden dann an die 40 bis 50 Jahre Dienstzeit hinter sich haben.

    Natürlich können Verzögerungen im B-21-Programm oder Veränderungen im strategischen Umfeld die US Air Force dazu veranlassen, die B-1B länger im Dienst zu behalten, schreibt „The National Interest“. Schließlich hat auch die B-52 alle für sie bislang angesetzten Ausmusterungen überlebt.

    Mit der Verrentung der B-1B hat die USAF jedenfalls keinen Überschallbomber mehr im Dienst. Aber Stealth-Fähigkeit hat die Geschwindigkeit als wichtigste Eigenschaft eines Bombers längst abgelöst, schreibt „NI“.

    *Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten. 

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    Tags:
    USAF, USA, B-52, B-1B Lancer