12:34 10 Juli 2020
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    Nachdem Frankreich seine Zusage, „Mistral“-Schiffe zu liefern, zurückgezogen hatte, erarbeiteten Konstruktionsbüros in Russland eigene Konzepte sog. Multifunktionsfähiger Landungsfahrzeuge. Welchen Zielen können diese Hubschrauberträger dienen?

    Wie man Hubschrauberträger baut, wissen die russischen Techniker und Ingenieure bereits. Solche Schiffe wurden schon für die Sowjetmarine gebaut, damals aber zu einem anderen Zweck als die Bauart der Schiffe vermuten lässt.

    Die UdSSR hatte nicht vor, kleinere Küstenstaaten zu überfallen. Anlandungsoperationen – wenn Landungsdocks Infanteristen an der Küste absetzen, die mit den Kampfhubschraubern im Rücken das Gebiet für weitere Kräfte freiräumen – spielten in der sowjetischen Militärdoktrin eine untergeordnete Rolle.

    Deutlich mehr Sorgen machten den sowjetischen Admirälen die Atom-U-Boote des Gegners. In den 1960er Jahren gab die sowjetische Militärführung deshalb Hubschrauberträger für die U-Boot-Jagd in Auftrag, die die feindlichen U-Boote fernab der heimischen Häfen orten, verfolgen und vernichten sollten.

    Hubschrauberträger auf U-Boot-Jagd

    „Moskau“ und „Leningrad“ hießen zwei Schiffe dieses Typs – Klasse 1123 „Kondor“. Die sowjetische Schwarzmeerflotte erhielt die beiden. Die Konstruktion der „Kondor“-Klasse war etwas außergewöhnlich: V-förmig am Bug wurden die Schiffe zum Heck hin immer breiter. Von oben betrachtet hatten die sowjetischen Hubschrauberträger die Form einer Birne: Das überbreite Deck bot Platz für 14 Marinehubschrauber.

    Die Hubschrauber patrouillierten im Rotationsverfahren über dem Meer, warfen Sonarbojen ins Wasser, spürten die U-Boote auf. Die Schiffe selbst waren schwergerüstet: Radar, Sonar, Torpedos im Kaliber 533 mm, schwere Geschütze und sogar nuklearfähige Schiffsabwehrraketen.

    Hubschrauber auf dem Landungsschiff Moskau (Archivbild)
    © Sputnik / Michail Kuchtarew
    Hubschrauber auf dem Landungsschiff Moskau (Archivbild)

    Allerdings brauchte die „Kondor“-Klasse ziemlich viele Hände im Betrieb. Bis zu 800 Mann betrug die Besatzung. Einen Nachteil hatten die „Moskau“ und die „Leningrad“ auch wegen ihrer ungewöhnlichen Form: Auf stürmischer See bohrten sich die Schiffe regelrecht in die Wellen, Wassermassen schossen über das Deck und gefährdeten die Ausrüstung.

    Dennoch waren die Hubschrauberträger auch im Mittelmeer und im Atlantik erfolgreich auf Mission – nicht nur zur U-Boot-Jagd. Die „Leningrad“ war 1974 auch an der Entminung des Suezkanals beteiligt.

    Multifunktionsfähige Landungsfahrzeuge sollen mehr können als nur U-Boot-Jagd. Die „Priboi“-Klasse ist so ein Typ: 14 000 Tonnen Wasserverdrängung mit einer Aufnahmekapazität von acht Marinehubschraubern, sechs Landungsbooten, 60 Gefechtsfahrzeugen und 500 Marineinfanteristen. Bis zu zwei Monate lang kann das Schiff autonom im Einsatz bleiben und dabei bis zu 11 000 Kilometer zurücklegen. Entworfen wurde das Konzept 2015 vom Konstruktionsbüro Newa.

    Das Krylow-Zentrum, eine Forschungsanstalt für maritime Technologie in Sankt Petersburg, geht eine Klasse höher. Sein Hubschrauberträger, ausgelegt als Halb-Trimaran, ist 24 000 Tonnen schwer. Höchstgeschwindigkeit – 20 Knoten; Reichweite – circa 11 000 Kilometer; autonome Einsatzdauer – 30 Tage.

    16 Hubschrauber haben Platz auf dem Deck dieses Landungsfahrzeugs: Luftnahunterstützungshubschrauber Ka-52, schwerbewaffnete Transporthelikopter Ka-29 und die U-Boot-Jäger Ka-27. Zudem fasst das Schiff 50 Gefechtsfahrzeuge und 500 Infanteristen, die mit mehreren Schnellbooten der „Serna“- und „Raptor“-Klasse anlanden können. Zum Selbstschutz ist das Schiff mit Maschinenkanonen, Flug- und Schiffsabwehrraketen ausgerüstet.

    Welchen Entwurf die russische Marine vorziehen wird, steht noch nicht fest. Gebaut werden sollen die multifunktionsfähigen Landungsfahrzeuge auf einer Werft in Kertsch. 2020 soll die Kiellegung stattfinden, spätestens 2026 die Einführung bei der russischen Marine. Vorerst ist der Bau von vier solchen Schiffen geplant.

    Die Seestreitkräfte des Westens haben mehr Erfahrung im Einsatz von Hubschrauberträgern – die US Navy vor allem. Mitte der 1970er Jahre führten die Amerikaner die „Tarawa“-Klasse ein. Die 35 000 Tonnen schweren Hubschrauberplätze begründeten eine eigene Schiffsklasse: Amphibische Angriffsschiffe. Bis zu 2000 Mann konnten damit an fremden Küsten anlanden.

    2015 wurde die „Tarawa“- durch die noch schwerere „Wasp“-Klasse abgelöst (41 000 Tonnen Wasserverdrängung). Das erste amphibische Angriffsschiff der „Amerika“-Klasse hat die USN auch schon in die Nutzung eingeführt. Der 45 000-Tonnen-Riese hat Platz für Kipprotorflugzeuge und VTOL-Kampfjets wie die F-35B.

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    Tags:
    Ka-52, Landungsschiff, Russland, Mistral