06:54 22 Januar 2020
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    Ein Land mit einem Zugang zum Meer hat eine Marine zu haben. Die Missionen der Seestreitkräfte können von Land zu Land variieren. Aber Machtstatus demonstriert eine Flotte immer. Das Portal „The National Interest“ hat eine Top-List aufgestellt: Die mächtigsten Kriegsflotten der Welt.

    Mit Abstand mehr Schiffe als jede andere Marine hat: die US Navy. Und keine andere Marine hat die Zugriffstiefe der amerikanischen Armada. Die USN patrouilliert regulär im Pazifik, Atlantik und im Indischen Ozean, im Mittelmeer, im Persischen Golf und am Horn von Afrika. Das Portal nennt es „Area of Responsibility“: Verantwortungsbereich.

    Die US Navy ist – wer hätte es nicht gewusst? – die Nummer 1

    Circa ein Drittel der 288 amerikanischen Kampfschiffe sind immer irgendwo unterwegs, auch jetzt in diesem Moment. 10 Flugzeugträger, 22 Kreuzer, 62 Zerstörer, 17 Fregatten und 9 amphibische Angriffsschiffe – 72 U-Boote hat die US-Marine in toto.

    Die Navy der Vereinigten Staaten ist nicht nur die größte Seestreitkraft. Die USN ist laut dem Portal auch die zweitgrößte Luftwaffe der Welt! 3.700 Flugzeuge und Hubschrauber hat die maritime Truppe. Bewegt wird das Ganze von 323.000 Berufssoldaten und 102.000 Angestellten. Die US Navy ist also auch von der Mannstärke her die größte. 

    US-Zerstörer im Golf von Aden (Archivbild)
    US-Zerstörer im Golf von Aden (Archivbild)

    Ein Wort noch, was die Flugzeugträger angeht: Die Amerikaner haben nicht nur mehr davon als alle anderen zusammen. Die amerikanischen Carriers sind auch deutlich größer als alle anderen. Ein einziges Schiff der Nimitz-Klasse transportiert doppelt so viele Flugzeuge (72) wie der nächstgrößere Flugzeugträger einer ausländischen Streitkraft.

    Die deutlich kleinere aber immer noch größte Rivalin der amerikanischen Marine ist die chinesische. Von einer küstennahen Truppe mit veralteten Zerstörern und leichten Schnellangriffsbooten hat sich die Seestreitkraft der Volksbefreiungsarmee zu einer echten Tiefseeflotte entwickelt, schreibt „The National Interest“.

    Ambitioniertes China: Die Nummer 2

    Matrose auf dem Deck des chinesischen Kriegsschiffes Qi Jiguang
    © AFP 2019 / Mark Schiefelbein / POOL
    Matrose auf dem Deck des chinesischen Kriegsschiffes Qi Jiguang

    25 Zerstörer, 42 Fregatten, 8 Atom- und circa 50 konventionelle U-Boote, 3 amphibische Transporter, 1 Flugzeugträger – das ist die derzeitige Ausstattung der Chinesen laut dem Portal. 133.000 Mann inklusive zwei Brigaden von Marineinfanteristen je 6.000 Soldaten stehen im Dienst der chinesischen Marine.

    Seit 2012 fahren die Chinesen einen Flugzeugträger: die „Liaoning“. Ursprünglich für die Sowjetmarine gebaut, rostete das Schiff jahrelang in einer ukrainischen Werft vor sich hin, bis es nach China verkauft wurde. Fast ein Jahrzehnt dauerte dann der Aus- und Umbau.

    Ein chinesisches Atom-U-Boot des Projekts 094
    © AFP 2019 / Mark Schiefelbein / POOL
    Ein chinesisches Atom-U-Boot des Projekts 094

    Bis die chinesische Marine in die komplexen Einsätze von Flugzeugträgern hineingewachsen ist, dient die „Liaoning“ auch als Schulschiff für die Marineflieger, schreibt „The National Interest“.

    Russland: Die Nummer 3 aus alter Größe

    Das landmassige Russland hat von der Sowjetunion eine große Flotte geerbt. Die Schiffstypen von damals machen heute noch den harten Kern der russischen Marine aus. Neue Schiffe kommen nur allmählich in die Nutzung, übergreifende Modernisierungen finden nur schleppend statt, so das Portal.

    Tag der russischen Seestreitkräfte in Sewastopol (Archivbild)
    © Sputnik / Alexey Malgavko
    Tag der russischen Seestreitkräfte in Sewastopol (Archivbild)

    79 Schiffe von der Größenordnung einer Fregatte, 5 Kreuzer, 13 Zerstörer, 1 Flugzeugträger – 52 U-Boote, so der derzeitige Technikstand laut dem Portal. Ausgenommen einiger Jagd- und Raketen-U-Boote sind nahezu alle russischen Kampfschiffe noch zu Sowjetzeiten gebaut worden.

    Die russische Marine war über Jahrzehnte chronisch unterfinanziert, weshalb sich nicht sicher sagen lässt, wie viele ihrer Schiffe wirklich seetauglich sind – und wie viele davon kampfwirksam eingesetzt werden können, schreibt „The National Interest“. Jedenfalls wurden Großschiffe wie der Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ bei längeren Missionen noch bis vor kurzem von Schleppern begleitet, zur Absicherung.

    Matrosen der russischen Seestreitkräfte
    © Sputnik / Alexander Galperin
    Matrosen der russischen Seestreitkräfte

    Groß sind auch die Pläne der Russen im maritimen Bereich: Ein neuer Flugzeugträger soll für die russischen Seestreitkräfte gebaut, eine neue Zerstörer-Klasse entwickelt werden. Auch nukleare und konventionelle U-Boote sind in Planung – und schon im Bau. Der Flugzeugträger und der Zerstörer existieren bislang nur als Blaupausen, so das Portal.

    Vereinigtes Königreich: Ebbe bei der Nummer 4

    Wie bei anderen Gattungen der britischen Streitkräfte wurde auch bei der Royal Navy nach und nach bei Material und Personal gekürzt. Dass zwei Flugzeugträger der Invincible-Klasse kürzlich außer Dienst gestellt wurden, hat die britische Marine in ihren Fähigkeiten spürbar gekappt, schreibt „The National Interest“.

    Mit nur 33.000 Mann im aktiven Dienst und 2.600 Reservisten ist die Royal Navy eigentlich die kleinste auf dieser Liste. Insgesamt verfügt die britische Marine über 19 Fregatten und Zerstörer, 7 nukleare Jagd- und 4 Raketen-U-Boote, 3 amphibische Angriffsschiffe. Die Marineflieger können 149 Fluggeräte einsetzen, größtenteils Hubschrauber.

    Die Nummer 5: eine Überraschung

    Die Nummer 5 gehörte eigentlich nicht auf die Liste, denn sie ist, genau genommen, keine Marine: Japan verfügt nur über sog. Maritime Selbstverteidigungskräfte. Deren Personal sind keine Berufssoldaten, sondern Zivilisten.

    U-Boot vom Typ Yukishio der japanischen Maritime Selbstverteidigungskräfte
    © AP Photo / Itsuo Inouye
    U-Boot vom Typ Yukishio der japanischen Maritime Selbstverteidigungskräfte

    114 Schiffe mit gut 45.000 Mann stehen der japanischen Marine zur Verfügung. Den Kern stellen 46 Zerstörer (mehr als England und Frankreich zusammen), deren Funktion darin besteht, die Seewege nach und von Japan freizuhalten, damit sie nicht abgeriegelt werden wie im Zweiten Weltkrieg. Seit Mitte der 2000er Jahre nutzt Japan die Zerstörer auch im Aegis-System zur Abwehr nordkoreanischer Raketen.

    Crewmitglied des japanischen Zerstörers Suzutsuki im chinesischen Hafen Qingdao (Archivbild)
    © AP Photo / Mark Schiefelbein
    Crewmitglied des japanischen Zerstörers Suzutsuki im chinesischen Hafen Qingdao (Archivbild)

    Eine Besonderheit der japanischen Marine sind die sog. Helikopter-Zerstörer: Kampfschiffe, die am wenigsten wie Zerstörer, sondern vielmehr wie gewöhnliche Flugzeugträger aussehen. Zerstörer sind sie nur dem Namen nach, schreibt „The National Interest“. Künftig werden diese „Flugzeugträger Light“ neben Hubschraubern wahrscheinlich auch Jagdbomber vom Typ F-35B aufnehmen.

    So ist es Japan quasi unter dem Radar gelungen, eine sehr moderne, professionell ausgebildete und ausgerüstete Kriegsflotte aufzubauen, schreibt „The National Interest“.

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    Tags:
    Kriegsflotte, Vereinigtes Königreich, Seestreitkräfte, Marine Russlands, Royal Navy, U.S. Navy, Großbritannien, Russland, China, Japan, USA