19:08 25 Januar 2020
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    Der Leopard 2 hat den Ruf, einer der weltbesten Panzer zu sein. Doch auf Gefechte in asymmetrischer Umgebung ist das deutsche Kampfgerät offenbar schlecht vorbereitet. Das Portal „The National Interest“ (NI) berichtet.

    Im Herbst 2016 rückte die II. Panzerbrigade der türkischen Streitkräfte mit Leopard-2-Panzern an die Grenze Nordsyriens vor: Operation „Schutzschild Euphrat“, nach offizieller türkischer Darstellung eine Intervention gegen den IS auf syrischem Boden. Vorher waren im Rahmen derselben Mission rund ein Dutzend türkische Kampfpanzer der Bauart Patton aus US-Fertigung zerstört worden – von IS*-Terroristen wie von kurdischen Kämpfern. Türkische Fachleute rechneten für den Leopard 2 bessere Chancen in den unübersichtlichen Kämpfen aus, schreibt das Portal.

    Die türkische Panzertruppe setzte auf die Leopard-Version 2A4: das letzte Leopard-Modell, das noch im Kalten Krieg entwickelt wurde, zum Kampf gegen konzentrierte Verbände in einer dynamischen Defensive gegen sowjetische Panzerkolonnen. Für den Überlebenskampf gegen IEDs (selbstgebastelte Sprengmittel) und Guerillas, die aus dem Hinterhalt tragbare Abwehrraketen einsetzen, war der Leopard 2A4 nicht vorgesehen. Dabei ist gerade in langanhaltenden Antiterrormissionen jeder Technikverlust auch ein Politikum.

    In Anti-Guerilla-Einsätzen ist mit Angriffen zu jeder Zeit aus jeder Richtung zu rechnen. Deshalb heißen solche Einsatzumgebungen bei Fachleuten asymmetrisch. Wie hart es dabei zugehen kann, wurde im Dezember 2016 deutlich, als Bilder und Belege auftauchten, dass etliche Leopard-2-Panzer in Kämpfen gegen die IS-Hochburg Al-Bab vernichtet wurden. Die türkische Militärführung selbst bezeichnete die Schlacht als ein „Trauma“, schreibt „The National Interest“.

    Einst galten Leopard-2-Panzer als unbezwingbar. Im Netz veröffentlichte Dokumente listeten jedoch zehn türkische Leopard 2A4 auf, die vom IS zerstört worden seien: fünf KPz durch Panzerabwehrwaffen, zwei durch Minen und IEDs, einer durch Mörser- und Granatbeschuss, die anderen beiden Verluste gingen auf nicht näher benannte Umstände zurück, so das Portal.

    Netzfotos zeigen acht zerstörte türkische Leopard-2-Panzer. Einer wurde durch einen sog. VBIED ausgeknockt – einen schwergeschützten und voll mit Sprengstoff beladenen Kamikaze-Truck. Bei einem anderen türkischen KPz wurde der Geschützturm abgesprengt. Drei weitere Leopard-Wracks sind in der Nähe von Al-Bab zu sehen, inmitten anderer türkischer Gefechtsfahrzeuge. Offenbar wurden die Panzer und Fahrzeuge am leichter gepanzerten Unterboden und an den Seiten getroffen, durch IEDs und tragbare Panzerabwehrwaffen aus russischer Fertigung (AT-7 Metis und AT-5 Konkurs).

    Zweifelsohne haben die Türken selbst zu dieser Niederlage beigetragen – durch ihre Einsatztaktik, schreibt „The National Interest“. Statt die Kampfpanzer in kombinierten Infanterie-Verbänden zu nutzen, setzte das türkische Militär seine Leopard-2 zur Feuerunterstützung aus hinterer Stellung ein, während türkische Sondereinheiten gemeinsam mit syrischen Milizen die Offensive anführten.

    Auf offener Position isoliert, ohne die Infanterie, die einen Schutzring um die Panzer gebildet hätte, waren die türkischen KPz ein leichtes Ziel für den Beschuss aus dem Hinterhalt. Übrigens verloren auch die Saudis durch die gleiche armselige Taktik im Jemen viele Panzer, so das Portal.

    Zum Vergleich: Im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan mit moderneren Leopard-Versionen sind keine so schlimmen Verluste zu beklagen. Beispielsweise wurden zwar einige kanadische KPz in der Ausführung 2A6M (höheres Schutzniveau) durch Minen beschädigt, konnten aber in den Einsatz zurückgeführt werden. Die Einsatzkräfte lobten die deutsche Technik für die hohe Mobilität und die präzise Feuerunterstützung bei wichtigen Gefechten im Süden Afghanistans, schreibt „NI“.

    Ankara hat inzwischen die deutsche Regierung aufgefordert, ein Upgrade an den Leopard-2-Panzern des türkischen Militärs vorzunehmen. Die türkische Panzertruppe dringt auf besseren Unterbodenschutz gegen IEDs und auf den Einbau eines aktiven Schutzsystems namens Active Protection System (APS). Dieses kann anfliegende Panzerabwehrraketen detektieren, stören oder gar abschießen.

    Türkische Panzertruppen während des jüngsten Einsatzes in Nordsyrien am 14. Oktober 2019
    © AP Photo / Emrah Gurel
    Türkische Panzertruppen während des jüngsten Einsatzes in Nordsyrien am 14. Oktober 2019

    Ob die Bundesregierung die Aufrüstung türkischer Leo-2-Panzer genehmigen wird, ist allerdings alles andere als sicher: Die türkische Offensive gegen die syrischen Kurden-Enklaven Afrin und Manbidsch wurde in Deutschland parteiübergreifend als völkerrechtswidrig kritisiert.

    Bislang jedenfalls ist ein Upgrade der türkischen Kampfpanzer laut einer Regierungserklärung vom Tisch. Wobei manches darauf hindeutet, schreibt „NI“, dass Berlin diesen Deal zu einem günstigeren Zeitpunkt noch einmal aufgreift.

    Bis dahin drohen dem türkischen Militär weitere Panzerverluste: Die kurdische YPG hatte im Januar auf YouTube ein Video veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie eine Abwehrwaffe des Typs Konkurs in einen weiteren türkischen Leo-2-Panzer einschlägt.

    * - Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten.

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    Tags:
    YPG, Kurden, Deutschland, Islamischer Staat, Syrien, Türkei, Leopard 2A6, Leopard 2