05:39 24 Januar 2020
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    Starke Panzerung, Wendigkeit, Feuerkraft, dazu einfache Handhabung im Einsatz – vor exakt 80 Jahren, am 19.Dezember 1939, wurde beschlossen, den legendären Kampfpanzer T-34 in die Nutzung einzuführen. Das Kampfgerät ist heute noch im Einsatz in mancher Weltregion.

    Am Anfang war der Auftrag, einen Panzerkampfwagen mit Kettenlaufwerk und einer 45-mm-Kanone zu entwickeln. Das maschinentechnische Konstruktionsbüro Charkow war im Oktober 1937 damit beauftragt worden. Die Charkower Ingenieure nahmen die Arbeiten an zeitgleich zwei Modellen auf: dem A-20 und A-32.

    Äußerlich waren die beiden Panzerprototypen fast identisch. Nur dass der A-32 besser geschützt war: 30-mm-dicke Seitenplatten sorgten für kompletten Rundumschutz. Stärker war der 32er auch bei der Bewaffnung, dank dem 76-mm-Geschütz. Dabei wog der A-32 mit 19 Tonnen Kampfgewicht nur 1.000 kg mehr als der A-20.

    Die Führung der Roten Armee entschied sich nach ausgiebigen Tests für den A-32, obwohl die Auslegung dieses Panzers reichlich Kritik auf sich zog.
    Die Führung der Roten Armee entschied sich nach ausgiebigen Tests für den A-32, obwohl die Auslegung dieses Panzers reichlich Kritik auf sich zog.

    Die Führung der Roten Armee entschied sich nach ausgiebigen Tests für den A-32, obwohl die Auslegung dieses Panzers reichlich Kritik auf sich zog. Der A-32 sei weniger wendig, weniger agil. Aber dafür verfügte er über Gewichtsreserven für weitere Aufrüstungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Der A-32 konnte durch Zusatzwaffen und -panzerung verstärkt werden, ohne an Geländegängigkeit zu verlieren.

    Im Dezember 1939 beschloss das Verteidigungskomitee beim Rat der Volkskommissare der UdSSR den neuen Kampfpanzer mit einigen Nachbesserungen in den Dienst zu stellen – unter der Bezeichnung: T-34.

    Die Panzerung des Kampfwagens wurde verstärkt, sodass er nunmehr einen Beschuss mit 37-mm-Munition aushielt. Das war wichtig angesichts der zügigen Entwicklung der Artillerie. Als Hauptwaffe führte der T-34 ein 76-mm-Geschütz mit einem Rohr von 130 Kalibern. Das Einsatzgewicht stieg auf 24 Tonnen.

    Roadshow Charkow – Moskau

    Um die ersten zwei Versuchsfahrzeuge der Sowjetführung zu präsentieren, wurden sie auf eigener Kette von Charkow nach Moskau gefahren – und zurück. Der Projektleiter Michail Koschkin war persönlich bei dieser T-34-Roadshow dabei, was er allerdings mit seinem Leben bezahlte: Wegen starker Erkältung erkrankte er an einer Lungenentzündung und verstarb wenig später.

    Aber die Fahrt nach Moskau verfehlte die Wirkung nicht. Auf der 1.500-km-langen Strecke zeigten die beiden Panzer hervorragende Fahreigenschaften: Die 500-Diesel-PS beschleunigten den T-34 auf über 50 km/h. Furchen, Aufgrabungen, kleinere Gewässer waren für die Gefechtsfahrzeuge keine Hindernisse.

    Im Sommer 1940 ging die Neuentwicklung in Serie, doch konnten die geplanten Stückzahlen wegen fehlender Bauteile über längere Zeit nicht erreicht werden. Nach einem Jahr waren etwas mehr als 100 Exemplare statt der eingeplanten 600 produziert. Diese Panzer waren auch noch „Rohware“: Die Panzertruppe der Roten Armee hatte einiges an ihrem neuen Kampfgerät auszusetzen.

    Als Maß aller Panzerdinge galt damals der Panzer III der Wehrmacht. Im Vergleich dazu war die sowjetische Neuentwicklung den Soldaten zu eng, zu kompliziert im Betrieb, die Möglichkeiten zur Lagebeurteilung waren wegen der minderwertigen optischen Geräte mäßig. Auch war der Motor und die Kraftübertragung des Sowjetpanzers weniger zuverlässig, der T-34 war auch langsamer als deutsche KPz. Um ein Haar wäre die Produktion des T-34 wegen der Mängel eingestellt worden.

    Auf dem Weg zur Endversion

    Die Konstrukteure legten sich nochmal ins Zeug und begannen im Januar 1941 mit der Entwicklung einer optimierten Ausführung: des T-34M. Der Panzer geriet länger, schmaler und höher. Auf dem Turm wurde ein Ausguck für den Kommandanten installiert, der Kampfsatz auf 100 Geschosse erweitert.

    Als Hauptwaffe wurde eine 76-mm-Kanone im Kaliber 40 verbaut. Die Federung wurde als Torsionsstab ausgelegt, für mehr Belastbarkeit; die Motorleistung wurde auf 600 PS gesteigert, das Getriebe wurde überarbeitet. Im Frühling 1941 ging es los mit der Montage der ersten Exemplare des T-34M.

    Es kam der Krieg. Die Produktion der vorherigen Panzerversion ein- und auf das neue Modell umzustellen, war nicht mehr möglich. Die Panzerwerke stellten den T-34 weiterhin in der ersten Ausführung her, wobei die Mängel dieser Version nach Kräften unmittelbar in der Fließfertigung beseitigt wurden.

    Die Fertigungsraten stiegen. Der Panzer wurde an mehreren Standorten gebaut: in Nischni Tagil, Tscheljabinsk, Gorki, Omsk. Über 12.000 Panzer rollten allein 1942 vom Band. Die Konstruktion wurde laufend verbessert, um die Kampferfahrungen zu berücksichtigen. Später erhielten alle Frühversionen des T-34 die Bezeichnung T-34-76.

    Panzer T-34 im Einsatz (Archivbild)
    © Sputnik / Nikolaj Maximow
    Panzer T-34 im Einsatz (Archivbild)

    1944 wurde die fortschrittlichste Version des damals schon legendären Panzers in den aktiven Dienst eingeführt: der T-34-85. Die Aufrüstung war erforderlich, weil die Wehrmacht inzwischen über „Tiger“ und „Panther“ verfügte, die eigens zur Bekämpfung des T-34 entwickelt worden waren.

    Die Turmkanone des älteren T-34-76 hatte gegen den mächtigen Frontalschutz der deutschen Panzer keine Chance mehr. Die Sowjetsoldaten mussten nah an den Gegner heranfahren, um ihn zu sprengen, während sie selbst für die deutschen „Tiger“ und „Panther“ auf längere Distanz erreichbar waren.

    Das erste, was die Konstrukteure am T-34 verbesserten, war die Panzerung: Beim T-34-85 war die Frontalpanzerung 90 mm dick, die Seitenpanzerung wies 75 mm auf. Der Turm war nunmehr dreisitzig, was das Zusammenwirken der Mannschaft im Gefecht spürbar verbesserte. Die Rundumsicht wurde optimiert, Ausstiegsluken zum schnellen Verlassen des Gefährts wurden eingebaut.

    Die Besatzung eines T-34-85 bestand aus fünf Mann. Der Kommandant musste nicht länger die Funktion des Richtschützen erfüllen, konnte sich auf das Kampfgeschehen konzentrieren und die Aufgaben der anderen Besatzungsmitglieder besser koordinieren.

    Die Feuerkraft des T-34 wurde erheblich gesteigert: Das neue 85-mm-Geschütz, aus einer Fla-Kanone entwickelt, schlug die 100-mm-Panzerung der deutschen Kampffahrzeuge auf 1.000 Meter durch. Auf kürzere Entfernungen waren dickere Panzerungen zu schaffen.

    Verdiente Anerkennung

    Die neuen 34er wurden zur Standardwaffe der sowjetischen Panzertruppe. Sie konnten es mit den schwergepanzerten „Tigern“ und „Panthern“ der Wehrmacht aufnehmen, waren denen bei Tempo und Wendigkeit sogar überlegen. Der Roten Armee war es nun möglich, den Gegner blitzschnell im Rücken anzugreifen.

    Die Konstruktion des modernisierten T-34 erwies als derart erfolgreich, dass sie als Basis für weitere Panzertypen diente: Flammpanzer OT-34, Jagdpanzer SU-85 und SU-100, Panzerhaubitze SU-122.

    Sowjetische und tschechische Soldaten auf einem T-34 in Prag, Mai 1945
    © Sputnik / Archiv
    Sowjetische und tschechische Soldaten auf einem T-34 in Prag, Mai 1945

    Gleich mehrere Werke nahmen die Produktion des T-34-85 auf. Circa 25.000 Exemplare dieses Panzertyps baute die Sowjetunion in den letzten zwei Kriegsjahren. Über 84.000 Exemplare des T-34 aller Modifikationen wurden insgesamt hergestellt.

    Und auch nach Kriegsende blieb der T-34 wichtig. An die 40 Betreibernationen vertrauten auf diesen Panzertyp. Der 34er war in Korea und Vietnam, im Nahen Osten, in vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas im Dienst. Der letzte bekannte Einsatz des T-34: gegenwärtig im Jemen.

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    Tags:
    UdSSR, Zweiter Weltkrieg, Charkiw, Sowjetunion, Russland, Panzer T-34