21:59 21 Januar 2020
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    Frankreich gibt zwei Milliarden Euro aus, um den Kampfjet Rafale auf den Standard F4 aufzurüsten. Durch das Upgrade entsteht eine Zwischenlösung: Ein Kampfjet, der über die 4. Generation hinausgewachsen ist, aber an die 5. Generation nicht heranreicht. Was von der Rafale F4 zu erwarten ist, erklärt das Portal „The National Interest“.

    Frankreich legt Wert auf eine selbstständige heimische Rüstungsindustrie, weshalb es für Paris keine Lösung ist, Kampfjets anderer Nationen zu beschaffen. Stattdessen arbeiten die Franzosen gemeinsam mit den Deutschen und anderen europäischen Partnern am Future Combat Air System, einem Kampfjetkonzept der 6. Generation. Mit der Einsatzreife dieses Waffensystems ist nicht vor 2035 zu rechnen. Bis dahin setzt Frankreich auf eine Kampfwertsteigerung der Rafale: Die Bordelektronik soll aufgewertet werden in Anlehnung an die amerikanische F-35.

    Hard Skills

    Ein 1:1-Gegenstück zur F-35 ist der französische Mehrzweckjäger natürlich nicht. Zwar weist die Rafale zum Teil auch Tarnkappenfähigkeiten auf (der Flügel und die Zelle bestehen hauptsächlich aus radarabsorbierenden Verbundstoffen), aber ein vollwertiger Stealth-Jet wie die F-35 ist sie nicht, schreibt „The National Interest“.

    Der Radarquerschnitt der Rafale ist mit gut einem Quadratmeter klassentypisch, vergleichbar mit der Super Hornet oder dem Eurofighter, aber doch um ein Vielfaches größer als die Radarsignatur der F-35.

    Dabei ist eine Rafale bei einem Stückpreis von 76 bis 82 Millionen Dollar nur unwesentlich günstiger als eine F-35A, wenn auch zu berücksichtigen ist, dass die Betriebskosten des französischen Flugzeugs wahrscheinlich niedriger sind, schreibt „NI“.

    Die Rafale ist deutlich agiler als die F-35, sowohl bei der Steiggeschwindigkeit als auch bei der Turn-Perfomance. Der französische Mehrzweckjäger ist fähig, Überschalltempo von Mach 1,4 ohne spritfressenden Nachbrenner aufrechtzuerhalten (sog. Super-Cruise-Fähigkeit). Durch die vollbeweglichen Canards – die kleinen Zusatzflügel am Bug – bleibt die Rafale auch im Tiefflug stabil.

    Doch: Verglichen mit den größeren Kampfjets der 4. Generation wie Su-35 oder F-15 erweist sich die Rafale als lasch, schreibt „The National Interest“. Die Dienstgipfelhöhe erreicht der französische Jet schon bei 50.000 Fuß statt der klassenüblichen 60.000. Mit Höchsttempo Mach 1,8 ist die Rafale langsamer als zu erwarten wäre: Mach 2 bis 2,5 sind Klassenstandard.

    Elektronik und Waffen

    Zur Neutralisation der gegnerischen Flugabwehr verfügt die Rafale über das Spectra-System zur elektronischen Kampfführung: Es verringert die Radarsignatur des Kampfflugzeugs durch aktive Signalunterdrückung, nutzt Frühwarnsensoren mit 360-Grad-Abdeckung sowie Infrarot- und Radartäuschkörper. Berichten zufolge konnten mit dem Spectra ausgerüstete französische Rafale-Jets 2011 in Libyen eingesetzt werden, noch bevor die libysche Flugabwehr niedergeschlagen wurde.

    Als Hauptsensor zur Zielbekämpfung nutzt die Rafale ein multimodales AESA-Radar, das mehrere Ziele auf 200 Kilometer verfolgen kann. Das Infrarotzielsystem des französischen Kampfjets hat eine beachtlich große Reichweite von 100 Kilometern, schreibt „NI“. Zudem profitieren Rafale-Piloten von der intuitiven Steuerung der Maschine, ermöglicht durch Spracherkennung und große Touch-Screens. Informationen können auch über ein Helmdisplay abgerufen werden.

    Eine 30-mm-Revolverkanone und 9.500 Kilogramm Waffenlast an 14 Aufhängepunkten machen die Rafale zu einem universellen Luft-Boden-Waffensystem, schreibt „The National Interest“. Das französische Kampfflugzeug kann in der Luft betankt werden und ist (im Unterschied zu den meisten anderen Kampfjets) von schlecht vorbereiteten Pisten aus einsetzbar.

    Was ist neu an der Rafale F4?

    Den F4-Standard kennzeichnen vor allem Fähigkeiten zur netzwerkbasierten Kampfführung. Sensor-Pooling ist hierbei der Schlüsselbegriff: Mehrere Rafale-Jets können ihre Sensoren im Kampfeinsatz über ein gesichertes Netzwerk verbinden, um ein noch präziseres Lagebild zu erstellen. Daten werden via Sat-Verbindung ausgetauscht.

    Das Rafale-Radar wird nachjustiert zwecks einer Verbesserung des Luft-Boden-Modus. Ein neues KI-System soll Informationen, die der Aufklärungs- und Zielpod des Kampfjets beschafft, schneller auswerten und an den Piloten weiterleiten. Die bordgestützte Rafale-Version – die Rafale M – erhält eine verbesserte Automatik zur Landung auf den Trägern.

    Auch an den Waffen des französischen Kampfjets werden Verbesserungen vorgenommen. Die MICA-Luft-Luft-Rakete wird modernisiert. Die neue Version dieser Lenkwaffe kann über einen Datenlink ferngesteuert und ohne Radarnutzung ins Ziel geführt werden. Zur Zielerfassung dient dabei ein passiver Infrarotsensor. Weil das Ziel weder angelasert noch angestrahlt werden muss, kann die MICA ohne Vorwarnung für den Gegner eingesetzt werden. Zur Zielbekämpfung auf längere Distanzen kann die Rafale F4 britische Meteor-Lenkwaffen nutzen, die mit vierfacher Schallgeschwindigkeit ins Ziel fliegen.

    Ein anderes Wirkmittel des Waffensystems Rafale F4 ist die 1.000-kg-schwere Lenkbombe AASM HAMMER, schreibt „NI“. Bislang können die französischen Kampfjets nur die 200-kg-leichte Variante dieser Waffe tragen, die das GPS oder Infrarot- und Lasersensoren zur präzisen Zielführung nutzen kann. Aus größeren Höhen abgesetzt und durch einen Hilfsbooster angetrieben, kann die Bombe auch auf 60 Kilometer Ziele bekämpfen. 

    Die neue Rafale-Version wird auch auf die Funktion als Atomwaffenträger vorbereitet: Upgrades des französischen Marschflugkörpers SCALP-EG und der überschallschnellen Lenkwaffe ASMP-A mit einem nuklearen Gefechtskopf von 300 Kilotonnen Sprengkraft sollen in das Waffensystem integriert werden. Berichten zufolge entwickelt Frankreich eine hyperschallschnelle Variante der AS4NG mit einer von 500 auf 1.000 Kilometer erhöhten Reichweite.

    Die neue Rafale F4 wird voraussichtlich die 110 Exemplare der Mirage 2000 ersetzen, die die Armée de l'Air gegenwärtig nutzt. Wahrscheinlich werden ältere Rafale-Versionen auf den F4-Standard gebracht. 

    Auf den europäischen Kampfjet der Zukunft wird die französische Luftwaffe noch eineinhalb bis zwei Jahrzehnte warten müssen. Bis dahin setzen die Französen auf eine Zwischenlösung: Der agile Kampfjet soll durch Sensornetzwerke, Systeme zur elektronischen Kampfführung und verbesserte Waffen auch in der Ära von Stealth und starker Flugabwehr seine Einsatzrelevanz erhalten, schreibt „The National Interest“.

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    Tags:
    F-35, USA, Frankreich, Konzern Dassault, Rafale Dassault