03:07 22 Oktober 2020
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    15.000 Flüge absolvierte das Test- und Evaluationsgeschwader der US Air Force mit der Nummer 4477. Rund 6.000 amerikanische Kampfpiloten wurden dabei in den Jahren 1978-1988 ausgebildet. Eine neue Dokumentation der US-Luftwaffe zeigt im Detail, wie das geheime Programm ablief. Das Portal „The National Interest“ berichtet.

    Das Ausbildungsprogramm wurde mit allen Mitteln verdeckt, versteckt und verhüllt: „Es war so geheim, dass wirklich nur der davon wusste, der das wissen musste. Nicht, wer es wissen sollte. Sondern wirklich nur, wer es wissen musste“. Man habe alles darangesetzt, nicht-militärisch auszusehen. „Du schaust dir diese Jungs an und sie alle haben Bärte und langes Haar. Sie sahen definitiv nicht so aus, als stünden sie auf der Gehaltsliste der Air Force“.

    Die Rede ist vom Ausbildungsprogramm „Constant Peg“ – geschaffen, um Kampfpiloten der US Air Force, Navy und Marines beizubringen, „wie man gegen echte sowjetische Flugzeuge fliegt und kämpft“, erklärt Earl Henderson, ehemaliger Oberstleutnant und „Constant Peg“-Kommandeur in den Jahren 1979-1980. Sein Bericht ist Teil einer Dokumentation, die die USAF kürzlich veröffentlicht hat. Das Portal „The National Interest“ zitiert daraus.

    „Das hatte noch während des Vietnamkrieges angefangen“, erklärt Henderson. „Die USA waren in den Besitz echter russischer MiGs gekommen. Wir bauten sie auseinander, um rauszufinden, wie sie funktionieren und wie sie im Einzelnen konstruiert sind. Dann kamen Testpiloten und flogen damit, um auszuprobieren, wie schnell und wie hoch die Maschinen kommen, wie wendig sie sind.“

    Hoyt Vandenberg Jr., ein General im Hauptquartier der US Air Force, hatte die Idee, die ganzen MiGs in einem Geschwader zu bündeln, statt sie an einzelne Testprogramme zu verteilen. Es wurde beschlossen, einen eigenen Fliegerhorst für „Constant Peg“ zu bauen: auf dem Tonopah Test Range Airport. Der Stützpunkt befand sich unweit von der Nellis Air Force Base, die eine Pilotenschule für die besten Luftkampftaktiker der US-Luftwaffe beheimatete.

    „Kaum waren die Hangars fertig, stellten wir die Flugzeuge zusammen“, sagt Don Lyon, Hauptfeldwebel und zweiter Chef der Instandhaltung im „Constant Peg“-Programm, laut der Doku. „Wir hatten Teile, Zellenstücke, Flügel und das ganze Zeug, aber flugfähig war das alles nicht.“ Es seien Flugzeuge gewesen, die die Air Force aus Wüstensand und Sümpfen geborgen habe. Man habe eine Menge rekonstruieren müssen.

    „Constant Peg“ standen Dutzende Flugzeuge zur Verfügung. „1985 hatten wir 26 MiGs: MiG-21 und MiG-23“, sagt John Manclark, Kommandeur im Ausbildungsprogramm in den Jahren 1985-1987. „Anfänglich hatten wir MiG-17, haben sie aber bald ausgemustert. Am Ende des Programms hatten wir vor allem MiG-21 im Einsatz.“

    Laut dem Kommandeur stürzte circa alle 1.000 Flugstunden eine Maschine ab: eine 30-mal-höhere Absturzrate als im Air-Force-Durchschnitt. „Piloten liebten die schnelle MiG-21, fürchteten jedoch die launische MiG-23“, so Manclark.

    „Die MiG-23 beschleunigte, bis sie platzte“, sagt er. „Das Limit war bei 710 bis 720 Knoten, aber die Männer brachten die Maschine schonmal auf 850 bis 880 Knoten. Jeder, der damit flog, kam mindestens einmal ins Trudeln. Die MiG-23 war das Schnellste, was wir hatten, aber umgänglich war sie nicht.“

    „Constant Peg“ trug sogar zur Weiterentwicklung von Waffentechnologien bei.

    „Die CIA hatte uns den Täuschkörperwerfer einer Su-25 gegeben, die in Afghanistan abgeschossen worden war“, erinnert sich Kommandeur Manclark. „War bloß so ein Ding mit Drähten. Wir gaben es an die Instandhaltung weiter. Vier Stunden später war es einsatzbereit, an einer MiG-21.“

    Der Täuschkörperwerfer ermöglichte es der US Air Force, Waffensysteme zu optimieren. Die Luft-Luft-Rakete AIM-9P war so ausgelegt, dass sie amerikanische Täuschkörper ignorieren konnte. Aber sowjetische Täuschkörper hatten eine andere Brennzeit und -intensität. „Die AIM-9P war einfach verrückt danach“, sagt Manclark. Auf den Erkenntnissen aus „Constant Peg“ aufbauend wurde der Suchkopf der Rakete überarbeitet.

    2006 hat die US-Luftwaffe Informationen zum „Constant Peg“-Programm veröffentlicht. Jahrzehnte vorher war das Programm eingestellt worden; andere Einheiten übernahmen die Ausbildung amerikanischer Piloten an russischen Kampfjets wie MiG-29 und Su-27, schreibt das Portal.

    „Es ist etwas vollkommen anderes, ein Flugzeug zu bekämpfen, das du noch nie gesehen hast und mit dessen Fähigkeiten du nicht vertraut bist“, sagt einer der Programmverantwortlichen in der Dokumentation. „Eine andere Sache ist, einen russischen Kampfjet in echt fliegen zu sehen.“ Die großen Augen, die die Piloten machten, als sie eine MiG zum ersten Mal live sahen, seien jedenfalls „unvergesslich“.

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    Tags:
    UdSSR, Sowjetunion, USAF, USA, MiG-23, MiG-21, MiG-17, MiG-29, Su-27