09:52 18 Januar 2020
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    Viele Schiffe der US-Marine sind technisch veraltet und nicht mehr einsatzfähig. So ein neuer Bericht der US Navy. Im Kriegsfall droht den USA ein Desaster. Laut Medien kritisieren Generäle des US-Militärs diese Probleme „schon länger“. Aber: Angeblich können sich Navy und Washington nicht darauf einigen, wie die Modernisierung finanziert wird.

    Wie zur Jahreswende bekannt wurde, haben fast alle Transportschiffe der US-Kriegsmarine „große technische Probleme“, Schwierigkeiten mit auslaufenden Verträgen oder sind schlicht veraltet. Die auf militärische Nachrichten spezialisierten „Defense News“ berichteten am Mittwoch, dass ein neuer Bericht der US Navy auf diese Probleme hinweise.

    „Das US-Militär ordnete im September 2019 den größten Stresstest seiner See-Transportflotte in der Geschichte des Kommandos an. Damals wurden 33 von 61 staatlichen Schiffen gleichzeitig aktiviert. Die Ergebnisse waren laut dem neuen Bericht schlecht. (…) In dem nicht-klassifizierten Bericht des US-amerikanischen Transportkommandos (Transportation Command) ergab die sogenannte ‚Turboaktivierung‘, dass nur weniger als die Hälfte der US-See-Transportflotte für einen größeren Transport über den Wasserweg in einer Krise bereit sein würde.“

    Im Ernstfall schlecht gerüstet: Die Transport-Flotte der US-Marine

    Wie aus dem Bericht hervorgeht, weise „die relativ niedrige qualitative Missionserfolgsrate darauf hin, dass die Flotte der Organic Surge Fleet aufgefordert ist“, diese Probleme zu beheben.

    Der Bericht bestätige das, was hochrangige US-Militärs und Transportbeamte seit Jahren kritisieren:

    „Die US-See-Transportflotte muss dringend mit höheren finanziellen Mitteln ausgestattet werden, wenn sie eine großangelegte Operation im Ausland unterstützen soll.“

    In einer Krise oder im Kriegsfall würden nämlich „fast 90 Prozent der gesamten Ausrüstung der Armee und des Marine Corps“ per Schiff befördert werden. Die Marine wisse zwar, dass eine Aufstockung der Gelder notwendig sei, aber es sei ihr bisher nicht gelungen, „eine Strategie zu entwickeln, um dies umzusetzen“.

    US-Militär: „Risiko für unsere Truppen“

    US-Commander Admiral Phil Davidson, der im indo-pazifischen Raum eingesetzt ist, sagte gegenüber „Defense News“ zu dem neuen Bericht:

    „Die Rekapitalisierung unseres Sealift-Systems wird zweifellos von entscheidender Bedeutung sein, da es altert und über auslaufende Antriebssysteme verfügt“, so der US-Admiral. „Es ist ein Risiko für unsere Truppen und unser gesamtes Volk, wenn sich unsere Fähigkeit verzögert, die Logistik gemäß den Operationsplänen zu liefern.“

    Letztendlich bedeute der verschlechterte Status der Seeflotte, dass im Ernstfall „die kämpfenden Kommandeure nicht auf Kapazitäten zur logistischen Unterstützung zählen können“, kommentierte ein Marine-Experte der Campbell University in North Carolina. Insbesondere US-Kommandeure im Indischen Ozean oder im Pazifik hätten „enorme Konsequenzen“ auszubaden, weil sie einfach nicht mit zügigem Nachschub von Material und Truppen rechnen könnten.

    Die sogenannten „Sealift“-Schiffe der USA versorgen die Frontflotte mit Nachschub, Reparatur-Leistungen, nachrichtendienstlicher Unterstützung und transportieren Bodentruppen und Ausrüstung zu fernen Schlachtfeldern.

    Nachrüstung „zu teuer“ für US-Marine? – Weißes Haus mahnt

    Das Weiße Haus in Washington bezweifelt laut dem US-regierungsnahen Militär-Fachblatt „National Interest“ den aktuellen Plan der US-Marine, ihre alternde Flotte von Seehund- und Transportschiffen endlich modernisieren zu können.

    In einem Memo vom 16. Dezember 2019 wies das „Office of Management and Budget“, die Ausgaben-Kontrollbehörde der US-Regierung, das zuständige US-Verteidigungsministerium an, „einen günstigeren Plan für neue Schiffe auszuarbeiten“.

    Die Marine plante zunächst, viele ihrer rund 120 „Sealift“-Schiffe durch die sogenannte „Common Hull Auxiliary Multi-Mission Platform“ (CHAMP) zu ersetzen.

    Diese technische Plattform sei ein „gemeinsamer Rumpf“, den die US Navy für Transportschiffe, Krankenhausschiffe und Reparaturschiffe verwenden könne.

    Aber das CHAMP-System koste schätzungsweise über eine Milliarde US-Dollar. Dies sei Washington zu teuer.

    „Die Marine sollte die CHAMP-Entwicklung für ‚Sealift‘-Schiffe nicht fortsetzen und sich um eine gesetzliche Erleichterung bemühen, um zusätzliche gebrauchte ‚Sealift‘-Schiffe zu beschaffen“, heißt es in dem Memo des Weißen Hauses an die US Navy.

    „Einsparungen sollten für Flugzeugträger, U-Boote und Zerstörer erfolgen. Die Beschaffung von gebrauchten Seehundschiffen und U-Boot-Tendern würde dann auch die Arbeit der Industriebasis erleichtern.“

    Pläne für die US Navy bis 2048

    Bis 2048 müsse die „Sealift“-Staffel von heute 300 Schiffen auf 360 anwachsen, um die Marine erfolgreich zu unterstützen und US-Streitkräfte während eines großen Krieges wieder versorgen zu können. Dazu rät aktuell ein Think-Tank aus Washington. Die Flotte sollte 48 Tankschiffe zu ihren derzeitigen 21 Tankschiffen hinzufügen, 20 zu den fünf Bergungsschiffen hinzufügen und die Anzahl der Reparatur-Tender von zwei auf 17 erhöhen.

    Außerdem müssten 25 Munitionsschiffe und sieben Krankenhausschiffe hinzukommen.

    „Wenn Verbündete mit US-amerikanischen Logistiknetzwerken nicht in der Lage sind, Abhilfe zu schaffen, könnten sie einen Krieg verlieren und USA und Partner in der Stunde der Not im Stich lassen“, warnt der Think-Tank öffentlich.

    Zuletzt gibt „National Interest“ zu bedenken, dass die anvisierten Ausgaben die Bemühungen der US-Marine untergraben könnten, „ihre Frontflotte von heute 290 Schiffen auf 350 oder 355 zu erweitern“. Die Navy habe begonnen zu signalisieren, dass sie es sich aus finanziellen Gründen „nicht leisten kann“, eine 350-Schiff-Streitmacht aufzubauen.

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    Tags:
    technische Probleme, Probleme, US-Flotte, Flotte, USA