18:42 25 Februar 2020
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    Der niederländische Schiffsbauer Damen Shipyards Group hat vor einigen Tagen den Zuschlag für den Bau deutscher Mehrzweckkampfschiffe MKS 180 erhalten. Es könnte sich um den letzten Auftrag dieser Art handeln.

    Deutsche Bundesministerien arbeiten an neuen Grundsätzen für die Beschaffung von Rüstungstechnik: Künftig sollen Aufträge wie der zum Bau der deutschen Mehrzweckkampschiffe an lokale Schiffsbauer vergeben werden, schreibt „Defense News“. 

    Dafür soll der Bau von Überwasserschiffen als eine Schlüsseltechnologie der deutschen Rüstungsindustrie definiert werden. Dann könnte Berlin bei der Beschaffung von Rüstungstechnik auf Ausnahmen von EU-Vorgaben bestehen, so das Portal. Bislang fordern EU-Vorschriften, nationale Rüstungsprogramme europaweit auszuschreiben, wie es beim MKS-180 der Fall war.

    ​Auch die Kieler Werft German Naval Yards mit Thyssenkrupp Marine Systems (TkMS) hatte sich um den Auftrag beworben: Mit dem Hauptargument, Arbeitsplätze und kritische Technologien in Deutschland zu sichern. 

    Die Damen Shipyards Group hat indes angekündigt, die Schiffe bei deutschen Subunternehmern bauen zu lassen, bei Lürssen Group und Blohm + Voss. Dadurch würde ein Großteil der gesamten Investition als Wertschöpfung in Deutschland bleiben.

    Neue Regeln für strategische Schlüsseltechnologien sind als Forderung im Koalitionsvertrag von CDU und SPD enthalten. Den Bau von Überwasserschiffen als Schlüsseltechnologie festzulegen, ist demnach beschlossen – ohne dass konkret gesagt würde, wann oder wie dies geschehen solle.

    Jedenfalls müsste dafür das sog. Strategiepapier der Bundesregierung zur Stärkung der Verteidigungsindustrie in Deutschland überarbeitet werden. Doch die Überarbeitung stockt, schreibt „Defense News“: Das Dokument hängt bei den zuständigen Ministerien fest. 

    Solange eine Entscheidung der Bundesregierung zu dem Strategiepapier aussteht, sieht sich das Bundesverteidigungsministerium offenbar nicht an industriepolitische Überlegungen gebunden: Der Überwasserschiffsbau sei gegenwärtig keine Schlüsseltechnologie, erklärte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums laut „Defense News“. Eine rein nationale Ausschreibung könne erst erfolgen, nachdem das Bundeskabinett das Strategiepapier bestätigt habe.

    Die Marine möchte die Mehrzweckkampfschiffe so schnell wie möglich übernehmen. Die für das Projekt zuständigen Beamten dürften sich aber noch gut an den Bau der Fregatte F125 erinnern. Das von ThyssenKrupp betriebene Fregattenprogramm war durch mehrjährige Verspätung belastet, schreibt „Defense News“.

    Das Bundesverteidigungsministerium hat für die Beschaffung von vier Mehrzweckkampfschiffen insgesamt über fünf Milliarden Euro veranschlagt. Das Projekt "MKS 180" war vor Jahren europaweit ausgeschrieben worden, da der Überwasserschiffbau noch keine Schlüsseltechnologie ist.

    Die Entscheidung, den Auftrag an die niederländische Werft zu vergeben, ist laut Staatssekretär Peter Tauber noch vorbehaltlich einer möglichen Rüge beziehungsweise einer gerichtlichen Nachprüfung durch German Naval Yards erfolgt. Auch der Bundestag muss sich noch mit dem Auftrag befassen.

    Die Kieler Werft hätte allerdings auch ohne den MKS-180-Auftrag viel zu tun, schreibt „Defense News“. Die deutsche Marine brauche noch Korvetten, Versorgungsschiffe, Minenjäger...

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    Tags:
    Kriegsschiff, Fregatte, ThyssenKrupp, Bundesmarine, Niederlande, Deutschland