10:10 28 November 2020
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    Zwei Brüder bauten im Dienste der Nazis einen Kampfjet, der angeblich tarnkappenfähig war. Dabei hatten die beiden Entwickler das gar nicht beabsichtigt: Es ging ihnen vorrangig um Geschwindigkeit und Reichweite. Das Portal „The National Interest“ berichtet.

    3 x 1000 musste das Kampfflugzeug leisten, das Luftwaffenchef Hermann Goering 1943 in Auftrag gegeben hatte: Die Maschine hatte 1000 Stundenkilometer schnell mit 1000 Kilogramm Waffenlast auf 1000 Kilometer Entfernung zu fliegen – um Ziele in England treffen und jedem Abfangjäger entwischen können, so der Plan.

    Ohne Strahlantrieb – das war klar – war die Tempovorgabe nicht zu erfüllen. Strahltriebwerke waren auch vorhanden, nur sogen sie die Treibstofftanks so schnell leer, dass an Einsätze auf lange Distanzen nicht zu denken war.

    Da griffen die Gebrüder Horten eine Idee von früher auf. Walter Horten diente als Kampfpilot bei der Luftwaffe, sein Bruder Reimer war ein Flugzeugentwickler ohne amtliche Ausbildung. Als noch jung, hatten die Gebrüder eine ganze Serie von leitwerklosen Gleitern entwickelt: Nurflügler – so windschnittig, dass sie nahezu keinen Luftwiderstand erzeugten. Die Grundkonstruktion für mehr Kraft, höhere Geschwindigkeiten und weniger Verbrauch war gefunden.

    ​Zuerst bauten die Gebrüder einen Prototyp ohne Motor. Das V1 genannte Fluggerät absolvierte die Tests erfolgreich; im Februar 1945 folgte der motorisierte Nurflügler V2, bestückt mit zwei Strahltriebwerken Jumo 004B.

    Das mantaförmige Flugvehikel hatte – für Flugzeuge dieser Auslegung eher unüblich – erstaunlich gute und stabile Flugeigenschaften. Der Nurflügler soll sogar einen Me-262-Düsenjäger in einem simulierten Luftkampf geschlagen haben.

    Nur wenige Tage nach dem Erstflug ging eins der beiden Triebwerke während eines weiteren Testflugs in Flammen auf, der Testpilot starb bei dem Unglück. Was unter normalen Umständen zum Programmstopp geführt hätte, zeitigte in diesem Fall keine Folgen: Goering hatte bereits die Produktion von 40 Nurflüglern genehmigt, die Produktion weiterer Prototypen – V3 bis V6 – wurde veranlasst.

    Die Serienflugzeuge erhielten die Bezeichnung Ho-229. Aber sie hoben niemals ab. Als amerikanische Truppen im April 1945 die Produktionsstätte in Friedrichroda besetzten, fanden sie nur wenige Cockpitsektionen der künftigen Flieger vor. Die Tragflächen dazu wurden erst an einem anderen Ort in über 100 Kilometern Entfernung entdeckt.

    Den Prototyp, dessen Aufbau am weitesten fortgeschritten war, verschifften die Amerikaner zusammen mit den Flügeln in die Vereinigten Staaten. Dort ist der V3 noch heute in einem Luftfahrtmuseum zu sehen.

    Ho-229: Eine Tarnkappenjäger?

    Es gibt keine Unterlagen aus den 1940ern, die belegen würden, dass die Nurflügler der Gebrüder Horten als Stealth-Flugzeuge ausgelegt sein sollten. Wohl aber gibt es andere Hinweise: Die beiden Entwickler sollen gestaunt haben, dass die Konstruktion eines Nurflüglers als solche schon zur Verringerung der Radarsignatur führt. Reimer Horten verfasste in den 1950ern einen Fachartikel, indem er behauptete, Flugzeuge aus Holz würden Radarstrahlen absorbieren.

    Dreißig Jahre danach, als die Stealth-Technologie bereits weitläufig bekannt geworden war, schrieb Reimer, er habe ursprünglich versucht, aus dem Nurflügler ein Tarnkappenflugzeug zu machen. Er habe bei der Konstruktion eine radarabsorbierende Spezialmischung aus Kohlenstoff, Sägemehl und Holzkleister verwendet.

    2008 rekonstruierte der US-Konzern Northrop Grumman ein Mockup der Ho-229. Getestet auf den Radarquerschnitt, zeigte der Nurflügler eine nur unwesentlich bessere Tarnkappenfähigkeit als eine Messerschmitt Bf 109.

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    Tags:
    Northrop Grumman, USA, Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg, Hermann Göring, Luftwaffe