02:17 02 April 2020
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    Diese Männer und Frauen sind die ultimativen Bahnbrecher: Die Pioniertruppe der russischen Landarmee feiert an diesem 21. Januar ihr 319-jähriges Bestehen. Bei ihrer Arbeit nutzen die Spezialisten in Uniform kluges Groß- und Kleingerät, das schwersten Einsätzen und höchsten Schwierigkeitsgraden Genüge tut.

    Die Technik muss es bringen, wenn Feldbefestigungen aufzuschütten und Minensperren zu öffnen, Geländeeinschnitte passierbar zu machen und gegnerische Stellungen aufzubrechen sind. Doch brachiale Gewalt und imposante Größe ist nicht alles beim russischen Pioniergerät.

    Sprengschlauch gegen Minen

    1978 entwickelt, gilt das mobile Minenräumsystem „Meteorit“ bis heute als unersetzlich. Wofür Menschen mehrere Stunden benötigen, schafft dieses Gerät in wenigen Minuten: Der mobile Minenräumer schlägt bis zu 90 Meter lange und sechs Meter breite Schneisen in feindliche Minenfelder.

    Das mobile Minenräumsystem „Meteorit“ nimmt an einem Manöver im russischen Fernen Osten teil (Archivbild)
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Das mobile Minenräumsystem „Meteorit“ nimmt an einem Manöver im russischen Fernen Osten teil (Archivbild)

    Auf einem Kettenfahrgestell vom Typ MTLB ist eine Startlafette aufgebaut, die eine Ladung von zwei Minenräumsätzen enthält. Das sind je 90 Meter lange und 70 Zentimeter breite Kunststoffschläuche, gefüllt mit Plastiksprengstoff. Mittendurch verläuft die Zündschnur.

    Die Startlafette beschießt Minenfelder mit Flugkörpern, die den explosiven Schlauch hinter sich herziehen. Nach 90 Metern koppelt sich die Kunststoffröhre ab und fällt auf das Minenfeld herunter. Ein Ruck zurück mit dem Kettenfahrzeug: Der Schlauch ist strammgezogen – Zündung. Alle Minen im unmittelbaren Bereich werden gesprengt und zuverlässig zerstört, der Weg ist frei für Kampfgerät und Infanterie.

    Das UR-77 „Meteorit“ wurde in vielen Konflikten der letzten Jahrzehnte eingesetzt. Wie die Praxis gezeigt hat, ist das System nicht nur gegen Minenfelder gut: Panzersperren, Barrikaden und Trümmerhaufen lassen sich damit ebenfalls wirkungsvoll beseitigen. In dieser Funktion diente „Meteor“ den russischen Pioniertruppen noch vor Kurzem in Syrien. In diesem Jahr soll das Räumsystem durch verbesserte Ladungen modernisiert werden.

    Klarsicht mit Spielballkamera

    Russische Sprengstoffexperte nutzen das Spähsystem „Sfera“ bei Minenräumung in Palmyra (Archivbild)
    © Sputnik / Russlands Verteidigungsministerium / Handout
    Russische Sprengstoffexperte nutzen das Spähsystem „Sfera“ bei Minenräumung in Palmyra (Archivbild)

    Vier Videokameras in einer Kugel kaum größer als ein Tennisball – das ist das Spähsystem „Sfera“. Die russische Kampfmittelabwehr vertraut darauf im Syrien-Einsatz, wenn es unübersichtlich wird. Die Aufklärungskugel wird an schwerzugänglichen Stellen einfach geworfen. Das Gehäuse ist robust genug, um den freien Fall aus bis zu fünf Metern Höhe auszuhalten. Das eingebaute Positionssystem bringt die „Sfera“ in die richtige Stellung.

    Die vier Kameras ermöglichen absolute Rundumsicht, die Bilder werden auf ein Bedienpult mit einem Bildschirm übertragen. Bei vollem Akku bleibt das Spähsystem eine Stunde lang aus einer Distanz von bis zu 50 Metern auf Sendung. Das russische Innenministerium hatte Interesse an der Entwicklung gezeigt, beschafft hat es aber das Verteidigungsministerium. Zwischen den urbanen Trümmern in Syrien ist die „Sfera“ unabdingbar.

    Der Allrounder

    Auch in urbaner Umgebung geht es ohne schweres Räumgerät im Kampf nicht voran – das haben die Einsatzerfahrungen der letzten Jahrzehnte gezeigt. Das Beste, was den russischen Streitkräften zu diesem Zweck bereitsteht, ist der Räumpanzer IMR-3M.

    Pionierpanzer IMR-3М auf der Rüstungsmesse Army 2016 bei Moskau
    © Sputnik / Sergej Pirogow
    Pionierpanzer IMR-3М auf der Rüstungsmesse Army 2016 bei Moskau

    Auf dem Fahrgestell eines T-90 ist ein drehbarer Turm mit einem Teleskopbaggerarm aufgebaut. Hinzu kommt ein frontales Räumschild oder ein Aufsatz mit Reißzähnen zum Minenräumen. Am Ausleger können ein Tieflöffel, ein Greifer oder ein Bohrgerät montiert werden. Der Koloss ist beschusssicher, was in urbanen Kampfsituationen sehr wichtig ist.

    Der Innenraum ist hermetisch abgeriegelt, für Einsätze in kontaminierter Umgebung. Weil auch Möglichkeiten zur Verpflegungszubereitung und zur Entsorgung von Ausscheidungen gegeben sind, kann die Besatzung des IMR-3M bis zu drei Tage lang im autonomen Einsatz bleiben. Moderne Kommunikationssysteme sind vorhanden. Zur Selbsttarnung können Nebelwurfmittel verschossen werden.

    Der Brückenbauer

    Die Panzerschnellbrücke MTU-90M
    © Sputnik / Pawel Lissizyn
    Die Panzerschnellbrücke MTU-90M

    Die Panzerschnellbrücke MTU-90M hat die russische Armee Ende der 2000er Jahre in die Nutzung eingeführt. Auf einem T-90-Chassis ist eine dreiteilige Brücke aufgebaut, die das Überwinden von Gewässern und Geländeeinschnitten von bis zu 19 Metern Breite ermöglicht.

    Die Schnellbrücke ist nach zwei, höchstens zweieinhalb Minuten aufgebaut – ohne dass die Besatzung den Panzer verlassen muss. Fahrzeuge von bis zu 60 Tonnen Gesamtgewicht (mit Ketten- oder Radantrieb) können die Konstruktion befahren. Gesteuert wird der Brückenlegepanzer von einem zweiköpfigen Trupp; der Innenraum ist hermetisch abgeriegelt, das komplette Fahrzeug beschusssicher.

    Roboter zur Minenabwehr

    Beim Minenräumen in Syrien setzt die russische Pioniertruppe eine Neuentwicklung ein: den Minenräumroboter „Uran-6“. Das ferngesteuerte Kettenfahrzeug kommt dort durch, wo es für einem schweren Räumpanzer zu eng ist.

    Der Minenräumroboter „Uran-6“ im Einsatz nahe der syrischen Stadt Aleppo (Archivbild)
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands
    Der Minenräumroboter „Uran-6“ im Einsatz nahe der syrischen Stadt Aleppo (Archivbild)

    Die Fernsteuerung funktioniert auf bis zu 1.000 Meter. Vier Kameras sorgen für 360-Grad-Rundumsicht. Zum Minenräumen kommen allerhand Räumwerke am „Uran-6“ zum Einsatz. In Syrien nutzt die russische Pioniertruppe am häufigsten das frontal angebaute rotierende Räumwerk.

    An einer Welle, die auf bis zu 700 Umdrehungen pro Minute beschleunigt wird, sind Ketten mit Gewichten angebracht. Die rotierenden Gewichte wühlen den Boden 35 Zentimeter tief auf und zerstören so freiliegende oder vergrabene Minen. Am Roboter selbst hinterlassen die Explosionen nichts als Kratzer. Allein in Palmyra und Aleppo sind auf diese Weise laut Behördenangaben Dutzende Minen und Sprengfallen zerstört worden.

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    Tags:
    Aleppo, Palmyra, Syrien, Russland, Pioniertruppen, Meteor-M