04:24 24 Februar 2020
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    Wo hinter jeder Ecke Gefahren lauern, brauchen Soldaten kluge, starke und agile Technik. Die britische Infanterie hat kürzlich einen Panzer für solche Einsätze getestet: den Streetfighter II, entwickelt für urbanes Kampfumfeld. Vollgepackt mit Sensorik, ist der Panzer relativ leicht geschützt – was Fragen aufwirft.

    Konflikte werden zunehmend in dichtbebautem Gelände ausgetragen: Dort, wo Terrormilzen, Aufständische und Guerillas blitzschnell aus Verstecken zuschlagen und genauso schnell wieder verschwinden können. Deshalb sind es Lageinformationen und Lagebilder, worauf es den Soldaten beim Kampf in urbaner Umgebung besonders ankommt. Aber wirksamer Schutz ist auch wichtig.

    Das Royal Tank Regiment hat Anfang Januar 2020 den Kampfpanzer Streetfighter II getestet – eine speziell auf Einsätze in Ortschaften zugeschnittene Version des KPz Challenger 2. Die Tests fanden in Copehill Down statt, einem Truppenübungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums in der südenglischen Salisbury Plain, schreibt das Portal „The Drive“. Dort können Streitkräfte sogenannte FIBUA-Einsätze üben: Fighting In Built Up Areas (Kampf in bebautem Gelände). Das Projekt Streetfighter II läuft laut dem Portal seit Dezember 2018.

    „Unser Ziel mit Streetfighter ist es, Fähigkeitslücken zwischen unseren Kräften und den möglichen Gegnern festzustellen, um dann technische Lösungen zur Anpassung vorzuschlagen“, sagt ein als Captain Quant vorgestellter Offizier in einem Youtube-Video zu dem Panzertest.

    Was den Streetfighter II auszeichnet, ist ein spezielles Lageerkundungssystem vom israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems. Es nennt sich Iron Vision und besteht aus elektrooptischen und Wärmebildkameras, die rundum an den Außenwänden des Panzers angebracht sind.

    Die einzelnen Aufnahmen der verteilten Kameras werden zu einem ganzheitlichen Bild zusammengeführt und als solches an die Helmdisplays der Panzerbesatzung übertragen, schreibt „The Drive“. Damit kann der Panzerkommandant quasi durch die Panzerung hindurchsehen, und zwar bei Tag und Nacht. Ähnliche Systeme kommen auch in Kampfflugzeugen zum Einsatz.

    Natürlich können auch drehbare Kameras ein 360-Grad-Lagebild liefern. Solche Sichtgeräte sind meist auf den Geschütztürmen von Kampfpanzern montiert. Aber das Kameraobjektiv blickt immer nur in eine Richtung, das momentane Sichtfeld bleibt eingeschränkt. Auch hat die Besatzung mit herkömmlichen Kameras keine Möglichkeit, sich auf natürliche Weise durch intuitives Umschauen ein Bild von der Lage zu verschaffen.

    Ein Gimmick haben sich die britischen Entwickler offenbar von dänischen Kollegen abgeschaut: Eine am Geschützrohr aufgehängte Kamera, die es möglich macht, um die Ecke zu sehen, ohne in den Gefahrenbereich mit dem ganzen Panzer fahren zu müssen. Das hatten sich dänische Soldaten im Afghanistan-Einsatz einfallen lassen und an ihren Leopard-2-Panzern ausprobiert.

    Lagebilder werden auch an ein Tablet am Heck des Streetfighters übertragen, damit die Infanteristen, die im Verbund mit dem Panzer vorgehen, notwendige Informationen erhalten. Unklar ist allerdings, schreibt „The Drive“, ob die gebündelten Aufnahmen des Iron Vision auf das Tablet übertragen werden können. Jedenfalls hat die Infanterie die Möglichkeit, mit der Panzerbesatzung über vorgesehene Anschlüsse zu sprechen und Daten auszutauschen.

    Noch eine Möglichkeit zur risikofreien Lageerkundung bietet das Unmanned Ground Vehicle: ein fahrbarer Aufklärungsroboter, der von der Panzerbesatzung ferngesteuert wird. Das Manned-Unmanned-Teaming ist auch im Panzerbau angekommen.

    Auffällig am Streetfighter II ist, dass aktive Schutzsysteme fehlen, schreibt „The Drive“. Diese Systeme schützen das Gerät und die Besatzung vor Angriffen mit Panzerabwehrwaffen und zählen inzwischen bei allen modernen Panzerfahrzeugen zum Standard.

    Auch sind auf dem Geschützturm des britischen Panzers keine fernsteuerbaren Maschinenkanonen angebracht. Diese Waffen sind eine Zusatzmöglichkeit für die Crew, Gefahren abzuwehren, ohne den geschützten Innenraum des Fahrzeugs verlassen zu müssen.

    Dass standardmäßige Schutz- und Waffensysteme am Streefighter II fehlen, könnte laut „The Drive“ am Faktor Einsatzmasse liegen: Die neuesten Ausführungen des Challenger 2 wiegen bereits bis zu 83 Tonnen, wenn sie mit dem Zusatzschutz ausgerüstet sind.

    Das „Gewichtsproblem“ des britischen Panzers hat sich schon auf dessen Mobilität ausgewirkt, schreibt das Portal. 2016 gab das britische Militär bei den Rüstungskonzernen BAE Systems und Krauss Maffei Wegmann sogar einen neuen Brückenlegepanzer in Auftrag, der das Gewicht eines vollgeschützten Challenger 2 aushalten könnte.

    Aber: Statt der Zusatzschutzsysteme verfügt der Streetfighter II über einen Räumschild. Damit können Hindernisse, Trümmer, Barrikaden einfach beiseitegeschoben werden. Britische Soldaten nutzen den Räumschild auch als Trage für Verwundete, wie in dem Video von der Kampfübung in Copehill Down zu sehen ist.

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    Tags:
    Straßenschlachten, Großbritannien, Panzer Challenger 2