08:40 13 August 2020
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    Geht es um Rüstungsexporte, sind vor allem USA, Russland und Deutschland im Gespräch. Derweil macht im Schatten der großen Drei ein kleines Königreich aus Europa ein gutes Geschäft mit Kampfjets, Korvetten und Kanonen. Was hat das friedfertige Schweden zu bieten auf dem Waffenmarkt?

    Seinen letzten Krieg hatte Schweden vor über zwei Jahrhunderten gekämpft – und verloren: 1809 musste das Königreich seine Provinz Finnland an Russland abtreten. Aber es ist nicht so, als wäre Schwedens Waffenindustrie wegen der Friedenszeiten daheim unausgelastet. Das Land mit seinen zehn Millionen Einwohnern zählt zur Top-10 der Rüstungsexporteure.

    Flugzeuge

    Die Marke, die lange Zeit vor allem für extravagante Limousinen der gehobenen Mittelklasse stand, hatte eigentlich einst als Flugzeugbauer angefangen. Flugzeuge, vor allem Kampfjets baut Saab noch heute.

    1979 hatte der Konzern die Entwicklung eines Mehrzweckjägers aufgenommen, 1996 übernahm das schwedische Militär die erste Saab JAS 39 Gripen. Seitdem wurde das einmotorige multirollenfähige Kampfflugzeug permanent verbessert: 2017 kam die Gripen E auf den Markt – ein Kampfjet, der durch seine elektronische Ausstattung über die Generation 4++ hinausreicht, schreibt das Portal „Popular Mechanics“.

    Die Präsentation vom schwedischen Kampfjet JAS 39E Gripen
    © AFP 2020 / TT News Agency / ANDERS WIKLUND
    Die Präsentation vom schwedischen Kampfjet JAS 39E Gripen

    Ein schwedischer General lobte die Maschine sogar als „Su-Killer“. Das war definitiv zu hoch gegriffen, denn die russische Su-27-Familie, auf die der Schwede anspielte, ist eine ganz andere Gewichts- und Leistungsklasse. Selbst im Vergleich mit der MiG-35 oder mit der amerikanischen F-16 sieht die schwedische JAS 39 kompakt aus.

    Ein wenig hat die Gripen E, verglichen mit den Vorgängerversionen, an Gewicht allerdings zugelegt. Die neueste Ausführung wiegt 16,5 statt der bisherigen 14 Tonnen. Der Jet kann mehr Treibstoff in den Einsatz mitnehmen – und mehr Waffen: Bomben und Raketen können an zehn (vormals acht) Stationen aufgehängt werden. Das Strahltriebwerk der Gripen E ist entsprechend der Gewichtszunahme verstärkt worden.

    Das Kernstück des Upgrades ist aber die Elektronik: Ein AESA-Radar und ein passiver elektrooptischer Infrarotsensor sollen selbst Tarnkappenziele jenseits des Sichtbereichs erkennen können. Als erster Kunde hat Brasilien die Gripen E erhalten.

    Artillerie

    Über 40 Länder nutzen die schultergestützte Panzerabwehrwaffe Carl Gustaf. Deren erste Modifikation übernahm das schwedische Heer 1948! 2014 haben die Schweden die Version M4 vorgestellt. Mit der Ausführung aus den Vierzigerjahren teilt diese Waffe noch die Grundkonstruktion, ansonsten ist alles neu: Das Rohr besteht aus Leichtmetall und Verbundwerkstoffen, die Munition ist gegen nahezu jedes mobile Ziel einsetzbar.

    Dass Schweden echte Spezialisten für Geschütze sind, zeigt der Schützenpanzer CV90 von Hägglunds. Das Gefechtsfahrzeug ist standardmäßig mit der Maschinenkanone L70 ausgerüstet, ursprünglich entwickelt vom Bofors-Konzern. Über 1000 Exemplare des Schützenpanzers sind seit 1993 ausgeliefert worden.

    US-Militärs schießen mit einem Granatenwefer Carl Gustaf schwedischer Produktion
    US-Militärs schießen mit einem Granatenwefer Carl Gustaf schwedischer Produktion

    Und damit zum modernsten Geschütz der Schweden. Das ist die mobile Haubitze Archer: eine vollautomatische 155-mm-Kanone, montiert auf einem Knicklenker-Fahrgestell von Volvo. Die Geländefähigkeit des Fahrzeugs ist außerordentlich: Selbst in meterhohem Schnee kommt der Archer durch, schreibt „Popular Mechanics“.

    Bei der Reichweite ist die Radhaubitze mit rund 60 Kilometern Wirkradius (Einsatz von antriebsunterstützter Munition) zwar nur Mittelmaß. Dafür ist Archer das schnellste Artilleriegeschütz der Welt: Den Kampfsatz von 21 Geschossen verschießt die vollautomatische Kanone in nur dreieinhalb Minuten.

    U-Boote und Korvetten

    Die modernsten U-Boote der schwedischen Marine kommen vom Kockums-Konzern. In den Neunzigerjahren baute das Schiffsbauunternehmen auf einer Werft in Malmö drei dieselelektrische Submarinen der Gotland-Klasse. Der Rumpf der U-Boote ist auf möglichst geringe Geräuschemissionen getrimmt, der außenluftunabhängige Antrieb ermöglicht autonome Unterwassereinsätze von bis zu zwei Wochen Dauer – ohne Auftauchen, ohne Schnorchel, ohne Diesellärm.

    Das schwedische U-Boot der Gotland-Klasse im Hafen von San-Diego (Archivbild)
    Das schwedische U-Boot der Gotland-Klasse im Hafen von San-Diego (Archivbild)

    Eine andere Werft des Kockums-Konzerns, in der Stadt Karlskrona an der Südspitze Schwedens, ließ im Jahr 2000 die weltweit fortschrittlichste Korvette vom Stapel: die Visby-Klasse – das erste zu 100 Prozent tarnkappenfähige Kampfschiff der Welt. Der kantige Rumpf entsteht in Sandwich-Bauweise aus Kohlefaserplatten mit einer Zwischenschicht PVC.

    Die schwedische Korvette HMS Visby (Archivbild)
    © AFP 2020 / MARKO SAAVALA
    Die schwedische Korvette HMS Visby (Archivbild)

    Dadurch weist die Hülle keine magnetischen Eigenschaften auf, absorbiert oder zerstreut Radarstrahlen und dämmt die Technik im Rumpfinneren gut ab. Das verringert die Infrarotsignatur der Korvette. Seit 2014 ist Kockums übrigens eine Sparte des Saab-Konzerns.

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    AWACS-Flugzeug Embraer R-99 der indischen Luftstreitkräfte
    AWACS-Flugzeug Embraer R-99 der indischen Luftstreitkräfte

    Saab ist auch im Bereich Luftaufklärung die schwedische Nummer 1. Die Firma liefert das Erieye: ein radargestütztes Frühwarnsystem, das auf Flugzeugen von der Größe einer Regionalmaschine montiert wird. Gerade kleinere Länder nutzen die Saab-Technik als kostengünstige Alternative zu großen AWACS-Flugzeugen.

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    Tags:
    SAAB, JAS 39 Gripen, Waffenindustrie, Waffenhandel, Schweden