11:14 14 Juli 2020
SNA Radio
    Technik
    Zum Kurzlink
    Von
    2421123
    Abonnieren

    800 Kampfpanzer für die polnischen Streitkräfte: Ein Großauftrag im Wert von schätzungsweise neun Milliarden Dollar, den Polen statt an Deutschland oder Frankreich an den Hyundai-Konzern aus Südkorea vergeben könnte. Noch in der ersten Hälfte dieses Jahres soll das üppige Waffenprogramm starten.

    Konkrete Zahlen bleiben vertraulich, aber dass der Rüstungskonzern Hyundai Rotem an der polnischen Ausschreibung für neue Kampfpanzer teilnehmen will, ist offiziell. Ein Konzernsprecher habe dies bestätigt, schreibt „The Korea Times“. Verhandlungen sollen schon laufen.

    Panzer für Polen – streng geheim

    Erst sei in Polen berichtet worden, die Regierung in Warschau betrachte den Konzern aus Südkorea als Partner für das Programm zur Modernisierung der polnischen Panzertruppe, erklärte ein Hyundai-Sprecher laut dem Blatt. „Daraufhin sind wir geschäftlich aktiv geworden und haben uns an die polnische Führung und Rüstungswirtschaft gewandt, um den Auftrag zu erhalten.“

    Ob es dabei um den Export fertiger, an die Anforderungen der polnischen Streitkräfte angepasster Panzer geht oder ob ein Panzer zusammen mit Polen neuentwickelt werden soll – auf diese Frage sagte der Hyundai-Sprecher nur: „Das sind vertrauliche Informationen“.

    Der Panzertyp, den die polnischen Streitkräfte gegenwärtig nutzen, ist der PT-91 Twardy: eine Weiterentwicklung des russischen (aber in Polen in Lizenz gebauten) T-72 vom Ende der Neunzigerjahre. Polen hat also Bedarf an neuer Technik und am Technologietransfer.

    Warschau hatte auch Interesse daran gezeigt, mit Deutschland und Frankreich am Main Ground Combat System zusammenzuarbeiten und diesen Kampfpanzer für die eigene Armee im eigenen Land herzustellen. Nur: „Deutschland und Frankreich arbeiten in Rüstungsfragen zusammen - und schließen Polen aus“, schreibt „Die Welt“.

    „Polen will von der Technologie und vom Know-how der EU-Partner profitieren. Deswegen will man sich am Panzerprojekt MGCS beteiligen. In Berlin aber hat man viele schlechte Erfahrungen mit europäischen Großprojekten gemacht, wie beim Eurofighter oder dem Transportflugzeug A400M. Je mehr Nationen sich an einem Vorhaben beteiligen, desto häufiger sind Verzögerungen, desto höher die Kosten“, so die Zeitung.

    Neue Technik für wenig Geld?

    Was Hyundai Rotem anzubieten hat, ist der Panzer K2 Black Panther. Der Rüstungskonzern bewirbt das Kampfgerät als eine preisgünstige Alternative zum deutschen Leopard 2 (geschätzter Stückpreis neun bis elf Millionen Euro).

    Der Black Panther sei eventuell 30 Prozent günstiger, schrieb ein südkoreanisches Nachrichtenportal. Allein, es fehlt dem Kampfpanzer von Hyundai an Exporterfolgen. Ausländische Kunden haben Bedenken: Zu gering die Produktionszahlen, kaum vorhanden die Einsatzerfahrung.

    Hyundai Rotem hatte anfänglich mit einem Ausstoß von 600 Exemplaren gerechnet. Wegen hoher Kosten und Problemen beim Antrieb – Motor und Getriebe mussten gegen Technik aus Deutschland ausgetauscht werden – wurde die Produktion drastisch gekürzt: bis 2014 waren lediglich 100 K2-Panzer hergestellt.

    Alle weiteren Panzer sollten ausschließlich mit südkoreanischen Komponenten vom Band rollen, aber die Probleme mit dem Antriebsstrang zogen sich hin. Der erste Black Panther aus dem zweiten Los ist erst im letzten Frühjahr ausgeliefert worden, mit ausländischem Getriebe.

    Die dritte Produktionsetappe kann Hyundai Rotem frühestens 2021 starten. Doch selbst danach werden in Südkorea höchstens 322 Einheiten des K2 gebaut worden sein. Unter diesen Umständen ist mit einer nennenswerten Senkung der Stück- und Betriebskosten für den Black Panther nicht zu rechnen.

    Aber: Für Polen ist Südkorea auch aus dem Grund als Rüstungspartner interessant, weil es bereits gemeinsame Erfolge beim militärischen Technologietransfer gibt. 2014 bestellte das polnische Verteidigungsministerium beim südkoreanischen Konzern Samsung Techwin (jetzt Hanhwa Defence) Kettenfahrgestelle zum Aufbau polnischer Haubitzen.

    Zunächst sollten 24 Fertigfahrgestelle geliefert, dann sollte ab 2018 eine Produktion mit Komponenten aus Südkorea in Polen aufgebaut werden. Im Herbst 2019 hat ein polnisches Fachportal berichtet, acht dieser Panzerhaubitzen seien bereits an ein polnisches Artillerieregiment übergeben worden.

    Ansonsten gilt der Black Panther in der Fachwelt als schlagkräftiges Gerät. Der K2 ist einer von nur drei Typen von Kampfpanzern der 3. Generation, die derzeit in der Nutzung sind, schreibt das „Military Watch Magazine“. Die beiden anderen KPz dieser Leistungsstufe sind laut dem Portal der japanische Type 10 und der russische T-14. Also sei das Kampfgerät aus Südkorea den neuesten Panzern aus Russland beim Einsatzwert gleichrangig – davon gehe man aus.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Trifft jedes Ziel in Russland“: Diese neuen Waffen entwickeln die USA
    Aus Hongkong in USA geflohene Virologin offenbart „Wahrheit“ über Covid-19
    Plateau bei Ölgewinnung in den USA erreicht – Branchenriese
    Tags:
    Deutschland, Südkorea, Polen, Kampfpanzer K2 Black Panther, Panzer T-72